Die Art und Weise, wie für viele Menschen die Pressefreiheit als Legitimation zur Beleidigung religiöser Empfindungen verstanden wird, irritiert mich. Eine bestimmte Ideologie - nämlich die der "Anderen" - pauschal zum Terrorismus zu erklären ist schon so eine Sache. Wer sich im vermeintlichen Gegensatz zur westlichen Welt noch von irgendetwas beleidigt fühlt, ist anscheinend selbst dran schuld. Selbst wenn die Beleidigung intendiert zu sein scheint. Da soll man sich doch nicht so haben und unsere "Werte" und "Freiheit" teilen, könnte man meinen. Nein, ich bin nicht religiös. Ja, ich glaube man kann sich auch - als Regierung - für etwas entschuldigen, ohne es gleichzeitig zu verbieten. Seit wann entscheidet das Gesetz denn über Dinge wie Anstand oder Geschmack? Oder verpasse ich hier den wesentlichen Punkt? Ich mein, worum gehtsn hier überhaupt?
Vielleicht machen "wir" morgen dann Karrikaturen über geldzählende Juden, oder vielleicht über aidskranke Schwule. Oder aber über Fleischesser, Bildleser, Kapitalisten, Europa-Ja-Sager, Christen, Arbeitnehmer, Steuerzahler, Demokraten... Vielleicht machen die "anderen" ja auch mit. Es erscheint eh viel zu wenig satirische Hetze gegen das ganze europäische Gesocks in arabischen Zeitungen. Da geht noch was.
Just my 2c.
Pressefreiheit
03. Februar 2006 - 16:21 Uhr - Moe41 Kommentare:
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Kennt man doch aus der Blogsphäre: Am Ende ist es (immer) Satire die keiner versteht.
Was das "Entschuldigen" angeht. Mit wie viel Toleranz auf muslimischer Seite würdest du rechnen? Bzw. wieviel Toleranz wurde der Entschuldigung von dänischer Regierung und Zeitung bisher entgegengebracht?!
Was die Karikaturen selbst angeht. Die sind en Gros nicht dolle, aber sie sind auch nichts, was man nicht im Hinblick auf christliche Kirchen und andere Randgruppen nicht auch schon gesehen hätte.
vieleich hilft dir folgender Artikel um zum Entschluss zu gelangen wieviel Wert die Rede- und Pressefreiheit für dich hat:
http://www.spiegel.de/polit...
Daß (religiöse) Gefühle verletzt werden kann in einer offenen Gesellschaft leicht passieren; ich denke, wenn man diese Möglichkeit ausschließen möchte, dann kommt man auf ganz seltsame Pfade.
Das heißt auch, dass menschliches Handeln innerhalb einer Gesellschaft immer ein Pendeln zwischen den verfassungsmäßigen Grenzen sein wird. Dafür gibt es unter anderem Gerichte. Politik hat in solchen Konfliktfällen diplomatische Kompetenz.
Alles andere, was bloß Emotionen aufschaukelt, Ressentiments anheizt, nutzloses gegenseitiges Anprangern propagiert, weiterführende Diskussion verhindert, ist völlig inakzeptabel.
Aber:
Karikaturen sind für mich erstmal KEIN Teil der Pressefreiheit sondern gehören zur Satire und damit zur Gattung Kunst. Und das auch nicht nur in zur-Not-Situationen. Sobald dem Werk der Karikatur etwas 'schöpferisches' attestiert werden kann, ist die Karikatur Kunst. Und selbige ist zumindest in der BRD ja frei (ist das in Dänemark anders?).
Ich denke einfach, dass es nicht angehen kann, dass jetzt auf allen öffentlichen Ebenen von so einem beschwichtigenden Rumgetuschel geredet wird und viel zu wenig Leute die Eier haben zu sagen, dass niemand außer (auf die BRD bezogen) der Bundesrat mit 2/3 Mehrheit das Recht hat, diesen Zustand zu ändern. Wer das nicht akzeptieren kann, hat mein Verständnis nicht.
Wurde Kritikern des 'Leben des Brian' eigentlich auch so viel Verständnis entgegengebracht? Und den ob der unzähligen Abendmahl-Karikaturen Zornigen? Kann mich nicht erinnern.
