Katholiken versus Blogs?

26. Oktober 2005 - 12:02 Uhr - Moe
Der Schuldirektor der Pope John XXIII High School in Sparta, New Jersey will seinen Schülern die (private) Nutzung von Weblogs verbieten, berichtet die Netzeitung. Er ist der Meinung, Pädophile würden darin persönliche Informationen von Kindern und Jugendlichen sammeln. Und damit sich niemand auch nur einen Gedanken darum macht, ob oder warum das so sein könnte, was man dagegen tun kann, und was Jugendliche im Internet darüber wissen sollten, verbietet er's eben gleich. Schliesslich haben seine Schützlinge ja auch keinen Sex vor der Ehe.
Darüber hinaus scheint Schuldirektor Kieran McHugh ein interessantes Verständnis von Machtausübung und Zensur zu haben:
«Es handelt sich hier nicht um Zensur», sagt er. Die meisten Schüler würden sich ohnehin an die neuen Regeln halten.
Da kann man wirklich noch was lernen.

Weitere Quellen:
Boing Boing: Principal says students can't keep blogs or MySpace profiles
APP.com: Principal curbs kids' Internet activity

11 Kommentare:

  1. Kossatsch schrieb:
    Und dann gehen die Kids nach Hause und gucken Sex and the city. Oder irgendeinen anderen Stuss. Oder sie kaufen sich postpubertär unverkäufliche Heftchen.

    Jede Schule hat die Direktoren, die sie verdient.
    # 26. Oktober 2005 - 14:23 Uhr
  2. René schrieb:
    Es handelt sich tatsächlich nicht um Zensur, denn diese kann nur von staatlichen Organen ausgeübt werden. Zudem _kann_ dieser Direktor es den Kindern (außerhalb der Schule) überhaupt nicht verbieten, dazu hat er keine Autorität. Wenn sich die Kinder dann trotzdem an das Verbot halten, ist das ein Erziehungsdefizit - aber keine Zensur.
    # 26. Oktober 2005 - 16:13 Uhr
  3. Moe schrieb:
    Zum Begriff der Zensur muss ich sagen, dass ich da ein vorwissenschaftliches Verständnis habe. Eben habe ich mal in der Wikipedia nachgesehen, und zumindest dort heisst es auch, dass Zensur nicht nur von einem Staat, sondern auch von einer Gemeinschaft oder eines Vertreters derselben ausgeführt werden kann. http://de.wikipedia.org/wik...

    Was die Frage der Autorität angeht, in den oben verlinkten Artikeln lässt sich nachlesen, dass der Direktor bereits mit Disziplinarmassnahmen gedroht hat. Welche Legitimierung die haben, sei mal dahingestellt.
    # 26. Oktober 2005 - 20:44 Uhr
  4. René schrieb:
    Naja, ich finds nicht besonders aufregend. Wenn du hören würdest, die Zeugen Jehovas oder Scientology würden ihren Anhängern Weblogs verbieten, würde dich das doch auch nicht wundern? So sind Sekten nun mal organisiert. Wenn die Anhänger dumm bzw. deren Erziehungsberichtige einfältig und/oder verblendet genug sind, dabei mitzumachen - that's life.

    Zum Zensurbegriff: es handelt sich immerhin um Kinder, nicht um erwachsene Personen. Wenn die Eltern und nicht der Direktor der Schule verboten hätten, ein Weblog anzulegen - ist das dann immer noch Zensur? Und was wenn der Direktor den Eltern empfiehlt, den Kindern ein Weblog zu verbieten: Zensur? Aus diesem Grund verwende ich den Zensurbegriff ausschließlich bei echter, staatlicher Zensur.
    # 26. Oktober 2005 - 21:29 Uhr
  5. Jeriko schrieb:
    Also für meinen Begriff ist eine Schule dazu da, den Schülern die Möglichkeiten des späterens Lebens aufzuzeigen. Man lernt ja nicht nur für die Schule, sondern auch fürs Leben. Daher würde ich eine Schule auch nicht mit einer Sekte vergleichen.

