Von Studiengebühren, falschen Versprechen und Populismus

08. August 2005 - 14:15 Uhr - Moe
Hamburg machts vor: Jetzt wo Studiengebühren da sind, sollen als nächstes wieder die Hochschulen gekürzt werden. Denn als StudentIn könne man ja schliesslich auf für den Kindergarten Gebühren abdrücken. Durch Studiengebühren werden also nicht nur die StudentInnen (sofern sie es sich überhaupt noch leisten können), sondern auch die Unis noch ärmer. Dabei leben die allermeisten Studierenden natürlich schon jetzt deutlich unter der (relativen) Armutsgrenze in Deutschland, so wie ich auch seit etlichen Jahren. Was jetzt keinerlei Forderung darstellen soll, denn damit lässt es sich gut leben, wenn man nicht gerade 1000€ Studiengebühren zahlen soll. Es zeigt aber, wie dekadent dieses Land eigentlich ist, bzw diejenigen die mehr als genug haben. Während die Kinderarmut immer weiter steigt, sinkt die Altersarmut.
Dass man die Gebühren nach seinem Studium alle wieder reinholen würde ist einfach unwahr. Bislang kenne ich nur Pädagogen die mit mir studiert haben, mit Bestnoten fertig geworden sind, und dann arbeitslos wurden oder sich mit Gelegenheitsjobs durchschlagen. Nur ist es ja nicht so, dass die finanzielle Situation an den Hochschulen nicht bereits seit Jahren ziemlich desolat wäre und man aus überfüllten Seminaren rausfliegt, oder aber sich mit 100 Leuten in den Seminarraum quetscht.
Ich hoffe mal, jetzt ist der Gipfel des konservativen Populismus erreicht. Oder sollte man nicht vielleicht Studiengebühren erhöhen und Universitäten kürzen, um damit auch Renten zu zahlen, oder vielleicht den Waffenhandel der Bundesrepublik zu subventionieren?
Der schulpolitische Sprecher Robert Heinemann schockierte Studenten jetzt mit einem beherzten Vorstoß: "Langfristig muss ein Teil der Gelder vom Universitäts- in den vorschulischen Bereich umgesteuert werden", sagte der 31-Jährige in der "Hamburger Morgenpost", "es kann nicht richtig sein, dass der Kindergarten mehr kostet als der Besuch einer Universität."

Also klappert Heinemann vernehmlich mit der Heckenschere und fordert, die städtischen Ausgaben für Hochschulen einzufrieren, damit das Geld an Kindergärten und Vorschulen gehen kann. Für die Unis kein Problem, findet Heinemann - sie könnten ja einfach die Studiengebühren erhöhen und sich also das Geld von den Studenten holen.
Weiterlesen bei Spiegel Online: Studenten sollen für Kindergärten blechen

3 Kommentare:

  1. Kat schrieb:
    Was soll man zu so einer Frechheit noch sagen. Es macht ein schier sprachlos und die Wut steigt in einem auf. Langsam frage ich mich, wo das noch alles enden wird. Mir graut es davor, wenn auch bei uns Studiengebühren eingeführt werden. Momentan lautet die Devise: so schnell wie möglich fertig studieren...
    # 08. August 2005 - 16:26 Uhr
  2. quadrat schrieb:
    Also ich bin ja von der geisteskranken Regierung in Hamburg so einiges gewohnt, aber das schlägt dem Fass echt den Boden aus. Wenn das kommen sollte, kann sich die Stadt auf einen Wutprallen riot der Spitzenklasse einstellen, der weit über das Sommerloch hinaus seine "Früchte" tragen wird....
    # 08. August 2005 - 20:05 Uhr
  3. Lukas schrieb:
    Das mit den Kindergärten ist doch ein alter Schuh. Von den Studiengebühren sollen die Renten gesichert werden und die Altersheime finanziert werden. Momentan gehen in Hessen 10% der Studiengebühren direkt der Hochschule zu. Wozu gibts es Studiengebühren? Anscheinend doch für die Kindergärten und zur Rentensicherung.
    # 09. August 2005 - 00:15 Uhr

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