Ist nicht die Titanic sogar mal damit davon gekommen, ein angebliches 'Happy Jew Meal' zu bewerben, dessen Verpackung mit Auszügen aus Schindlers Liste bedruckt wäre? Muss man nicht gut finden. Klar. Ich mein ja nur...
http://images.derstandard.a...
regt sich da jemand drüber auf? Bombendrohungen gegenüber der Zeitung? Morddrohungen gegenüber dem Zeichner? Katholiken, die die Redaktion stürmen und einen heiligen Krieg ausrufen? Nö. Interessiert kein Schwein. Sicher, vor 200-300 Jahren vielleicht. Aber nicht mehr heute.
"Mit dem Christentum, dem Papst, Kreuzen usw. können wesentlich mehr Menschen in Europa etwas anfangen, als mit Mohammed, Moscheen, usw. Was hier passiert ist, ist in meinen Augen nicht primär die Religion die angegriffen wird, sondern vielmehr die Fremde im allgemeinen."
Hä?
"Eine abstrakte Gefahr ist gegeben, also rüsten wir real auf...."
Die (sicher gut gemeinte) Kritik an Aufrüstung in allen Ehren; aber was macht 3000 Tote abstrakt? Die Größe der Zahl? Zu unvorstellbar?
Oder wovon redest Du?
Ja, über sowas regen die (die Christen) sich auf: http://cms.justiz.rlp.de/ju...
Bei uns wird man zwar nicht gleich in die Luft gesprengt oder entführt, dafür bekommt man u.U. die volle Härte des Gesetzes zu spüren.
Falls noch jemand der Meinung ist die Moslems würden sich künstlich aufregen und die Dänische Zeitung hätte es ja gar nicht so gemeint bzw. gar nicht vorher sehen können. Erinnert sich noch jemand an Salman Rushdi und seine Satanischen Verse?
http://www.google.de/search...
Vielleicht sollte die westliche Welt endlich mal lernen nicht immer von sich auf andere zu schliessen. Nur weil wir wesentlich toleranter im Umgang mit Satire und Kritik sind, müssen es die anderen ja nicht zwanghaft auch sein. Und das die Moslems oft null Spaß verstehen, ist bekannt.
Aber Europa hat ja die einzig wahre Religion. Immerhin sind wir ja auch noch Papst. Und der hat immer recht. Steht schon in der Bibel.
Falls jetzt noch jemand meint die Vergleiche würde hinken, die Juden und die Christen verteidigen seit fast 50 Jahren ihre Religion und ihre "heiligen Stätten" mit Waffengewalt.
Das ist wirklich der Gipfel des Bizarren. Wer keinen Spaß versteht ist deshalb im Recht, ihm liegt ja ganz besonders an seiner Sache? Kunst- und Pressefreiheit sind nur solange OK wie alle Spaß verstehen? Der Fall Rushdie belegt demnach, daß Kunstfreiheit nur eine Illusion war, eine vergängliche westliche Albernheit? Oder auch einfach nur: HÄ???
Deine implizite Behauptung, in Europa werde einseitig das Christentum protegiert, ist so offensichtlich falsch, daß es sich nicht lohnt, näher darauf einzugehen.
Daß der Begriff 'Papst' als ausschließliche Bezeichnung für den Bischof von Rom sich erst im vierten Jahrhundert etabliert hat, muß man nicht wissen; ebensowenig, daß das Unfehlbarkeitsdogma auf dem ersten vatikanischen Konzil 1869/1870 verkündet wurde. Wenn man sich zu dem Thema allerdings äußern will, kann man schnell in der Wikipedia nachschauen, das habe ich auch gerade getan. Hilft, wenn man läppische Äußerungen vermeiden will.
Zur Allgemeinbildung gehört m.E. aber jedenfalls, daß in der Bibel der Begriff Papst ebensowenig auftaucht wie das Unfehlbarkeitsdogma.
Und daß man nicht alles mit Sitzstreiks verteidigen kann ist - wenigstens für mich - ziemlich eindeutig.
Ich bezeichne Diskussionsbeiträge nur sehr ungern als Schwachsinn, aber bei Deinem sehe ich kaum noch eine Alternative.
Sätze wie
- Rückschritt in die Steinzeit der Meinungsfreiheit.
- Deutschland bekommt Maulkorb.
- Kunst ist tot.
würde ich für den Fall den deutschen Zeitungen zur Verfügung stellen.
