Im Mai 2005 habe ich im Rahmen meines Studiums der Pädagogik (Schwerpunkt Erwachsenenbildung) meine Diplomarbeit abgegeben, die ich hiermit zugänglich mache.
Mosel, Stephan: Praktiken selbstgesteuerten Lernens anhand der Nutzung von web-basierten Personal-Publishing-Systemen. Unveröffentlichte Diplomarbeit, Uni Gießen 2005. (PDF, 1.13 MB)
Die Arbeit liegt unter einer Creative Commons Attribution-NonCommercial-NoDerivs 2.0 Germany Lizenz vor, und darf also - gemäß den Lizenzbestimmungen - zu unkommerziellen Zwecken in unveränderter Form verbreitet, vervielfältigt oder veröffentlicht werden, wenn die Quelle genannt wird.
Aus der Einleitung:
Um das Thema in einen fachwissenschaftlichen Diskurs einzubringen und diese Entwicklung für die Pädagogik fruchtbar zu machen, werde ich in der folgenden Arbeit – nach einer anfänglichen Begriffsklärung – zunächst die spezifischen Eigenschaften von Weblog-Systemen, sowie das emergente Feld der Weblogs und ihrer Autoren im deutschsprachigen Raum aufzeigen. Die Vernetzung von Weblogs untereinander zu einem sozialen Netzwerk und ihre spezifischen Funktionen werden Gegenstand der folgenden Kapitel sein.
Anschließend werde ich eine kritische Sichtweise über das Paradigma selbstgesteuerten Lernens vorstellen und beschreiben, inwieweit die subjektorientierte Struktur von Weblogs mit einem subjektzentrierten Lernbegriff korrespondiert.
Auf einige vorliegende pädagogische Rezeptionen von Weblogs werde ich im darauffolgenden Kapitel eingehen. Hier kristallisieren sich einzelne Elemente heraus, die bei der systematischen Verwendung und Nutzung im Bildungswesen von Bedeutung sind.
Um die diskursive Vernetzung sowie die Interaktion in Weblogs aufzuzeigen, wird anschließend der Konstruktivismus und der symbolische Interaktionismus theoretisch beschrieben. Der Modus der Wahrnehmung und Konstruktion von Weblog-Netzwerken kann dadurch verortet werden, um Eigenschaften von Weblogs und ihren Nutzungspraktiken zu beschreiben. Weiterhin wird die Unterstützung netzbasierter Kommunikations- und Lernprozesse durch Weblogs untersucht, um deren spezifische Qualitäten aufzuzeigen.
Aus der konstruktivistischen Sichtweise, die ich auf die Verwendung und Vernetzung von Weblogs anwenden werde, lassen sich darüber hinaus Implikationen für den Begriff des selbstgesteuerten Lernens ableiten.
Die konstruktivistische und interaktionistische Verortung von Weblogs hat Einfluss auf eine mögliche institutionelle Implementierung. Es stellt sich darüber hinaus die Frage, inwieweit durch den Einsatz von Weblogs Lernen nicht nur unterstützt werden kann, sondern auch, ob durch die Heranführung der Autoren an offene, web-basierte Diskurse sowie durch das Auffinden und Reflektieren externer Internet-Ressourcen die Fähigkeit zur selbstgesteuerten Identifikation und Reflektion von Problemen oder Lerngegenständen erhöht wird.
Um diese Problematik zu bearbeiten soll abschließend eine erste explorative Studie, die in einem Kurs an der City University of Hong Kong durchgeführt wurde, beschrieben werden. Hier soll eine Implementierung von Weblogs im Kursgeschehen sowie daraus resultierende Effekte aufgezeigt werden. Darauf folgt eine kritische Reflektion der Studie und ihrer Vorgehensweise.
Im letzten Kapitel werden noch einmal die Kernaussagen verdichtet, um spezifische Merkmale der Eigenschaften und Nutzung von Weblogs im Kontext selbstgesteuerten Lernens aufzuzeigen. Daraus werden mögliche Auswirkungen auf eine institutionelle Implementierung abgeleitet.
