Der Hessische Minister für Wissenschaft und Kunst informiert

06. Mai 2006 - 16:45 Uhr - Moe
Der Hessische Minister für Propaganda Wissenschaft und Kunst informiert in einer Hochglanzbroschüre über Beiträge für ein erfolgreiches Studium (PDF), meint mit Beiträgen natürlich einfach nur schnödes Geld, und ist sich augenscheinlich auch nicht zu blöde, selbst die plattesten Stammtischargumente aufzunehmen:
Ein Studium ist einen Beitrag wert! Ein Studium eröffnet Aussichten auf einen Arbeitsplatz mit überdurchschnittlichem Gehalt und unterdurchschnittlichem Risiko von Arbeitslosigkeit. Gegenwärtig bezahlt der (überwiegende) Bevölkerungsteil der Nichtakademiker über die Steuern das Studium von Akademikern, die dann ein entsprechendes höheres Gehalt erreichen können. Gleichzeitig finanzieren einkommensschwächere Familien, aus denen immer noch zu wenige Kinder studieren, das Studium der Kinder aus einkommensstärkeren Familien. Unter der Voraussetzung, dass niemand aus finanziellen Gründen auf ein Studium verzichten muss, ist ein Studienbeitrag daher auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit.
Völligst warped, IMHO. Da werden Dinge einfach um 180 Grad herumgedreht, Fakten pervertiert, dem Volk nach dem Maul geredet, und der Rest wird einfach durch die Abschaffung jeglicher Solidarprinzipien forciert.

Krieg ist Frieden. Unwissenheit ist Stärke. Freiheit ist Sklaverei.

[Mike via ICQ]

Immerhin hat Herr Corts schon einen Fanclub. [via Wikipedia]
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7 Kommentare:

  1. Boris schrieb:
    Er hat damit doch bloß eine gute Zustandsbeschreibung der Ergebnisse der Politik seiner Partei (und seiner Landesregierung) abgegeben.

    Der Aufruf hat wahrscheinlich den Sinn, darauf vorzubereiten, dass da bald noch mehr in diesem Sinne kommt.
    # 07. Mai 2006 - 00:22 Uhr
  2. martin schrieb:
    Das sind im Grunde die selben Argumente, die alle paar Monate bei der gesetzlichen Krankenversicherung ans Tageslicht gezerrt werden (Stichworte Übergewicht, Raucher, Risikosportarten). Mit Solidargemeinschaften hat man es heutzutage halt nicht mehr so. Ein gutes Mitglied der Gesellschaft hat gefälligst angepaßt zu sein und daheim vor der Glotze zu verblöden.
    # 07. Mai 2006 - 08:53 Uhr
  3. Ti schrieb:
    In meiner Regionalgazette Nordkurier bejubelte der Chefredakteur vor graumer Zeit ebenfalls die Studiengebühren. Sein Argument war, die Schwester bräuchte dann nicht den Chefarztkindern das Studium zu finanzieren. Dass die Kinder der Schwester mit der Pflicht Gebühren zu zahlen vom Studium ausgeschlossen sein könnten, kam ihm dabei nicht in den Sinn.

    Diese Art von Verschlimmbesserung wird uns ja als höhere Eigenverantwortung und weniger Staat verkauft. Wobei ja bekannt ist, wer sich einen solcherart schwachen Staat am besten leisten kann. In Meck-Pomm wird noch auf Studiengebühren verzichtet. Aber wer weiß schon, wie lange das so bleibt.
    # 07. Mai 2006 - 11:05 Uhr
  4. Jan-Gerd schrieb:
    Ich finde Studierngebühren eigentlich eine gute Sache. Als baldiger Student (nächstes Jahr soll's losgehen) musste ich mich ja gezwungernermaßen mit dem Thema beschäftigen und bin letzten Endes zu dem Schluss gekommen, dass "freie Bildung" nicht heißen kann, dass der Staat zeitlebens für jede Art von Bildung, die ich gern hätte, aufkommen muss.

    Nach meiner Studienzeit habe ich ein (im Vergleich zum Durchschnitt) nur lächerlich geringes Risiko von Arbeitslosigkeit und verdiene voraussichtlich überdurchschnittlich viel Geld. Das Studium ist für mich an erster Stelle eine Investition in meine persönliche Zukunft - die Tatsache, dass es sich dabei um Bildung als Investitionsgut handelt, sollte nicht davon ablenken, dass es sich um eine persönliche, vor allem auf meinen eigenen Vorteil ausgerichtete Investition ist.

    Nun kenne ich die Gesetze in Hessen nicht (ich komme aus NRW), aber zumindest hier ist es so, dass die Studierngebühren für niemanden ein Hindernis darstellen sollten. Für denjenigen, der schon BaFöG bezieht, fallen während des Studiums keinerlei zusätzliche Belastunen an, das Argument, Studiengebühren seien unsozial, kann also kaum gelten. Die Tatsache, dass man sein Studium (irgendwann) wird bezahlen müssen trägt weiterhin dazu bei, dass man sich diesem auch ernsthaft widmet und gezielt auf einen Abschluss hinarbeitet, der einen auch "in Lohn und Brot" bringt.