Würde dem Ganzen dann auch so viel Verständnis entgegengebracht, wie den mokierenden Muslimen jetzt?
Dass Satire funktioniert merkt man doch nur daran, dass sich die Betroffenen beschweren. Nur laufen gerade zwei Dinge falsch: Die Wucht der Reaktion und die Ohnmacht der Gegenreaktion.
Und was die Toleranz angeht:
Diehard-Moslems stören sich bekanntlich auch daran dass Frauen unverschleiert durch die Straßen laufen. Oder dass Alkohol konsumiert wird. Oder Schweinefleisch usw. Sollen wir das alles einstellen, weil die "religiösen Gefühle" verletzt werden? Grundgesetz abschaffen, weil eine Minderheit von radikalen Moslems (die Mengen die man im Fernsehen sah waren ja nur aufgestachelte (dumme) Gläubige, die die Karikaturen nie gesehen haben) nicht damit klarkommt? Religiösität ist eine private Angelegenheit. Wenn man, wie Moslems das gerne tun, damit offensiv vorgeht, dann können sie sich darauf gefasst machen dass man ihnen die Meinung geigt. Die "wiedererweckten Christen" und andere Sektentümler betrifft das natürlich auch.
Die jetzigen Reaktionen in der islamischen Welt zeigen mal wieder exemplarisch, wie intolerant Religionen letztlich sind.
Ich stimme JAuNK soweit zu, dass die Andersheit, die Fremdartigkeit doch eben das Thema ist. Wer nun der Ansicht ist, das Christentum sei den Moslems überlegen und die seien doch mittelalterliche Barbaren, der braucht sich in der Tat kaum eine differenzierte Frage zu stellen. Es ist was anderes, ob man in einem Kulturkreis beissende Satire gewohnt ist, die sich dann auch auf eigene Merkmale bezieht, oder ob sie diesen Rahmen verlässt. Wenn sie es tut sollte man sie nicht verbieten, aber es wird nuneinmal viele Leute beleidigen. Anscheinend sind viele Menschen der Ansicht, dies sei dann nicht nur deren Problem, sondern man müsse oder solle sie beleidigen? Es geht viel mehr um einen Konflikt zwischen Religionen oder Wertvorstellungen als um den Versuch eines interkulturellen Dialoges, und da scheinen sich beide Seiten nicht viel zu geben.
@Rene:
>Wenn man, wie Moslems das gerne tun, damit offensiv vorgeht, dann können sie sich darauf gefasst machen dass man ihnen die Meinung geigt.
Siehst Du, das ist eben der Punkt: In meiner Gegenwart ist eigentlich nie ein Moslem "offensiv vorgegangen", und deswegen sehe ich persönlich ersteinmal nichts erbauliches in den Karrikaturen. Ob es nun aber hilft, Leuten die gegen einen offensiv vorgingen Karrikaturen zu zeigen, die nunmal das Ziel haben sie zu beleidigen, ist die andere Frage. Es geht mir viel weniger darum, was nun "richtig" ist und was nicht, sondern um die Frage inwiefern es konstruktiv ist.
Weiterhin denke ich mal, entscheidend ist, dass die Dinger eben in Zeitungen drinstanden. Normalerweise hat jede Presse einen Codex, und es hat ja auch Gründe, wieso wie hierzulande nicht in einer Zeitung irgendwie vorgeblich lustige Bildchen von ach so generierten Zigeunern, Juden oder Schwulen abbilden (- natürlich nur ganz unernst, um uns drüber lustig zu machen?). Die Titanic & Co brauchen da vielleicht kaum Grenzen, wenns um beissende Satire geht. Ob sie nun Nazi-Cartoons zeichen würden weiss ich aber immer noch nicht.
Aber wenn nun in der ganz normalen Tageszeitung statt dem Snoopy-Comic ein Komik über stinkende Zigeuner usw drinwäre, dann wäre das meiner Ansicht nach erstens seltsam und zweitens falsch. Ich mein, wäre das ein wünschenswerter Zustand?
Es würde wahrscheinlich auch wenn man es nicht verbieten könnte oder sollte mehr als nur eine Rüge nach sich ziehen. Nur sind es eben die Anderren, die da karrikiert werden.
sorry, aber imho eierst du ein bißgen herum und druckst dich vor einer klaren Antwort. Eigentlich dachte ich du wärst ein freund klarer Worte ... aber so kann man sich täuschen. Schade.
