Über das Arbeiten in Österreich

02. Januar 2007 - 11:20 Uhr - Moe
... schreibt Michaela Seiser unter dem Titel "Wien hat zwei Gesichter" in der FAZ. "Wien ist nicht Österreich", könnte man nun entgegnen, denn die meisten ÖsterreicherInnen scheinen was gegen WienerInnen zu haben. So ist zumindest mein Eindruck hier in Tirol, aber das könnte auch auf Gegenseitigkeit beruhen. Wie auch immer, Fr. Seiser trifft dennoch ein paar lesenswerte Aussagen, die meiner Erfahrung nach gar nicht so abwegig sind:
Auffällig ist auch ein stark hierarchisches Denken. Die Österreicher sind klassenbewußt, die Ansprache ist ihnen äußerst wichtig, und sie sprechen sich tatsächlich mit ihren akademischen Graden an. [...]
"Bloß nicht in die Piefke-Falle tappen und als humorloser Brachialdeutscher auftreten", rät Martin Hehemann, aus Norddeutschland stammender Marketing-Chef in der Bank Austria Creditanstalt. Ein bißchen Fingerspitzengefühl, Demut, Bescheidenheit und vor allem Humor sei angebracht.

Ernst sind hier nur die Verbitterten

In Österreich ist das Nichternstnehmen explizit. Alles ist durchdrungen von einem ironischen Grundton, das Gemeinte und das Gesagte sind fast immer weit voneinander entfernt. Die einzigen, die wirklich etwas ernst meinen, sind die Verbitterten. Alle anderen tun nur so, als ob.
Weiterlesen in der FAZ

So, noch Fragen? Vielleicht können meine BloggerkollegInnen aus .at ja noch eine Einschätzung dazu beisteuern.

12 Kommentare:

  1. Johannes schrieb:
    na ja, ist nicht gerade schmeichelhaft, was hier den Österreichern und Österreicherinnen nachgesagt wird. Aber was (mir) wirklich auffällt, ist doch - ganz "grundsätzlich" - die Tatsache, dass die Autorin mit vielen ihrer Aussagen ziemlich klischeehaft genau das macht, was sie uns vorwirft: niedliche Formulierungen für recht starke Ansagen, dass nämlich alle hier - immer hübsch fidel - die Unwahrheit sagen ...
    # 02. Januar 2007 - 15:04 Uhr
  2. Torsten Rox schrieb:
    Ein Bloggerkollege aus .by glaubt, Österreicher/-innen in ausreichendem Maße zu kennen und sagt; ja, das stimmt alles.
    # 02. Januar 2007 - 15:06 Uhr
  3. Moe schrieb:
    @Johannes: Wenn Fr. Seiser Recht hat, dann glaub ich Dir kein Wort :P

    Dass Verallgemeinerungen im allgemeinen nicht unproblematisch sind, steht auf einem anderen Blatt.
    Und ich kam auch nicht umhin, den Text als mit einem Augenzwinkern geschrieben zu lesen.

    @Torsten: Ein Weißrusse? :)
    # 02. Januar 2007 - 15:30 Uhr
  4. Torsten Rox schrieb:
    Aber, aber, wohl kaum. http://www.bayern.by ...
    # 02. Januar 2007 - 15:41 Uhr
  5. Moe schrieb:
    oha!! =)

    (hab mal die url gefixt)
    # 02. Januar 2007 - 16:03 Uhr
  6. Thomas N. Burg schrieb:
    SozioHistorioPsychografisches Motiv: wenn der Raum enge, der Rand allzu nahe und der Filz dicht ist, dann wird der Schein und die Bosheit zum Mittel der Wahl.

    Im Manierierten treffen sich Opfer und Täter :-)
    # 02. Januar 2007 - 22:07 Uhr
  7. Moe schrieb:
    # 03. Januar 2007 - 11:38 Uhr
  8. Jürgen R. Plasser schrieb:
    Ja, wir Österreich sind schon sehr gern unter uns, aber das liegt in der Natur der Sache. Freunde sind halt gern unter sich und die meisten hier sind halt Österreicher.
    Ösis hören wir nicht gerne, ich sage ja auch nicht Piefke.
    Handküsse? Am Opernball vielleicht, aber sonst, nein. Damen (und manchmal auch Herren) wird schon in den Mantel geholfen, vor allem in vornehmeren Restaurants.
    Ich sage auch Hallo, ab und an Servus ("serwas") und natürlich das altbekannte Grüß Gott.

    Nun ja, es stimmt nie ganz, was Fremde so mitkriegen. Es liegt alles im Auge des Betrachters.
    # 04. Januar 2007 - 01:43 Uhr
  9. TomK32 schrieb:
    Also meine Erfahrung beschränkt sich auf lausige 20 Kilometer, Berchtesgaden ist halt nicht so weit von Salzburg weg wo ich jetzt fast ausschließlich bin, aber der Unterschied ist sehr stark.
    Vorallem über die Titelgeilheit kann ich mich immer noch amüsieren und ignorier bewußt jeden Titel, erst recht Adelstitel lass ich ganz bewusst weg weil der Adel hat seine Titel ja 1919 verloren. Das ist übrigens meiner Meinung nach der Grund dafür dass die Österreicher heute so geil auf Titel sind.
    Aber zurück zu den 20 Kilometern, die sprachlichen Unterschiede im Vokabular sind schon stark vorhanden.

    Übrigens, Österreicher kann ich immer gut ärgern wenn ich bei Diskussionen um Nachrichten immer auf meine dt. Medien bestehen weil die Lokalnachrichten mich nicht interessieren :-) Man muss den Ösis immer fleißig reinwürgen dass sie das kleine Alpenland sind.
    # 05. Januar 2007 - 11:25 Uhr
  10. kris schrieb:
    ich habe mir auch vorgenommen, mich um diesen titelschnisckschnack nicht zu kümmern. im täglichen leben und auf arbeit, wo man mich kennt, ist das egal. aber im umgang mit maklern, hausverwaltungen etc. ändert sich der ton sofort, wenn man einen magister oder so vorzuweisen hat.

    ich bin mir z.b. ziemlich sicher, dass ich meine wohnung nur bekommen hatte, weil ich mit dienstemailadresse nachgefragt hatte.
    # 09. Januar 2007 - 16:40 Uhr
  11. Moe schrieb:
    Ja hmm, irgendwie doof dass in Österreich der Dipl-Päd. wohl noch weniger "wert" iss als in D.
    # 10. Januar 2007 - 21:02 Uhr
  12. kris schrieb:
    österreichischer dipl.-irgendwas ist, glaube ich, vergleichbar mit fachschule. damit reißt man nichts. aber du kannst deinen dipl. sicher in das österreichische äquivalent umschreiben lassen, bevor du auf wohnungssuche gehst.
    # 12. Januar 2007 - 17:06 Uhr

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