Der Schnüffeldienst BlogSquirrel soll Firmen über Erwähnungen ihres Namens oder ihrer Produkte in Weblogs berichten: Mit einem solchen Service will CyberAlert Unternehmen eine Art Frühwarnsystem bereit stellen, um von missliebigen Äußerungen in beliebten Web-Tagebüchern so schnell wie möglich Kenntnis zu erhalten und beispielsweise ihre Rechtsabteilungen umgehend in Marsch setzen zu können, bevor die betreffenden Inhalte in der Netzgemeinde die Runde gemacht haben. Es geht um "problems and issues that may threaten corporate or brand reputation", also Inhalte, die den guten Namen eines Unternehmens oder seiner Marken in den Schmutz ziehen könnten. heise: Schnüffeldienst warnt Firmen bei Erwähnung in Weblogs [via kiesows]
Weiterhin wird also versucht, die Freiheit der Rede einzuschränken. Freie Meinungsäusserung wird so immer schwieriger. Vielleicht wird dieser Dienst ja aber auch von einigen Privatpersonen genutzt werden, denn einige BloggerInnen reproduzieren genau diesen Gedanken: Wenn einzelne Sätze zu Produkten werden, welche per se patentiert oder geschützt werden müssen. Geistiges Eigentum, die Idee als Besitz. Wo kann man noch überall ein © oder ein TM dranpappen? Nicht dass noch etwas passiert, mit diesen armen, unschuldigen Buchstaben. Man kann dann in seinem Blog mit dem Anwalt drohen, oder ihn tatsächlich auch mal was schreiben lassen. Das Bürgertum reproduziert so die ideologischen Vorgaben der Wirtschaft, indem es sie sich zu eigen macht. Das eigene Weblog als Dienstleistung, Marke und Produkt. Die Website als Bühne, der Blogger als Star. Schön, dass sich alle einig sind!
Das hier dürfen Sie nicht mal lesen!
14. November 2004 - 12:16 Uhr - Moe9 Kommentare:
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wie der autor bei heise darauf kam, dass der primäre anwendungszweck dieses tools sein könne "Mit einem solchen Service will CyberAlert Unternehmen eine Art Frühwarnsystem bereit stellen, um von missliebigen Äußerungen in beliebten Web-Tagebüchern so schnell wie möglich Kenntnis zu erhalten und beispielsweise ihre Rechtsabteilungen umgehend in Marsch setzen zu können, bevor die betreffenden Inhalte in der Netzgemeinde die Runde gemacht haben." erschließt sich mir weder in dem heise-text noch auf den seiten der firma cyberalert.
dass kiesow und einige kommentatoren bei heise und anderswo diesen gedanken aufgenommen und weiter gesponnen haben, macht ihn nicht plausibler. und das ein clipping-service, wie ihn die meisten pr- oder vorstandsstabsabteilungen großer unternehmen seit vielen jahrzehnten betreiben, das recht auf "Freie Meinungsäusserung" bedroht, will mir nicht so richtig plausibel werden.
dieses recht wäre tatsächlich am besten geschützt, wenn mir keiner zuhört oder meine texte liest. das ist aber wohl kaum der zweck der "Meinungsäusserung", oder?
paranoia? (obwohl ... auch paranoiker haben feinde!)
Klar, alle Blogger verklagen geht auch. Und? Glaubt hier jemand, daß danach mehr Leute positiv über diese Firma denken? Oder das weniger negativ denken (und schreiben)?
und deine interpretation von "your organization can build an effective "early warning system" to identify problems and issues that may threaten corporate or brand reputation ..." ist völlig legitim aber eben "deine interpretation". andere sind möglich.
wenn mich ein "early warning system" darüber informiert, dass jemand schreibt, dass er stress mit meinen produkten oder den mitarbeitern meiner firma hat, gibt es viele, viele, viele möglichkeiten, darauf zu reagieren. nicht nur "unseren anwalt einen bösen brief schreiben" zu lassen. auch das passiert - und die betroffenen weinen sich dann herzzereißend in ihren weblogs darüber aus.
ich muss zugegeb: ich selbst habe das (im privatleben; seufz) noch nicht erlebt. weiß also nicht wirklich wie "das ist". wenns passiert, denke ich vielleicht anders darüber - aber hoffentlich nicht anders über google oder technorati mit deren hilfe "die" das herausgefunden haben.
was ich aber tatsächlich schon mehrfach erlebt habe, ist, dass nach sachlicher kritik per e-mail oder auch in meinem weblog mich menschen aus den betroffenen firmen angemailt haben, nach details gefragt haben, der sache nachgegangen sind und manchmal abhilfe geschaffen haben.
ich schreibe aber auch eher selten "xxx sucks" sondern eher: "xxx macht folgendes und DAS FINDE ICH unter diesem und jenen gesichtspunkt bedenklich, dem geschäft nicht so förderlich etc." (ausnahmen bestätigen die regel). ich denke, das ist auch im verbalen umgang mit menschen eine gute idee.
und ja, es gibt unternehmen, denen jegliche sensibilität dieser art abgeht. es gibt auch menschen, die jede kritik mit aggression oder faustschlägen beantworten. das als reaktion aber immer gleich zu erwarten, ist eine "schwierige" sicht der welt, oder.