Aber evtl ist es wichtig zu wissen, was manch einer der deutschsprachigen Moslems über das ganze denkt:
http://www.tagesspiegel.de/...
Es war sicher keine gute Idee, die Bilder zu veröffentlichen (nur weil man sie veröffentlichen kann) -- aber es besteht auch kein Anlass, sie nun demütig zurückzuziehen. Das wäre ein Rückschritt für die Meinungs- und Kunstfreiheit.
Selbstverständlich beleidigen solche Karikaturen. Wer dies leugnet, lügt bewusst. Moral und Anstand gebieten eine Entschuldigung - eben auch von der Politik. Es kommt mir vor wie ein Kinderstreit, bei dem beide Parteien Recht haben wollen und prinzipiell keinen Zentimeter von ihrer Einstellung zurückweichen- der Islam gegen die freie Welt, die freie Welt gegen den Islam. "Der Klügere gibt nach", sagt schon eine Volksweisheit, ich bin aber nicht sicher, ob die Mehrheit in Deutschland diesen Streit überhaupt beenden will.
Viele Grüße
Die meisten Zeichnungen waren harmlos, aber einige dienten in diesem Umfeld dazu, gegen "die" Muslime aufzustacheln. Mohammed mit Bombe auf dem Kopf meinte: Der Islam und die Muslime sind Terroristen.
Ich kann die Heftigkeit der Reaktionen auf arabischer Seite nicht verstehen (genauer gesagt: ich finde sie inakzeptabel), aber ich denke, dieses Beispiel zeigt auch, warum die gezielte Herabsetzung von Minderheiten unanständig ist.
Unanständig, weil sie auf Kränkung zielt.
Ich gehöre zu denen, die in dieser Frage verstehen, dass sich einige Muslime gekränkt fühlen und ich rief daher insgesamt zu Besonnenheit auf. Im Ergebnis gabe es dafür *Mordaufrufe* gegen mich.
Nicht von Muslimen, sondern von sogenannten "prowestlichen" Politbloggern, welche zum Hass auf "den" Islam aufstacheln und den Karrikaturen-Streit als gelungenen Anlass betrachten.
Mehr dazu hier:
http://dermorgen.blogspot.c...
und hier:
http://dermorgen.blogspot.c...
Im Übrigen bin ich der Meinung, dass in den größtenteils staatlich oder von Islamisten organisierten Demos in arabischen Staaten das Ehrgefühl von Muslimen missbraucht wird, für einen "Kampf gegen den Westen". Zu schnell wird dort vergessen, dass es auch in arabischen Zeitungen hetzerische Karrikaturen veröffentlicht werden.
Es ist wie immer: Hetze schadet. Auch auf arabischer Seite ist es endlich Zeit für Besonnenheit.
-Marie von Ebner-Eschenbach
@Rene: Wie ich im Kommentar schreibe: der Unterschied ist, dass sich die Satire auf etwas ausserhalb der eigenen dominanten Kultur bezieht, aus der sie als Ausdrucksform hervorgeht. Es kann auch ein Unterschied sein, ob eine Karrikatur in einem Satiremagazin oder einer Tageszeitung auftaucht. Nebenbei werden und wurden auch Comic-Zeichnungen schon öfters benutzt, um die Gegner für die Rezipienten innerhalb der eigenen Reihen lächerlich erscheinen zu lassen.
Es geht und ging mir auch nicht um ein Verbot oder eine Rücknahme! Ich sehe nur nicht so ganz ein, wieso man Pressefreiheit denn nicht von der geschmacklichen, moralischen oder politischen Bewertung der Angelegenheit trennen kann. Die Pressefreiheit per se heisst ja erstmal nicht, dass die Angehörigen einer Nation oder deren politische Repräsentanten alles gut heissen müssen, was eine Zeitung in diesem Land schreibt oder herausbringt.
Nebenbei haben sich die Dänischen Redakteure soweit ich weiss auch entschuldigt. Will nun jemand sagen, dass das ein Fehler war?
@Dr. Dean: Bitte nicht hier. Die Vorwürfe wegen angeblichen "Morddrohungen" haben mit dem Rahmen dieses Beitrags und der Diskussion nichts zu tun. Der Stil auch nicht. Nur eine Bitte.
