Die Beteiligung Großbritanniens am illegalen Irak-Krieg sowie am Afghanistan-Feldzug hat zu den Anschlägen in London am 7. Juli beigetragen. Zu diesem für die britische Regierung vernichtenden Urteil kam das renommierte Royal Institute of International Affairs.Ach? Also manchmal ist ja auch der Jungen Welt nix zu blöde. [via Netreapers Furl]
Interessant ist aber, dass - so zumindest meiner Wahrnehmung nach, das müsste man mal nachzählen - die Zahl politisch motivierter Terrorakte im Verhältnis abzunehmen scheint. So lassen sich nahezu alle Anschläge der letzten Zeit als ziemlich direkte Reaktionen auf Kriegshandlungen verstehen. Da gehts um Krieg, nicht um Politik. Und spätestens wenn die Zivilbevölkerung angegriffen wird, scheint Terror eine fast zwangsläufige Reaktion zu sein. Wenn man keine Familie, Freunde, Beruf oder Besitz mehr zu verlieren hat dann dauert es nicht mehr lang und aus Verzweiflung wird Hass und aus Hass wird Terror. Oder stell ich mir das mal wieder zu "einfach" vor?

Und so langsam beginne ich auch dran zu zweifeln, dass die El Kaida was damit zu tun hatte, wie immer behauptet wird...
ich glaub schon. angeblich (?) werden solche anschläge nicht ausschliesslich von leuten verübt, die irgendwelche familenmitglieder, freunde oder berufe verloren haben.
"Aber staatlicher Terror hat vor allem eine Auswirkung: Er erzeugt Gegengewalt." - Nelson Mandela, Verteidigungsrede vor Gericht 1962
"Der Terrorismus ist ein Krieg der Armen gegen die R eichen. Der Krieg ist ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen." - Peter Ustinov
und:
"Terror ist nichts anderes als Gerechtigkeit, prompt, sicher und unbeugsam." - Maximilien de Robespierre, Rede in der französischen Nationalversammlung, 1792
;-)
Und sehr viel mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Nur ist es bemerkenswert, dass die Opfer vom Krieg/Terror der Reichen weitaus zahlreicher sind als die vom Krieg/Terror der Armen.
* In Madrid wurden im März 2004 mehr als 200 Menschen ermordet, obwohl alle Zeichen dafür sprachen, dass die Wahl drei Tage später eine sozialdemokratische, und damit abzugsfreundliche, Regierung ermöglichen würde (die Anschläge haben sogar Aznar noch einmal Auftrieb gegeben, wenn ich mich nicht irre).
*Im Irak wurden (und werden immer noch) unzählige JournalistInnen entführt, die eindeutig gegen den Krieg waren (und sind). Unzählig die Opfer, die der tägliche Terror im Irak unter der Zivilbevölkerung verursacht (die die es wollen, können nachzählen: http://www.iraqbodycount.net/ und das ist bestimmt keine ausgesprochen amerikafreundliche Seite).
*Islamisten im Gazastreifen feuern auf Siedlungen, die in kurzer Zeit nicht mehr da sein werden, Kassam-Raketen ab und machen den Abzug politisch schwerer durchzusetzen.
Wie viele Beispiele braucht man noch? Selbsternannte islamistische Tugendwächter werden sich überall auf der Welt in die Luft jagen und Menschen töten, so lange bis die restliche Welt so lebt, wie sie sich es vorstellen.
Ein gutes Interview dazu mit einem amerikanischen Linken, der nicht für den Irak-Krieg war, ist heute in der BZ nachzulesen:
http://www.berlinonline.de/...
Das zweite Gerücht ist, dass sich Terroristen aus Verzweiflung über ihr Schicksal in die Luft sprengen. In den meisten Bekennungsschreiben schlägt zuvorderst doch eher der Hass auf alles "westlich-modernes" durch als persönliche Betroffenheit. Die 9/11-Terroristen waren deutsche Studierende. Die jüngsten Anschläge in London wurden von Menschen ausgeführt, die schon lange den Schutz und die Vorzüge eines Lebens in Großbritannien genossen haben. Von Verzweiflung kann in beiden Fällen (wahrscheinlich) nicht die Rede sein.
Statt diesen legitmatorischen Konsens weiter durch zu ziehen sollte man Terror als das benennen, was er ist: kaltblütig, unberechenbar und außerhalb jedes Rahmens der Rechtfertigungsmöglichkeit. Ursachen für den Terror kann man schon finden, wenn man möchte. Sie aber ausgerechnet bei denen zu suchen, deren Leben von ihm bedroht ist (sei es die britische oder irakische Bevölkerung)... das ist zynisch.
Nur der Punkt ist eben, dass es einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen dem Kriegsterror der Erstweltstaaten aus dem Westen und den Anschlägen gibt. Nur sind die eben nicht offensichtlich und direkt, sondern sie sind versteckt und man muß genauer hinsehen.
Wer weiß denn heute noch, dass Osama bin Laden in den 80ern damals 1.000.000.000 Dollar von den USA erhielt?
Oder dass Saddam Hussein der gute Freund der Amerikaner war, als er Krieg gegen den Iran führen sollte?
Dazu kommen solche Dinge wie die Stationierung von amerikanischen Truppen an den heiligen Stätten des Islam, was für viele Muslime ein Sakrileg darstellt. Oder wie es einst Volker Pispers ausdrückte: "Das wäre für die Katholiken wie die Stationierung von Taliban im Vatikan."
