Die Musikindustrie sieht in der Art der digitalen Speicherung eine Bedrohung: Weil eine Festplatte, egal wie viel Musik darauf gespeichert ist, immer gleich viel wiege, gehe schleichend das Gefühl für den Wert der Musik verloren, so der Vorsitzende der Deutschen Phonoverbände, Michael Haentjes.futurezone.orf.at [via Oliver Gassner]
Also ich hab mir gestern bei Amazon zwei CDs bestellt, und eigentlich würde ich die als erstes mal rippen, damit ich sie als MP3s auf meinem Notebook hören kann, so ganz ohne dass es schwerer wird. Ich will ja nich dauernd irgendwelche CDs - ihr wisst schon, dieses grosse, unhandliche Speichermedium aus dem vorigen Jahrhundert - mit mir rumschleppen. Darf ich überhaupt noch Mp3s zum privaten Gebrauch von meinen CDs rippen? Ich muss zugeben, ich hab mich mit der eher lächerlichen Diskussion um die Rechtslage kaum noch beschäftig. Was auch einer der Gründe sein dürfte, wieso ich sonst eigentlich nur last.fm höre. Musik zu kaufen macht bei steigender Rechtsunsicherheit und einer Musikindustrie die immer wieder mal irgendwen pauschal als Verbrecher beschimpft nicht mehr so wirklich Spaß.
Und was meint der Herr Haentjes eigentlich, wenn er vom "Wert der Musik" spricht? Den künstlerischen Wert, die Produktionskosten des Künstlers, oder die Kosten die entstehen wenn man irgendwelche Datenträger herstellt, bespielt, lagert, auf LKWs durch die Gegend fährt, in Verkaufsräume stellt, und von Angestellten verkaufen/kassieren lässt?
Update: Was mir gerade noch so durch den Kopf schiesst: Ist eine Audio-CD denn nicht eine Form der "digitalen Speicherung"? Ich glaub ich versteh das mal wieder alles nicht.

Das dies alles großer Quark ist, braucht nicht erwähnt zu werden.
Meistens versagen die verkrüppelten CDAs mit Kopierschutz in High-End-Autoradios. Da hab ich nämlich auch so ein spezielles Exemplar hier: Depeche Mode - Precious (Single). Die läuft dank Kopierschutz nicht in einem Gerät, womit man garantiert keine Kopie von anfertigen kann (ok, natürlich über analoge Ausgänge (Cinch) immer).
Ob du das reklamieren kannst, wage ich einmal zu bezweifeln. Deswegen muss der Hinweis ja auch auf dem Cover hinten eigentlich stehen. Bzw. steht auch auf dem inneren Rand der CD selber (den sieht man verpackt natürlich nicht). Sonst könnte ja jeder eine kopiergeschützte CD einfach und problemlos mit dieser Begründung umtauschen und sie trotzdem vorher kopiert haben (geht ja eh irgendwie immer).
Wohlgemerkt hat nicht nur die Musikindustrie Probleme mit der digitalen Speicherung. Der Filmindustrie geht es da nicht anders. Neue Technologien erfordern Veränderungen, verlangen finanzielles Risiko. Die Filme "S1m0ne" (2002) und "Strange Days" (1995) greifen diese Diskurse sehr geschickt auf, gehen sogar noch weiter und widmen sich dem Problem der künstlichen Bilder, vor denen Hollywood ja anscheinend sehr viel Angst hat. Aber ich schweife ab. ;)
Zum Thema: Der Wert von Musik bemißt sich selbstverständlich nach dem Gewicht des Tonträgers. Bis zur Erfindung des Phonographen war Musik noch extrem viel Wert: Ein Orchester mit Instrumenten wiegt ordentlich was, und selbst ein Streichquartett bringt locker eine viertel Tonne auf die Waage. Mit der Erfindung des Phonographen nahm der Wert der Musik dann rapide ab. Ein unheilvoller Trend, der sich durch die Entwicklung des Grammophons und der Langspielplatte noch verstärken sollte: Von anfänglich 200g auf zum Ende hin nurmehr 125g reduzierte sich das Gewicht etwa einer Stunde Musik. Ein kaum vorstellbarer Wertverlust!