Heute morgen habe ich "zufällig" auch Email von dem Blog bekommen, dass sie da - neben dem gesamten Bloghosting an sich - beschuldigen. Ich weiss nicht, was ich damit zu tun habe, und ich werde mich da nicht hereinziehen lassen, von keiner Seite.
Als Reaktion auf die Karikaturen Botschaften in Brand zu setzen, also Gewalt auszuüben, ist sicher nicht das geeignete Mittel, um ein friedliches Miteinander zu erreichen.
Es bleibt also mindestens festzuhalten, dass man über "Kunst" - und als Ausdruck künstlerischer Freiheit sehe ich dieses Werke - trefflich streiten kann. Wie weit der Streit letztlich noch geht, das ist eine andere Frage.
Btw: Falls sich mal ein Museum oder eine Kunsthalle wagt, eine Ausstellung über diesen "Bilderstreit" zu machen, dann möchte ich nicht wissen, wie hoch die Gebäudeversicherung ist...
http://www.caricatura.de/Ka...
finden sich ein paar dieser Bilder.
Das ist mein Punkt.
dass sich totalitäre systeme damit schwer tun ist mehr als verständlich. in totalitären systemen - und vor allem in solchen, in dnen religion und staat noch nicht getrennt sind - ist es natürlich ein leichtes eine zeitung zu schließen, einen chefredakteur zu entlassen, sozusagen per regierungsentscheid.
eine große leistung moderne westlicher gesellschaften, neben gelichberechtigung, trennung von religion und staat etc ist eben die möglichkeit, auch unbequeme inhalte propagieren zu dürfen, ohen mit repressialien zu rechnen.
außerdem: das argument der zutiefst verletzten muslime lasse ich nur bis zu einem gewissen grad gelten. wer bilder von 7-8 jährigen schulkindern sieht, die dänische flaggen verbrennen, kann doch nicht mehr wachen verstandes behaupten, diese entrüstung sei nicht von dogmatisher seite initiert gesesen.
Da mir nun religiöse Eiferer seit jeher zuwider sind, bin ich nach wie vor der Meinung, dass die Pressefreiheit vehement verteidigt werden muss.
Es ist ja gar nicht solange her, dass Kinos in den USA und Europa in Brand gesetzt wurden, als darin Scorseses' Film "Die letzte Versuchung Christi" aufgeführt wurde.
Selbst wenn die Frage gestellt werden muss, ob die Pressefreiheit soweit gehen muss, alles zu publizieren, was möglich ist, solange das Recht dazu besteht - die Möglichkeit dazu muss zumindest bestehen. Sprich: Ein Verleger muss m.E. die Freiheit und das Recht besitzen, auch solche Bilder publizieren zu dürfen dürfen - ob er es letztlich auch umsetzt, sollte seiner ethischen Einstellung vorbehalten bleiben.
Nun gut: Stellt sich eben dann wieder die Frage, ob eine solche ethische Selbstkontrolle dann nicht wieder Selbstzensur wäre... Wie dem auch sei - Bilder und Filme von Enthauptungen von Geiseln zu veröffentlichen, ist ja von radikal-islamischer Seite auch nicht die Art von Selbstbeherrschung, die es anszustreben gilt.
Ja, sicherlich wäre sie das. Aber das wäre auch in Ordnung. Es ist im übrigen auch in Ordnung, wenn Äußerungen durch die öffentliche Auseinandersetzung abgestraft werden, wie das z.B. bei Hohmann der Fall war. Aber niemand hat damals Hohmanns Recht in Frage gestellt, Unsinn von sich zu geben, wie stark auch der Unsinn in der Kritik stand; und der Staat hat seine Finger aus solchen Auseinandersetzungen gänzlich herauszuhalten. Das ist, wie ich finde der zentrale Punkt: Daß das Recht, auch Unsinniges, Provokantes, Lästerliches, Dummes und Banales von sich zu geben, nicht infrage gestellt wird, auch wenn man sich darüber aufregt. Und ob der Provokateur sich dann angesichts der Kritik der Öffentlichkeit entschuldigt, zurückrudert, noch einen draufsetzt oder einfach gar nichts tut, das ist dessen Sache. Ich befürchte aber, daß, wenn beklagt wird, etwas werde mit der Pressefreiheit 'entschuldigt', das Ganze letztlich auf eine Entschuldigung für die Pressefreiheit hinausläuft. Oder für Meinungs-, Kunst-, Redefreiheit - was auch immer. Diese Freiheiten 'entschuldigen' nämlich nichts; sie gewähren Rechte, deren Inanspruchnahme eben darum keiner Entschuldigung mehr bedarf, weil sie gewährt werden. Die Freiheiten entschuldigen gar nichts.