Ich freue mich über Kommentare, Anregungen und Kritik.
Tags: Blogosphaere, Diplomarbeit, Erwachsenenbildung, Konstruktivismus, Paedagogik, Weblogs, Weiterbildung
Diplomarbeit: Selbstgesteuertes Lernen, Weblogs und Konstruktivismus
05. Juli 2005 - 23:05 Uhr - Moe9 Kommentare:
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Sorry Moe, das ist sicher gut gemeint, aber mir stößt das etwas auf.
Vielleicht kenn ich mich ja jetzt nicht aus (bin aber auch Akademiker), aber das trifft doch auf jede Diplomarbeit zu (außer das Veröffentlichen vielleicht).
Darüber hinaus darf jeder Text in Deutschland zitiert, verbreitet oder kopiert werden (unter Angabe der Quelle), also nicht nur "unkommerziellen Zwecken in unveränderter Form verbreitet, vervielfältigt".
Eine schleichende Schleifung bestehender Rechtsnormen / Duldungen durch ein ökonomisches Lizenzen-Modell halte ich nicht für wünschenswert.
Gruß,
Jens
Du kannst nicht einfach dahergehen und eine fremde Arbeit zB auf Deinem Server zum Download anbieten, oder sie in voller Länge abdrucken und verbreiten wenn das keinerlei Zitat darstellt u.ä.
>Darüber hinaus darf jeder Text in Deutschland zitiert, verbreitet oder kopiert werden (unter Angabe der Quelle)
Diese Einschätzung kann ich nicht nachvollziehen. Du kannst ja auch nicht mal eben ein paar Bücher aus der Beststellerliste kopieren, PDFs draus machen und sie, wegen mir auch unter Angabe der Quelle, auf Deinem Server anbieten.
Darüber hinaus können Creative Commons Lizenzen bestehende Nutzungs-, Zitat- usw Rechte keineswegs einschränken, sondern sie nur erweitern. Aber auch darüber schrieb ich hier schonmal.
Abschliessed möchte ich nochmal anmerken, dass es mir selbstverständlich darum geht, den LeserInnen dieser Arbeit durch die Lizenz deutlich *mehr* Rechte einzuräumen, als es sonst der Fall wäre.
Ich bin kein Spezialist für Lizenzen, aber Deine Einwände kann ich nicht nachvollziehen. Solltest Du etwas mit dieser Arbeit machen wollen, was Deiner Ansicht nach nicht durch die verwendete Lizenz abgedeckt ist, so schreib mir eine Email und ich bin mir sicher dass wir eine Lösung finden werden.
Darf man fragen, wie erfolgreich die Diplomarbeit war?
Danke für dein Mail. Ich kam bis jetzt noch nicht zum Lesen deiner Arbeit, aber ich hoffe, das dauert nicht mehr allzu lange.
Nach dem Lesen der Beiträge von Medienpraxis hatte ich die Idee via Polaroid-o-nizer auf deine Arbeit aufmerksam zu machen. Ich habe übrigens meine Arbeit auch gleich verlinkt.
Hier gehts also zum Beitrag:
http://roger.kaywa.ch/educa...
Lieber Gruss
Roger
Viele Grüße aus Paderborn, Alex
ich habe die Arbeit leider noch nicht gelesen, sie ist aber schon auf der Festplatte - ich schreibe ja gerade selbst meine (Magister)Abschlussarbeit ;)
Ich musste gerade daran denken, inwieweit sich wohl durch die Verwendung von Blogsoftware der Schreibstil und die Organisation von Inhalten - und letztlich auch der Form - also der gesamte Schreibprozess, verändert.
Daher die Frage: Denkst Du, dass die Arbeit _mit_ Blogs Deinen Schreibprozess bei der Arbeit _über_ Blogs (mit)bestimmt hat? Bzw. inwieweit hast Du Blogs benutzt, um den Inhalt der Arbeit zu strukturieren?
Btw: Ich habe letzt überlegt, dass sich Blogsoftware gut für die Anwendung von GroundedTheory eignen würde. Bisher habe ich das aber noch nicht bewusst genutzt resp. erprobt.