Doch all das war noch gar nichts, verglichen mit den Entwicklungen, die die Zukunft noch bringen sollte: Auf 13,5g bringt die Anfang der 80er Jahre eingeführte CD knappe 80 Minuten Musik unter - Um ein Drittel verlängerte Spielzeit nur etwas mehr als einem Zehntel des Gewichtes einer LP! Doch der kaum noch schleichende Wertverlust der Musik war noch lange nicht an seinem Ende angelangt! Durch die Entwicklung höchst effizienter Audiokompressionsverfahren faßt eine CD inzwischen bis zum Zehnfachen der oben genannten Kapazität in sehr guter Qualität! Das sind fast 800m/13,5g! Doch auch dies markiert noch nicht das Ende! Die rasante Entwicklung digitaler Massenspeicher führte zu einem immer schwindelerregenderen Absacken des Musikwertes: Sogenannte USB-Sticks bringen ein Verhältnis von über 2000m/10g zustande. Von modernen Festplatten zu reden verbietet sich wegen des wahrlich atemberaubenden Wertverlustes der Musik, der dort zu konstatieren wäre.
Um beim Beispiel des Vergleichs "Orchester, Plattenspieler, MP3-Stick" zu bleiben: Für einen Orchesterbesuch bereitet(e) man sich aufwändig vor, fuhr in einen anderen Teil der Stadt oder sogar einen anderen Ort, hörte ein Konzert und nahm eine wirklich einmalige Erfahrung mit nach Hause, die einen lange Zeit beschäftigen konnte.
Eine Schallplatte behandelte man noch mit einem gewissen Respekt (zumindest habe ich das gemacht), sie war kratzempfindlich, man musste ihr Sorgfalt angedeihen lassen und die richtige Einstellung des Plattenspielers war entscheidend, wenn man wirklich gut klingende Musik hören wollte. Der Platzverbrauch zwang einen zudem dazu, in gewisser Weise zu überlegen, welche Musik man haben wollte und welche nicht. Man hörte also intensiver und bewusster als heute. Wer umzog, überlegte schon mal, welche Platten vorher mal auf den Flohmarkt etc. konnten, und die "Überlebenden" waren die Songs, von denen man wußte, dass man sie wieder hören wollte.
MP3-Sticks und Festplatten sind indes bei vielen Leuten, die ich kenne, reine Ablagerstätten: Tausende und Abertausende von Stücken liegen brach in einer bis zur Belanglosigkeit des einzelnen Stückes aufgeblähten, oftmals noch unsortierten Masse ("titel001.mp3"). Da sie gewichtslos geworden sind, werden sie kaum noch gehört und schon gar nicht gewürdigt (=ihnen wird kein Wert mehr beigemessen). Sie sind nur noch belangloser "Soundtrack unseres Lebens", ohne tiefere Bedeutung.
Dass diese Entwicklung auch unangenehme Nebenwirkungen hinsichtlich der Qualität der _hergestellten_ Musik hat, sei nur noch am Rande erwähnt...
Es ist echt schlimm, das Politiker, Richter und Verwerter(gesellschaften) von (Informations)Technik meist keine Ahnung haben.
Ich persönlich hau mir auch weiter ohne schlechtes Gewissen die Platte voll. Ende.
ob Musik bald pro Kilo bezahlt wird?
Wirklich ein sehr schönes Zitat.
Gruß aus Berlin
Martin
Ich muss sagen, ich bin hier durch Zufall gelandet. Habe eigentlich nach "Musikhändlern" für meinen Shop http://www.emo-online-shop.de gesucht, damit ich endlich mal Ware (Screamo udn Emocore) anbieten kann.
Aber zurück zum Thema, bei der Audio CD merkt man doch sicherlich den Unterschied, ob da nun 60min oder 80min Musik drauf sind? Etwas Feingefühl bitte!
Gruss