@David: Ich stimme Dir da vollkommen zu, dass diese Freiheiten nichts entschuldigen - und schon gar nicht die Freiheiten ans sich selbst entschuldigt werden müssen. Gleiches gilt übrigens auch für die Religionsfreiheit.
Bei einigen Meinungen habe ich jedoch das Gefühl, dass versucht wird, darüber zu urteilen, welche dieser Freiheiten höhere Priorität besitzt. Das ist jedoch zumindest mein subjektives Gefühl (siehe hierzu auch http://de.wikipedia.org/wik...)
Ich für meinen Teil empfinde die genannten Freiheitein interdependent. Punkt!
Btw: Eine (kunst- resp. literatur-)wissenschaftliche Beschäftigung mit den Zeichnungen dürfte noch ausstehen (z.B. im Hinsicht auf Bildsprache, etc.) und ist sicher sehr interessant und auch vonnöten.
Das Hauptproblem dürfte darin liegen, dass Meinungs- und Pressefreiheit in vielen der islamischen Ländern per Religion, also auch per Gesetz, nicht gegeben ist. Wie anders erklärt es sich, dass zwar antisemitische Karikaturen dort verbreitet werden (siehe http://www.lehrerinnenplatt... - via http://de.wikipedia.org/wik...), die Abbildung des Propheten M. jedoch nicht gestattet ist.
Für mich kommt der Protest der vorgeblich Gläubigen daher nicht glaubwürdig rüber. Aber das soll nicht heissen, dass ich keine Empathie entgegenbringen könnte - es ist nur mein Empfinden, dass die Freiheit und Gleichheit nicht gewährleistet ist, sondern vielmehr mangelnde Bildung als Mittel zur Instrumentalisierung und Fanatisierung der Massen genutzt wird.
Zuerst eine kleine Anmerkung bzgl. der antisemitischen Karikaturen in arabischen Blättern: Dort ist allem Anschein nach nicht der jüdische Religionsführer verunglimpft worden, sondern das Volk bzw. die Volksgruppe. Inwieweit sich dies mit der Religion überschneidet mag jeder selbst entscheiden. Schlimm genug allemal.
Jetzt aber zum hauptsächlichen Aspekt der Konsequenzen im Politikfeld Innere Sicherheit. Denn da kann man ja jetzt befürchten, dass den jeweiligen Hardlinern in den Innenministerien durch die Gewaltausbrüche noch zugearbeitet wird. Jetzt schon sind ja Rasterfahndungen, Gesinnungstests, etc. am Laufen. Inwieweit diese Maßnahmen noch verschärft werden, bleibt abzuwarten. Auch bleibt offen, wie es mit zunehmender öffentlicher Überwachung ausschaut. In diesem Hinblick könnte das Beharren auf die Veröffentlichung der unsensiblen Bilder ein Eigentor in Sachen Privatsphäre und Menschenrechte in den westlichen Demokratien gewesen sein...
http://www.titanic-magazin....
"Jagt dem Feind Angst ein"
"Wir färben eure Flüsse rot!"
Karikaturen gegen mörderische Fanatiker sind keine Gotteslästerung!
Ziele der „satanisch“- satirischen Angriffe waren weder Mohammed als Prophet noch der Islam als Religion, noch „die Muslime“. Ziel war und ist eindeutig der Mißbrauch der Religion zur Rechtfertigung von Massenmord:
„Halt, uns sind die Jungfrauen ausgegangen“, ruft der Wächter des Paradieses (Mohammed?) den „Märtyrern“ zu, die sich in der Hoffnung auf entsprechende Belohung in den Himmel gesprengt haben. Das ist keine Beleidigung „ der Muslime“, sondern richtet sich eindeutig gegen Fanatiker deren Taten auch bei der überwältigenden Mehrheit der friedlichen Muslime Entsetzen und Empörung auslösen , zumal meist Muslime die zerfetzten Opfer sind.
