Polizei fürchtet Anonymität und Kryptographie im Netz[heise online, via FetteMama ORG]
Als große "Grauzone der digitalen Welt" bezeichnet Harald Lemke, Staatssekretär im hessischen Innenministerium, die Möglichkeit zur Anonymisierung von Kommunikationsspuren im Cyberspace. "Das Internet 2010 ist anonym, alles ist verschlüsselt", warnte der Politiker am heutigen Mittwoch die rund 1000 Teilnehmer des 8. Europäischen Polizeikongresses in Berlin. Er warf die Frage auf, wie da die "öffentliche Sicherheit und Ordnung in dieser Nebenwelt sicher zu stellen sind" und sprach von einer enormen "strategische Herausforderung".
Die "Möglichkeit zur Anonymisierung von Kommunikationsspuren im Cyberspace" sind allerdings keine "Grauzone der digitalen Welt", sondern eine der wenigen Verprechungen, die das Netz bislang gehalten hat. Die Möglichkeit, via GnuPG /PGP verschlüsselt zu kommunizieren, ohne daß da jemand lauschen könnte. Der Satz "Das Internet 2010 ist anonym, alles ist verschlüsselt" ist doch eine der wünschenswertesten Utopien, die ich mir zu dem Thema so denken kann.
Wobei Anonymität und Kryptographie schon mal zwei Paar völlig verschiedene Schuh' sind, aber der Herr Lemke ist ja ausgemachter Experte, also lassen wir das mal außen vor.
Wenn man jedenfalls in Hessen schon die KFZ-Kennzeichen automatisch überwacht, Emails zur "präventiv-polizeilichen Telekommunikationsüberwachung" auch dann, wenn keinerlei Verdacht vorliegt abhört, und zum Abhören eines Telefonanschlusses nicht mal mehr eine richterliche Genehmigung braucht, dann muss es einem schon ein ziemlicher Dorn im Auge sein, daß irgendjemand noch in der Lage ist zu kommunizieren, ohne daß man auch das belauschen könnte. Auf Bundesebene läuft das nicht viel anders als in der Mehrheitsdiktatur Hessen. So forderte auch Schily unlängst mehr Überwachung.
Bei mir jedenfalls erfreut sich Instant Messaging über Jabber mit Psi und GnuPG Verschlüsselung zunehmender Beliebtheit. Meinen GnuPG Key gibts übrigens hier.
Anbei nochmal ein paar Links auf einige Infos zum Thema Verschlüsselung:
- Usability Inside: SSL, PGP, GnuPG, Psi und Jabber
- deep-resonance.org: Gesammelte Anleitungen zur GnuPG-Verschlüsselung
- GnuPG unter Windows: Verschlüsselung (fast) ganz einfach

Schickt man diesen Leute nun eine verschlüsselte eMail sind sie mit ihren Standard-Anwendungen (freemail.web.de, gmx.de, gmail.com, Outlook Express, etc.) einfach überfordert damit umzugehen. "Hä? Ich kann das nicht lesen! Was schickst Du denn für ein Scheiß? Warum verschlüsselt? Bist Du sooo wichtig?"
Eine andere Fraktion, und da dazu zähle ich mich auch, halten diesen ganzen Wirbel (fälschlicherweise?) für einen Hype! Das Problem, dessen ich mir auch bewusst sein sollte: Irgendwann verschwinden diese Themen aus den Medien, es wird irgendwann mal umgesetzt und ist man dann von solch einer Aktion betroffen oder mit, eigentlich vertraulichen Infos über irgendwas aus seinem Leben unangenehm konfrontiert ist es zu spät.
Also was tun? Auf die Straße gehen? Nur noch Anonymizer zum Surfen verwenden? Sind _wir_ nicht fast alle zu träge für solche Dinge zu kämpfen?
Ich denke mal, wir sind alle dafür viel zu bequem. Eingelullt vorm Fernseher mit aktuellen Bilder aus aller Welt geht es uns viel besser und sicher sind wir da ja auch....
Der gläserne Mensch ist keiner, den man besser "kontrollieren" kann. Zumal die "Kontrolleure" keine besseren Menschen sind als der Rest. Kontrollwut kann kein mangelndes soziales Engagement - von welcher Seite auch immer - ersetzen.
Ich denke doch, das Wissen über die Kommunikationsinhalte der breiten Bevölkerung dürfte für einen Regenten doch irgendwie interessanter als die Mails einiger weniger Terroristen sein, wenn es mal um die Machtkomponente dabei geht.
Ich traue ja den Geheimdiensten alles zu, aber in einer Datenerhebung über E-Mail Gesprächsthemen eines jeden Bürgers sehe ich keinen größeren Zweck. :)
Und, wie es schon Ludwig Erhard für die Wirtschaftspolitik einforderte: Der Staat soll die Leute in Ruhe lassen und nur dann aktiv werden, wenn sie selbst nicht dazu in der Lage sind, sich selbst zu helfen.
Populismus ist genau das richtige Wort - und das auch noch auf Kosten der Bürger. Wenn es ja ein Freizeit-Populist wäre, dann wäre es ja schon schlimm genug. Aber so...