Die Sache mit dem Bloggen

29. Juni 2009 - 21:18 Uhr - Moe
Irgendwie blogge ich hier ja nicht mehr viel. Früher hab ich ja mitunter auch recht viel Meta-Blogging betrieben, also das Bloggen über Weblogs, den Umgang damit, die Blogosphäre an sich und überhaupt. So ungefähr das, was viele heute bei und über Twitter machen.

Wie auch immer, heut möcht ich das mal wieder tun, aber eher selbstbezüglich, ohne Quellen, und wie's mir gerade in den Sinn kommt. Irgendwie denke ich beim öffentlichen Schreiben mehr nach als früher, was dem Schreiben nur bedingt förderlich ist. Nachdenklich gemacht hat mich auch der Blogpost von Thomas Frütel: Der Weg in die Cloud: Evolution der Blogosphäre. Zwar hab ich mich auf Twitter ein bisschen lustig drüber gemacht, aber neben der persönlich-zeitlichen Situation ist es meiner Ansicht nach schon ein ausschlagender Punkt: Wir hatten ja nix. Als ich zu bloggen begann, gabs nur sehr wenige Bloghoster, und ein paar hundert Blogs in Deutschland, die meisten davon selbst gehostet. Kein Flickr, delicious, Qype, Twitter oder Facebook usw., wo man eben seine Inhalte veröffentlichen, sich vernetzen und miteinander kommunizieren kann.

Während Blogs die sich durch personal Publishing in Existenz schreibende digitale Identität im Web für die meisten Menschen erst ermöglicht hatten, stand das, was man nun Web 2.0 oder heute auch Social Media nennen mag, zwar irgendwie sichtbar am Horizont, aber dennoch in weiter Ferne. Eigentlich war das Blog an sich ja noch ein zentraler Bündelungspunkt der Aktivitäten und Inhalte einer Person. Spezifische Fachblogs waren viel weniger prominent. Naja und das Blog ist ja an sich die Mutter aller anderen Web 2.0-Dienste. Ohne einen Permalink, eine chronologische Sortierung und einen RSS- oder sonstwas-Feed geht ja fast nix. Diskussionen und inhaltliche Streams der virtuellen Identität einzelner Personen sind heute deutlich fragmentierter geworden. Wir nutzen das Web ganz anders, bündeln nicht mehr nur die Inhalte persönlich ausgewählter Blogs in unseren RSS-Readern, sondern verteilen unsere Aktivitäten sowie die Rezeption der Inhalte anderer auf die jeweils darauf spezialisierten Dienste. Dort wird uns unsere gegenseitige Aufmerksamkeit geradezu zugeführt, und das wenns geht quasi in Realtime.

Damit hat die Entwicklung des Webs also einen Anteil daran, wie sich das Bloggen - sicher nicht nur für mich - verändert hat. Ein ganz anderer Punkt ist natürlich noch die persönliche Situation, was Inhalte und was Zeit angeht.

Auch über wenn man so will im weitesten Sinne politisches habe ich früher öfters mal gebloggt. Da war irgendwie dieser Drang, vielleicht auch die Hoffnung, durch Schreiben etwas zu verändern, und wenn das schon nicht geht, sich immerhin die Welt oder seine Sicht darauf zu erschreiben. Heute glaube ich, die Veränderung im Web kommt eher durch die Masse einer Bewegung, einer Position oder auch nur eines Gedanken zustande. Nur warn da nicht so furchtbar viele. Meine Schreibe war dann auch mal eher wütend, und Freunde hab ich mir damit auch nicht immer gemacht. Manches was ich vor ein paar Jahren geschrieben hab ist mir heute etwas peinlich.

Manchmal lese ich aber auch einen alten Text und frage mich wo ich die Zeit und die Orientierung her hatte, so viele Quellen und Meinungen aufzutreiben und querzuverlinken. Inhaltlich zu bloggen braucht ja auch viel Zeit, inhaltliches Wissen, und eine Verortung im Diskurs. Aber irgendwie war da eben die Zeit dafür da, das sieht bei einer Festanstellung schon etwas anders aus. Nach einem Tag im Büro bin ich Abends nicht unbedingt so scharf darauf, noch mehr Zeit konzentriert am Rechner zu verbringen, ausser der, die ich dann eh noch ab und an mit Arbeit verbringe. Was natürlich auch Einfluß auf die potentielle Leserschaft hat. Andererseites kann ich vieles, über das ich als Student gebloggt habe, heute auch persönlich besprechen, das ging "damals" eher selten. Als Student kannte ich eigentlich niemanden der irgendwas mit Blogs oder Wikis am Hut hatte in meiner Stadt. Hamburg und das Web sind nicht nur so gesehen für mich derzeit auf jeden Fall the place to be. :-)

Nur das mit dem Bloggen, da muss was passieren.

2 Kommentare:

  1. Thomas Frütel schrieb:
    "Wir hatten ja nix..." - Stimmt, nichtmal WordPress :)
    # 29. Juni 2009 - 21:44 Uhr
  2. Moe schrieb:
    Wir langsam wohl mal Zeit für mich, was? :)
    # 29. Juni 2009 - 22:29 Uhr

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