Wer einen Eindruck gewinnen möchte, wie real die Bedrohung ist, die von bestimmten Gruppen islamistischer Fanatiker ausgeht, braucht nur im Internet die Website http://www.khutba.net aufzurufen. „Khutba“ bedeutet „Freitagsgebet“. Nach meiner Einschätzung handelt es sich um eine Gruppe von deutschsprachigen Wahabiten, die geistig in Saudi-Arabien beheimatet sind.
Was das Verhältnis zu den Deutschen betrifft, zitiere ich den Moderator „al-Lubani“:
„Gemäß dem Verständnis des Herrn der Welten ist jeder Unglauben ihm gegenüber Verrat. Insofern ist ein Deutscher, der zum Islam konvertiert und den Geboten seines Schöpfers folgt, ein Loyaler gegenüber der rechtmäßigen Herrschaft und die anderen seines Volkes, die ihren Schöpfer nicht anerkennen, sind die Verräter.“
Leider hat die Administration von khutba.net seit kurzem den größten Teil der Diskussionsforen vor den neugierigen Blicken der Ungläubigen (Kuffar) durch Codes und Paßwörter abgeschirmt – wohl aus gutem Grund. Denn schon der Blick auf die „islamische Fotogalerie lässt ahnen, worüber die frommen Brüder untereinander diskutieren und was sie im Schilde führen. Der Massenmörder Sarkawi, zu dessen jüngsten „Heldentaten“ das Sprengstoffmassaker an einer – muslimischen – Hochzeitsgesellschaft in Jordanien gehört, wird dort als Idol abgebildet mit der Bildunterschrift.
Möge ALLAH swt unsere Löwen standhaft geben und durch ihre Hände den Sieg fpr die Ummah bringen. (nicht korrigiert).
Wie Trophäen werden dort die Fotos von brennenden Fahrzeugen der „Besatzer“ ausgestellt. Stolz präsentieren sie ein Foto, auf dem zu sehen ist, wie vier irakische Wahlhelfer von „unseren Löwen“ aus einem Auto gezerrt und auf offener Straße erschossen werden.
Mohammed mit einer Bombe als Turban – gegen diese Karikatur laufen aufgehetzte Muslime weltweit Amok.
In „Khutba.net“ wird vorgeführt, wie es aussieht, wenn aus Koranversen geistige Bomben gebastelt werden:
Und wenn die heiligen Monate abgelaufen sind, dann tötet die Götzendiener, wo immer ihr sie findet, und ergreift sie und belagert sie und lauert ihnen aus jedem Hinterhalt auf. Wenn sie aber bereuen und das Gebet verrichten und die Zakah entrichten, dann gebt ihnen den Weg frei. Wahrlich, Allah ist Allvergebend, Barmherzig.
Es folgt ein Gedicht mit dem Titel „Das Paradies ist unterm Schwert“, das keinen Zweifel darüber aufkommen lässt, wer mit den „Götzendienern“ gemeint ist:
Die Türme, die gefallen sind/ Auf die ihr stolz gewesen wart/ Sie waren nur der erste Wind/ Die Stürme treffen Euch jetzt hart.
Oh Götzendiener, die Ihr seid/ Muhammads (s) Botschaft ist nicht tot/ Macht Euch für den Kampf bereit/ Wir färben Eure Flüsse rot, etc.
Daß es sich bei diesem Gedicht nicht nur um die Reimerei eines harmlosen Spinners handelt, zeigen die vielen Anweisungen für den Jihad gegen die „Kuffar“:
Ayah 60: Jage dem Feind Angst ein. Entwickle Pläne, durch die Du dem Feind bewußt machst, dass er es mit einer unglaublichen Macht zu tun hat.
Ayah 65: Weise einer Gruppe die spezielle Aufgabe zu, andere Muslime zum Jihad zu motivieren.
Ayah 67: Versuche möglichst viele zu töten und möglichst wenige gefangen zu nehmen.
Der gegenwärtigen Ausbrüche des muslimischen Volkszorns scheinen genau zum Programm zu passen: Dem Feind Angst einjagen vor der gewaltigen Macht der Muslime und andere Muslime zum heiligen Krieg motivieren.