    Und genau vor diesem Standpunkt ist dies meiner Meinung nach Zensur. Ein Schüler sollte alle Möglichkeiten, die er hat, um eigene Erfahrungen sammeln zu können, auch ausschöpfen können. Vor diesem Standpunkt kommt mir das Statement der Schuldirektorin dann auch so vor, als würde man dort Gehirnwäsche betreiben. Unsereins hätte wohl sofort rebelliert.
    # 27. Oktober 2005 - 06:46 Uhr
  6. Claudia schrieb:
    Sorry, aber wenn EIN (!) Katholik Weblogs verbietet, sind es wohl nicht "Katholiken versus Weblosgs?". Genau so entstehen soziale Milieus, die dann Menschen zur Diskriminierung frei geben. Hatten wir doch schon in Deutschland. Ich bin Katholik und finde das von dir beschriebene Vorgehen der Schule genauso unhaltbar, absurd und peinlich wie du. Einen Menschen aufgrund eines Merkmals "Jude", "Katholik", "Pole" usw. in den Gegensatz zu anderen zu bringen, ist aber genauso absurd und weit gefährlicher als das Vorgehen der Schule.
    # 27. Oktober 2005 - 07:31 Uhr
  7. Moe schrieb:
    Liebe Claudia, zunächst enthält mein Titel ein Fragezeichen, und soll durchaus eine Provokation sein. Ob die nun so schlau ist oder nicht, darüber mag man sich streiten, aber ich denke die meisten Menschen erkennen es auch als solche.

    Dass durch die Wahl von Weblog-Titeln "genau so" "soziale Milieus" entstehen, halte ich - mit Verlaub - für ziemlich abwegig. Deinen Bezug auf die deutsche Geschichte ebenso. Derlei Absichten der Relativierung sind für mich nur schwer erträglich.

    Auf derselben Ebene könntest Du jedenfalls auch diskutieren, warum dieser Schuldirektor pädophilen Menschen (wobei Pädophilie zunächst "nur" eine Neigung ist) eigentlich öffentlichkeitswirksam nachsagt, sie würden generell im Internet Jagd auf Kinder mit Weblogs machen, und ob dies nicht eine Form der Diskriminierung ist. Was meiner Ansicht nach nicht minder absurd als die von Dir vertretene Position wäre.
    # 27. Oktober 2005 - 11:39 Uhr
  8. Claudia schrieb:
    Natürlich behauptet niemand, ein Weblogtitel allein erzeuge schlicht und einfach ein soziales Milieu. Auch der Titel "Juden versus Blogs?" würde dies nicht erreichen. Aber die Denklogik, die einem solchen Titel zugrunde liegt, ist, mit Verlaub, bedenklich. Gerade weil ich dich für reflektiert halte, gerade deshalb habe ich Erwartungen an dieses Blog, die mit solchen "Ausrutschern" enttäuscht werden. Nochmals: Es kann NICHT darum gehen, ob alle Katholiken Blogs hassen oder ob alle Juden reich sind, nur weil ein Schulleiter eine tatsächlich eigentümliche Pädagogik vertritt. Solchen Vereinfachungen liegt eine Denkbewegung zugrunde, die historisch betrachtet nicht akzeptabel ist.
    # 28. Oktober 2005 - 08:04 Uhr
  9. Moe schrieb:
    Wobei die katholische Kirche ja für ihre differenzierten Ansichten bekannt ist. Aber ich schweife ab ;-)

    Aber eine Sache noch: Die Nummer mit den Juden versuchst Du hier bitte kein drittes Mal. Den Vorwurf über Erwartungen und Ausrutscher kannst Du auch bringen, ohne Antisemitismus-Vergleiche an den Haaren herbeizuziehen. Danke.
    # 28. Oktober 2005 - 10:01 Uhr
  10. Sven schrieb:
    Na als katholischer Priester muss er das ja wissen, wie Pädophile vorgehen, das gehört da ja zur Kernkompetenz...

    (um grad noch eine völlig überzogen polemische und politisch unkorrekte Pauschalisierung nachzulegen *fg*)
    # 28. Oktober 2005 - 11:05 Uhr
  11. Claudia schrieb:
    @Moe
    Jetzt geht es in deiner Formulierung nicht mehr um die Katholiken im Allgemeinen, sondern um die "katholische Kirche" im Speziellen. Aus der Kritik am Katholiken im Allgemeinen ist nun eine Organisationskritik geworden. Klar, jetzt klingt die Kritik nachvollziehbar. Ob Organisationen im Grössenformat von Volksparteien, Kirchen, staatlichen Organen usw. "differenziert" sein können (im Hinblick auf was eigentlich?), ist tatsächlich eine interessante Frage. Ich habe diesbezüglich auch meine Skepsis. Hier müsste jedoch nicht die Kirche, hier müsstest du zuerst klarer unterscheiden: zwischen den Katholiken (Plural), dem einzelnen Katholiken und der Organisation Kirche.

    Sven Scholz: na, ja. Das ist nun wirklich die unterste Schublade. Eine solche Äusserung bedeutet doch nur eins: Wir wollen nicht diskutieren oder höchstens mit Leuten, die gleicher Meinung sind. Moe, das ist gemeint mit meiner Kritik. Genau solches fördern Beiträge wie dieser.
    # 29. Oktober 2005 - 22:32 Uhr

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