Eines muß ich noch hinzufügen:
Als 2004 in Madrid 200 Menschen getötet wurden, sah es vorher so aus, als würde Aznar wieder gewinnen. Der Anschlag ließ die Stimmung komplett umdrehen, sodass die SozialistInnen gewinnen konnten. Damals gab es einzelne Beschwerden, dass der so kurz bevorstehende Wahltermin nicht verschoben wurde. (Soweit ICH mich erinnere *g*)
So weit das Madrid und London betrifft, macht das zumindest Sinn, auch wenn ich dir nicht zustimme. Aber wie erklärst du dann den 11. September?
"Wer weiß denn heute noch, dass Osama bin Laden in den 80ern damals 1.000.000.000 Dollar von den USA erhielt?
Oder dass Saddam Hussein der gute Freund der Amerikaner war, als er Krieg gegen den Iran führen sollte?"
Dafür können doch die Zivilisten nichts?
Leider wird der Fanatismus, dem sich Gruppen verschreiben, die Attentäter in Busse oder Flugzeuge schicken, oft als Befreiungsidee romantisiert. Er ist es nicht. Diese Menschen wollen nicht befreien, sie wollen anderen eine mittelalterliche, ideologisch verbrämte und despotische Theokratie aufzwingen. Wenn z.B. die Friedensbewegung in Deutschland das endlich begreifen würde, käme vielleicht auch mal mehr Freude darüber auf, dass es zwei mehr Länder auf der Welt gibt, die endlich auf dem Weg in die Demokratie sind. Das scheint aber angesichts der Mächte, die es ermöglichen, unwichtig zu sein.
Zum Argument der Finanzierung der jetzigen Sponsoren des Terrors: Wer hat denn je behauptet, dass man die Diktaturen, deren Aufbau man selber ermöglicht hat, nicht auch wieder stürzen dürfe? Was soll das ständige Berufen auf die Unterstützung der Taliban, bin Ladens oder Husseins durch die USA? Es stimmt, sie haben den Fehler gemacht, aber wäre es besser gewesen, sie hätten sich nun nicht wieder um die Folgen ihrer Politik gekümmert? Was ist denn das für eine Logik?
Niemand hat vergessen, dass die Mudschaheddin die Sowjets mit american firepower aus dem Land getrieben haben oder das Hussein jahrelang mit amerikanischer Hilfe den Iran bekriegte. Aber was genau spricht gegen ihre jetziges Engagement? Vielmehr müsste in diesem direkten Vergleich die Entscheidung der USA, nun endlich die Rackets zu stürzen, die sie stark machten, Jubel ernten. Tut sie aber nicht, und das macht misstrauisch.
Taliban im Vatikan: Es gibt immerhin einen sehr deutlichen Unterschied zwischen der Armee eines demokratischen Staates (wie problematisch auch immer man das Konzept der Armee und das des Staates auch halten mag) und fanatisierten Gotteskriegern, die bereit sind, ohne Verzug jeden Menschen zu ermorden, der nicht in ihr dogmatisches Weltbild passt. Die US-Streitkräfte sind aufgrund von internationalen Abkommen in unterschiedlichen Ländern stationiert, ihre Präsenz ist mittlerweile im Irak und Afghanistan sogar von demokratischen Instanzen legitimiert. Die Anwesenheit von JournalistInnen und internationalen BeobachterInnen sorgt dafür, dass Menschenrechtsverletzungen oder Übertritte der Militärs veröffentlicht und geahndet werden. Und obwohl das vielleicht in manchen Fällen nicht oder nur mangelhaft passiert, kommt es dennoch häufiger vor als in Staaten wie Syrien, Iran oder Nordkorea.
In einer Sache gebe ich Dir Recht: Aznar lag bis zum 11. März 2004 tatsächlich vorne. Hat dann also Spanien mit der Wahl der Sozialisten den Forderungen der Attentäter nachgegeben? Die Frage, obwohl sie die Menschen missachtet, die aus Angst und Verzweiflung über das Morden im eigenen Land doch für den Abzug votiert haben, wird vom Attentäter gestellt. Der Terror-Akt schafft eine Situation, in der sich die Menschen nicht mehr richtig verhalten können, in dem es als mögliche Reaktionen nur noch falsche gibt: Aznar und Stationierung wählen und weiter die Logik der Selbstmordattentäter unterstützen, oder links und Abzug wählen und so den Terroristen recht geben?
Nein, da gibt es weder etwas zu rechtfertigen noch zu erklären. Robespierre und Ustinov sind wohl nicht passend als Zitat. Der eine Massenmörder und der andere senil und widersprüchlich.
Und es ist nicht wahr, dass der Krieg mehr Opfer forderte als der Terror. Es sei denn du zählst die ganzen Terroristen, welche in Israel oder im Irak die Zivilbevölkerung töten als Teil des Krieges. Das ist es aber nicht.
Der Terror wird weitergehen solange es fanatisch verblendete Religiöse gibt. Und die scheinen im Islam einen nahrhaften Boden zu finden. Und solange es die gibt werden sie auch ein Feindbild finden.
kann mir jemand sagen wieviel zivile opfer es im irak insgesammt gegeben hat?
ich wäre euch sehr verbunden wenn ihr mir diese frage beantworten könntet
Mehr Schätzungen dazu:
http://de.wikipedia.org/wik...