    Was ich am Wichtigsten finde: Die Universitäten bekommen mehr Geld. Zumindest bei uns hier entrichtet man seine Studiengebühr direkt an die Uni, und wenn in einer Vorlesung für 50 Leute 400 sitzen und stehen, dann kann man nur sagen, dass das Geld dringend gebraucht wird. Für die Universitäten bringt das den Vorteil, vielleicht wieder etwas mehr finanziellen Investitionspielraum zu haben, für die Studenten den, dass sie jetzt vom notwendigen Übel zur echten, lohnenden "Zielgruppe" werden. Jede Uni wird versuchen, möglichst viele Studenten (und damit Geld) zu sich zu holen, was hoffentlich zu einem fruchtbaren Konkurrenzkampf führt, an dessen Ende sich die Universitäten zunehmend spezialisieren, dafür aber auf "ihrem" Gebiet auch international mithalten können.

    Vermutlich werde ich von all diesen Veränderungen noch nichts mitbekommen und tatsächlich mehr zahlen, ohne mehr Leistung zu bekommen. Aber irgendeiner muss ja der erste sein, nach dem gleichen Prinzip wird auch irgendeine Generation (vermutlich auch meine) diejenige sein, die zwar noch Rentenbeiträge zahlt, später aber gar keine Rente bekommt.

    Das ist zwar für den Moment schmerzhaft, aber auf Dauer wird es sich auszahlen und deshalb denke ich, dass man wesentlich schlechtere Dinge mit seinem Geld anfangen kann, als es in die eigene Bildung zu stecken.
    # 08. Mai 2006 - 02:49 Uhr
  5. Renate schrieb:
    In Österreich gibt es schon seit einigen Jahren Studiengebühren.
    Anfangs wurde heftig diskutiert und protestiert doch allmählich wurde es Gewohnheit. Mit den Studiengebühren kam auch die Hoffnung, dadurch würde einiges auf der Uni besser werden.
    Nur das Lehrangebot wird nach wie vor reduziert, die Teilnehmeranzahl noch größer und der Druck noch höher. Ja, die Räume wurden ausgemalt, Beamer wurden installiert, die extrem flimmernden Bildschirme stehen aber auch noch da. Viele StudentInnen arbeiten neben dem Studium und dies wirkt sich auch auf das Studium aus. (In Innsbruck sind auch die Lebenserhaltenskosten und die Mietskosten hoch anzusetzen.)

    Und nicht jeder fertige Akademiker bekommt nach dem Studium einen gut bezahlten Job. Ich suche ihn noch!
    # 08. Mai 2006 - 09:57 Uhr
  6. djo schrieb:
    Das Argument "Studiengebühren schützen vor Arbeitslosigkeit" geht doch an volkswirtschaftlichen Realitäten etwas vorbei. Wenn die Weltwirtschaft nicht läuft, dann läuft sie nicht. Da kann ein schnelles Studium - ohne das man dabei Alternativen wahrnimmt - auch nichts daran ändern. Ein gutes Beispiel sind wie immer auch die Lehramtsstellen. Wenn es keine offenen Stellen gibt, dann gibt es eben keine. Ausser, dass der Staat wieder vermehrt versucht, regulativ in die Wirtschaft einzugreifen, was ich als Liberaler (nicht per Partei, aber per Ideal) ablehne!
    Eine Unverschämtheit finde ich ebenso die bis zu 1500 Euronen für das Promotionsstudium. Menschenskinder - wo liegt da die Begründung? Sicher nicht, dass Doktoranden u.U. wissenschaftliche Mitarbeiter sind, Seminare halten - und dafür auch noch bezahlen dürfen...
    # 09. Mai 2006 - 23:40 Uhr
  7. djo schrieb:
    PS:
    Wie sehr sich die akademische Elite, welche einen Job an der Klinik hat, über das Entgelt freuen kann, sieht man ja an tagesaktuellen Ereignissen, SW: Marburger Bund. Will heissen: IRONIE; mitten in die unsichere wirtschaftliche Lage werden zusätzliche finanzielle Unwägbarkeiten offen getan, die bar jeder Moral sind. Fakt ist, dass Ärzte in der Klinik sehr wenig Geld bekommen für die Leistung, die sie abliefern. Sie zählen aber noch immer zu den sog. "Besser-Verdienenden". Wer jetzt mit Ablassgeldern ankommt, scheint seine helle Freude daran zu haben, dass es neben niedrigen Tariflöhnen z.Zt. auch vermehrte Fallstricke in Sachen Existenzgründung gibt (undurchsichtige Finanzierungskonzepte, ruchlose Berater und Banker, etc.). Aber egal: Wir sind Papst - und das Geld geht an die Guten, gell...
    # 09. Mai 2006 - 23:55 Uhr

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