Laufende Promotionsgebühren in Hessen!?

10. Juni 2006 - 14:04 Uhr - Moe
Eigentlich absolut unglaublich. Aber da geht noch was, wenn Hessen Bildungsland Nr. 16 werden will - denn neben den Studiengebühren sollen nun auch noch Promotionsgebühren erhoben werden:
Mit dem Kabinettsbeschluß vom 5.5.2006 plant Hessen als erstes Bundesland neben den allgemeinen Studiengebühren auch die Einführung von laufenden Promotionsgebühren*. Dieses Detail hat in der öffentlichen Diskussion um die energischen Vorhaben der Landesregierung bisher wenig Beachtung gefunden.
Konkret sieht der Gesetzesentwurf vor, daß die Hochschulen ermächtigt werden, Gebühren bis zu 1500€ pro Semester zu erheben. Die Promotion wird dabei wie der Masterstudiengang als Aufbaustudium betrachtet. Als Begründung für die laufenden Promotionsgebühren nennt die Landesregierung erhöhten „Lehr- und Betreuungsaufwand“ im Zuge der gegenwärtig entstehenden Graduiertensysteme.

* Der Begriff der laufenden Promotionsgebühren wurde hier bewußt gewählt, um ihn von den bereits bestehenden Verwaltungskostenbeiträgen zum Abschluß der Promotion (z.B. 200€ an der JLU Gießen) abzugrenzen.
Weiterlesen beim Arbeitskreis Bildungsperspektiven Gießen (PDF).
(Diesen Beitrag gibt es auch im Weblog gegen Studiengebühren in Hessen)

11 Kommentare:

  1. kiesow schrieb:
    so langsam muss man sich dann doch fragen, für was universitäten überhaupt geld vom staat bekommen, wenn die gesamten betreuungskosten nicht enthalten sind.
    andererseits ist es aber beim promovieren schon heute recht oft so, das dafür entsprechende gelder fliessen müssen. natürlich nicht offiziell als gebühr für die promotion, sondern versteckt als fördergeld an die entsprechende fakultät. insbesondere wenn da noch eine firma mit drin steckt.
    wobei das heutzutage auch schon oft der fall ist, wenn man seine diplomarbeit bei einer firma schreiben möchte. da wird dann ganz beiläufig von dem hochschullehrer, den man wegen themenbetreuung fragt, geäußert, das die chancen für eine annahme des themas natürlich steigen würden, wenn sich die firma wegen der anfallenden betreuungskosten als förderer bemerkbar machen würde. natürlich fallen solche bemerkungen ganz inoffiziell und niemals schriftlich, damit die studenten ja nichts dagegen in der hand haben.
    # 10. Juni 2006 - 15:27 Uhr
  2. Moe schrieb:
    >so langsam muss man sich dann doch fragen, für was universitäten überhaupt geld vom staat bekommen

    Oh, ich bin mir sicher die staatlichen Zuwendungen werden bald weiter heruntergefahren werden.
    # 10. Juni 2006 - 16:22 Uhr
  3. René schrieb:
    Naja, geht man halt ins Ausland um promoviert da. Kanada beispielweise empfängt einen mit offenen Armen.

    "In Deutschland fehlen qualifizierte Arbeitskräfte, deshalb verscheuchen wir sie". Clever.
    # 10. Juni 2006 - 17:00 Uhr
  4. Sascha schrieb:
    Promotion als Aufbaustudiengang... So kann mans auch sehen. Ehrlich, 200 EUR laß ich mir noch gefallen, was solls, aber 1500 pro Semester?! Wofür? Dafür, daß ich als Assi Klausuren korrigiere und Seminare/Praktika halte?
    # 10. Juni 2006 - 17:24 Uhr
  5. kiesow schrieb:
    @sascha: nicht zu vergessen, das du bei jeder deiner veröffentlichungen den prof als mitautor angeben musst und ihm generell ganz tief in den a... kriechen darfst.
    # 10. Juni 2006 - 18:59 Uhr
  6. Alexander schrieb:
    Manueller Trackback:

    http://www.jurabilis.de/ind...
    # 10. Juni 2006 - 21:48 Uhr
  7. Jasper schrieb:
    nichts geht mehr? der vogel ist (vorläufig) abgeschossen. wo kriegen wir jetzt nur nen neuen vogel her? munition ist ja sicher noch reichlich vorhanden.
    # 11. Juni 2006 - 00:28 Uhr
  8. Kossatsch schrieb:
    80 bis 90% aller Promovenden sind Uni-Angestellte - hieße für diese also ca. € 250 im Monat weniger Gehalt.

    Ohne Worte.
    # 11. Juni 2006 - 14:39 Uhr
  9. djo schrieb:
    Och, es geht sicher noch heftiger. Wie wäre es z.B. mit Eintrittsgeld für Schülerklassen, die mal einen Schnuppertag an der Uni machen wollen?
    Jaja, das kostet ja alles - dieser riesige Betreuungsaufwand, die laufenden Kosten, usw.
    # 11. Juni 2006 - 14:44 Uhr
  10. kiesow schrieb:
    @djo: diese betreuungen werden an immer mehr unis von den studenten übernommen. ob es nun schulklassen auf besuch oder z.b. kinderuni ist, ohne die studenten wäre das alles bereits gar nicht mehr machbar.
    wirklich effektiv wäre es ja mal, wenn studenten nicht nur vorlesungen bestreiken, sondern einfach alle kostenlosen leistungen gegenüber der uni einstellen würden. dann sähe es echt ziemlich mau aus.
    # 13. Juni 2006 - 14:34 Uhr
  11. philoblogger schrieb:
    erhöhter betreuungsaufwand? in den geisteswissenschaften jedenfalls ist mir das unbekannt. das gegenteil ist der fall. wurde hier ja auch schon gesagt.
    # 16. Juni 2006 - 11:08 Uhr

Kommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.

Kommentieren:

:

:
: