Köln: Spucken verboten

27. April 2005 - 12:31 Uhr - Moe
In Köln wurde es verboten, auf die Straße zu spucken. Wer es trotzdem macht, muß 15 bis 35 Euro Strafe zahlen. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) forderte in ihrer Funktion als Präsidentin des Deutschen Städtetages, dieses Verbot auch auf andere Städte auszuweiten. Denn sie meint, dass Strafen das Bewusstsein schärfen:
Auch mit hohen Bußgeldern können die Städte das Bewusstsein der Bürger für Sauberkeit und Vandalismus schärfen.
Hier geht es mitnichten um sinnvolle Gesetze, denn
Ziel der neuen Verordnung sei es, stärker gegen Ärgernisse und störende Verhaltensweisen vorzugehen, die teilweise von Landes- und bundesrechtlichen Bestimmungen nicht erfasst seien, teilte die Stadt mit.
[via Oberhessische Presse]

Es wird offensichtlich betont, daß es weder um Sinn, noch um "Sicherheit", "Ordnung" oder keine Ahnung was geht. Sondern darum, was als "störende Verhaltensweisen" betrachtet wird. Ob diese Norm nun von Frau Roth oder von den Bürgern Kölns hervorgebracht wird, ist dabei erstmal ziemlich irrelevant.

Vielleicht kann man dann ja die zunehmende Kameraüberwachung sowie die steigende Anzahl unqualifizierter Hilfs- oder Wachpolizisten, des freiwilligen Polizeidienstes und der Stadthelfer in den Innenstädten benutzen, um Menschen die auf den Boden spucken zu überführen. Oder man richtet eine Denunzianten-Hotline oder vielleicht auch Online-Anzeigen ein, um Spucker dingfest zu machen. Damit sich das Verhalten der Menschen durch Zwang ändert, um dem ästhetischen Empfinden unserer Regenten sowie der Masse die an sie glauben gerecht zu werden.

Ausser dem Spucken wurde in Köln ausserdem auch das Wegwerfen von Zigarettenkippen und Kaugummis sowie das Pinkeln in der Öffentlichkeit verboten. n-tv stellt fest, dass leider nicht gemeldet wurde,
ob Roth sich auch für das zusätzliche Aufstellen von Aschenbechern und Mülleimern sowie die Einrichtung öffentlicher Toiletten einsetzen will.

6 Kommentare:

  1. ilnowa schrieb:
    Hi Moe, ich bin etwas hin und hergerissen.
    So sehr wie mir diese verbotskiste nicht gefällt so sehr begrüße ich das hier an der Sauberkeit unserer nächsten Umwelt gearbeitet wird.
    Ich selber habe erleben dürfen wie meiner kleinen Tochter ein Teddy aus dem Kinderwagen gefallen ist welcher sich als Landepunkt einen Riesenrotzflecken ausgesucht hatte. Resultat war das die Kleine einen Riesenheulanfall bekommen hat als ich ihr den Teddy nicht wieder geben wollte und ich das arme Stofftier erstmal im Waschkeller in nem Eimer Seifenlauge fast ersoffen hätte.
    Klar scheißen auch Hunde die Gehwege voll, aber gerade wir "Homo sapiens" sollten uns über die Ergüsse unserer Körperflüssigkeiten mehr Gedanken als irgendso ein Viech.
    # 27. April 2005 - 13:51 Uhr
  2. Matthias schrieb:
    Also ich find auch an sich ist das Spucken ziemlich eklig, assozial und muss nun wirklich nicht sein. Ob man dies aber so verbieten sollte, na ich weiß nicht.
    # 27. April 2005 - 16:41 Uhr
  3. banane schrieb:
    unsere politiker müssen ja wirklich unterfordert sein, wenn sie sich um solche sachen so viele gedanken machen.

    "Denn sie meint, dass Strafen das Bewusstsein schärfen:..."
    wie hoch müssten die strafen für politiker sein, damit deren bewusstsein mal geschärft wird?
    # 27. April 2005 - 17:39 Uhr
  4. Martin schrieb:
    Ursprünglich wurden Spuckverbote verhängt um die Verbreitung von Tuberkulose einzudämmen. Da mit dem Zusammenbruch des Ostblocks auch die dortigen Gesundheitssysteme zusammengebrochen sind, macht TB wieder ein Comeback. Es ist keine reine Spinnerei was die in Köln anstellen, wie sie es anstellen schon.
    # 28. April 2005 - 12:16 Uhr
  5. Tobias (tragophil) schrieb:
    Also ob STRAFEN die Lösung sind, weiß ich nicht. Aber prinzipiell find ich: Ich spuck nicht auf die Straße, ich rauch nicht und Kaugummis landen im nächsten Mülleimer (mit Papierchen umwickelt, damit die nicht son armer Mann da rauskratzen muß). Ich arbeite selber im Kino und find da immer wieder sowohl die erstaunlichsten wie auch ekligsten Sachen... Schade, dass das Wegwerfen von benutzen Kondomen nicht explizit verboten wird *nurhalbalbernmein* - Einen Hund hab ich nicht, aber ich durfte heute beobachten wie ein solcher an dem Blumenverkaufsangebot meines Supermarktes sein Bein hob. Ist keiner eingeschritten...
    Zweites Problem. Wie wird da demnächst denunziert? Sind da nur die vom Ordnungsamt für zuständig, oder gibts demnächste Fangprämien? Und wie läuft gegebenfalls der Nachweis. Per DNA?
    Ich zieh aber demnächst nach Köln - und werds mal beobachten...
    # 28. April 2005 - 19:03 Uhr
  6. U.M. schrieb:
    Ich bekomme immer mit meinem anwohnenden Nachbar (Reihenhaus) massiv Ärger weil er immer wieder seine "oralischen Orgassmen" im Garten vorführt und wenn meine Familie dann auch im Garten ist 1) das anhöhren und 2) noch unweigerlich zusehen muss. Ist man dagegen eigentlich machtlos.
    Meine Familie und ich finden dieses ekelhafte ausspucken sehr ekelerregend und auf jeden Fall höchst unanständig. Weil der Wind verbreitet dadurch evtl. auch eine Tröpfcheninfektion (man weis ja nicht ob der Spuckende eine ansteckende Krankheit hat, wie z.B TB oder...)

    Der besagte Nachbar meint jedenfalls, dass er in seinem Garten Spucken und Kotzen kann solange und soviel er will (m.E. sehr assozial)
    Traurig dass hier schon die einfachste Erziehung fehlt.
    # 14. Juli 2005 - 21:23 Uhr

Kommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.

Kommentieren:

:

:
: