Da verstirbt ein Demonstrant bei den Castor-Transporten weil er vom Zug überfahren und ihm die Beine abgetrennt werden - und manche Blogger-Kollegen versuchen witzig zu sein: Wenn man sich auf Bahngleise legt, muss man damit rechnen, dass einem ein Zug über den großen Zeh fährt! Das habe ich mit 3 Jahren gelernt. Aber die grünen Öko-Terroristen scheinen in einer anderen Welt zu leben.
Er sollte posthum auf Schmerzensgeld verklagt werden. Für das Leid, dass er dem Zugführer zugefügt hat. [via Signal77]
Nach einer unruhigen Nacht um 6:15 aufgewacht mit der Reportage über den jungen Herren aus Frankreich, der dachte das er gefunden wird oder das der Zug hält. Er hat selber Schuld ... manchmal... haben Züge Räder - der Zugführer tut mir leid - der Tote nicht. [via dichter und denker]
da kann also dieser demonstrant noch sehr froh sein, dass es nicht kurz "spladder" gemacht hat, sondern er sogar noch seinen vollen körpereinsatz begutachten konnte, den er für einen guten zweck geleistet hat. das er am ende gestorben ist - das ist vielleicht wirklich nicht so toll. aber andererseits hätte man es ihm dann auch nicht gewünscht, dass er als krüppel seinen neffen später mal erzählen muss, dass es nicht am rauchen lag und auch nicht an einem heißen ritt auf einem schnellen motorrad, sondern an einer demo. ich mein - sowas will man seinem neffen doch wirklich nicht erzählen. [via 030 Berlin]
Auch in der Politik findet sich in der gewohnten Ecke bereitwillig ein Fürsprecher für deartigen Zynismus: "Soll man deswegen jetzt Staatstrauer ausrufen?", kommentiert Andreas Schumann, Sprecher des sächsischen Innenministers Horst Rasch (CDU) [via FnlStrw.]
Abgesehen davon finde ich folgendes bedenkenswert: Also da ist man anscheinend der Meinung, wer vom Atommüll-Transport überrollt wird, sei doch selber Schuld. Es ist also für manche Leute ernsthaft und wahrhaftig normal, dass ein Zug mit radioaktivem Gefahrengut einfach über ein Hindernis auf den Schienen drüber fährt? Was da dann im Weg steht, ist eben selbst Schuld, oder wie? Abgesehen davon: Wer einen radioaktiv beladenen Zug mit 100 Sachen in eine Kurve fahren lässt, riskiert unweigerlich, wasauchimmer hinter der nächsten Kurve steht zu rammen. Da könnte genausogut eine Vorrichtung die den Zug entgleisen lässt, eine Bombe oder ein Tanklaster stehen, aber egal, dann fährt der Zug eben da drauf, oder wie stellt Ihr Euch das vor?
Dass der Zug anscheinend weder durch den normalerweise voranfliegenden Helikopter noch durch die üblichen Hundertschaften gesichert war als er den Demonstranten überfuhr, scheint auch keinen zu interessieren. "Selbst schuld" ist eben viel einfacher. Und diejenigen, die tagtäglich eifrig an der fortschreitenden Individualisierung unserer Gesellschaft arbeiten, lachen sich dabei ins Fäustchen.
Castor tötet eben doch...
10. November 2004 - 10:48 Uhr - Moe29 Kommentare:
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aber wenn er schon transportiert werden muss, was ist dann besser? straße, schiene oder flugzeug?
dass sich jemand auf die gleise legt, aus welchem grund auch immer, ist aber genausowenig normal.
und dass da auf allen seiten etwas schief gelaufen ist, das sollte auch nicht normal sein.
wer ist schuld?
alle zusammen, das unternehmen, welches offensichtlich diverse vorsichtsmaßnahmen nicht getroffen oder verletzt hat genauso, wie die demonstranten, die sich wissentlich in lebensgefahr begeben.
wo waren denn die anderen, die sich noch rechtzeitig losmachen konnten?
Ich habe als erstes gedacht, "mein lieber Freund, die Franzosen haben echt kein Problem, über Leichen zu gehen." Wenn eine Mülltüte auf den Gleisen gelegen wäre, wäre der Zug stehengeblieben. Könnte ja eine Bombe drin sein. Aber wenn man einen Linksalternativen dran glauben läßt, kann man damit wenigstens mal klarmachen, wie man mit solchen Querulanten umzugehen pflegt.
Wenn ich vom Main Tower springe ist natürlich auch der Hausmeister des Gebäudes Schuld und nicht ich?
"Selbst Schuld" ist in diesem Fall völlig korrekt. Und der Getötete ein Kandidat für den Darwin-Award.
Und, richtig mas, sollte doch hinlänglich Bekannt sein, dass der eigentlich schon 'etwas' teure Castortransport noch etwas teurer gemacht wird, weil dort immer protestierende Leute versuchen auf sich und die Situation aufmerksam zu machen.
Ob der Zugfahrer jetzt eine (Allein-) Schuld trägt, bzw. wie groß die ist, das ist was ganz anderes... Der Zug war zu schnell und 'unbewacht', das ist Fakt. Das Verhalten des Demonstranten hätte Konsequenzen gehabt, klar, aber nicht den Tod, keinesfalls...
Wenn man Fernsehaufzeichnungen in den letzten Jahren sah, konnte man den Zug in Frankreich recht schnell über die Schienen fahren sehen und ohne Polizeikonvoi.
Die deutschen Verhältnisse und Protestformen einfach auf Frankreich zu übertragen ist genau derselbe Fehler, den der Protestant in Frankreich gemacht hat.
Jedoch ist auch hier niemand so dumm, sich an die Gleise zu ketten, ohne nicht dafür zu sorgen, daß er/sie rechtzeitig vorher gesehen wird.
Normal ist das ganze wirklich nicht.
Aber das Schreiben wir hier gerade über Medien, die zu 40% mit Atomstrom laufen.
Das hat mit 40% Atomstrom übrigens nur am Rande zu tun. Meine persönliche Meinung ist, daß wir uns im Moment noch schöngeistige Gedanken über "alternative" und "erneuerbare" Energien leisten können, aber spätestens wenn das Erdöl alle ist, das volle Atomstromprogramm einläuten müssen. Wo soll denn der ganze Wasserstoff für die Brennstoffzellen sonst herkommen?
Ob selbst Schuld oder nicht - ist für mich bei dem Tod eines Menschen doch völlig sekundär! Diejenigen die diese Auffassung vertreten, sollen sich doch mal bitte vorstellen eine Person, die ihnen sehr nahe steht kommt bei einem Verkehrsunfall durch unangepasste Fahrweise ums Leben. Zuckt ihr doch immer noch mit den Schultern und sagt "Selber Schuld! Pech!"?
Erschreckend? Menschenverachtend? Es muss doch jedem klar sein, das man sich nicht auf Schienen legen kann (und darf)? Vollkommen egal, wogegen, wofür oder womit man demonstrieren will. Selbstmordattentäter haben auch einen Grund sich zu "gefährden", und deren Verlust ist weniger minder als des Franzosen, aber bitte... "Jeder ist seines eigenen Glückes schmied" und wenn ich mich auf Schienen lege, kann ich nicht mit der Rücksicht, oder Fürsorge anderer rechnen. Es ist ja nicht so, das dies ein Unfall war. Er ist ja nicht gestolpert, und konnte sich nicht mehr retten... Sondern er hat dort gelegen. Was muss der Mensch gedacht haben? Keine Frage das es so nicht Recht ist, aber muss man beim Demonstrieren immer auf biegen und brechen etwas erreichen wollen?
Der Castorvorfall ist etwas anderes, in seiner Tragik sicherlich nicht weniger schlimm. Im Gegenteil. Ich gehe davon aus, dass es sich nicht um einen Selbstmörder gehandelt hat. Es war wahrscheinlich ein junger Mensch, der aufgrund von Idealen oder anderer Motivation sich dieser Sache voll hingegeben hat. Möglicherweise haben ihn andere noch bestärkt, nach dem Motto "der Zug hält sicher, fährt langsam, da ist noch nie etwas passiert" oder ähnliches. Ich kann mir nicht vorstellen, dass er die Gefahr vollständig eingeschätzt hat. Ganz sicher hat er in seiner Unerfahrenheit auf etwas oder jemanden vertraut, das ihm den Mut gegeben hat, diese Gefahr auf sich zu nehmen. Es handelt sich bei diesem Vorfall aus meiner Sicht um ein sehr dramatisches Schicksal, wo die Schuldfrage völlig irrelevant ist. Das einzigste was zu klären wäre, wie es soweit kommen konnte, dass sich ein junger Mensch solchen Gefahren ausgesetzt hat.
@Wolfgang: Interessante Theorie. Selbstgefährdung schließt Unfälle aus. Da wird selbst ein Smiley überflüssig.
Und bei diesen wie bei jenen darf man ein aehnliches Mass an Menschen-(ver)-achtender Haltung voraussetzen.
Nur der Vollständigkeit halber: Es handelt sich NiCHT um eine unerfahrene, dilettantische Demonstrantengruppe, die ebensowenig AUF den Schienen lag.
Nachzulesen hier: http://www.heise.de/tp/r4/a...
Moe, Du hast recht, _diese_ Meinung kann uns vollkommen Wurst sein...
http://germany.indymedia.or...
http://de.indymedia.org/200...
wenn sich pseudo-ökos an ein gleis ketten (und er muss irgendwann fest gewesen sein, sonst wäre es nicht passiert), und dies extra hinter einer kurve tun, sich vorher noch verstcken um den vorausfahrenden sicherheitskräften nicht aufzufallen, dann kann ich für tote kein mitleid haben. hinterher zu reden von wegen absichtlich nicht angehalten, oder nicht genug sicherheit, ist schon ausdruck besonderer naivität. wer rechnet auch schon mit ankommenden zügen auf gleisen? das wär ja als könnte man als fußgänger auf der autobahn überfahren werden! und selbst wenn da ein zug kommt, kann man ja wohl als angeketter gewissens-beruhigungs-demonstrant verlangen, dass die sicherheitskräfte ein auge auf einen werfen, schließlich zwackt man schon extra was von der sozialhilfe (oder dem alg) ab um überhaupt am anti-castor-event teilhaben zu können.
man sollte den leuten den darwin-award verleihen, wenn die castor-gegner sich nach dem unfall nicht auch noch so affig aufgeführt hätten, und mal berlegt hätten dass sie die einzigen sind de hierfür verantwortung tragen, könnte man sogar mitleid haben.
mfg, henne.
ps: als realist muss ich hinzufügen, dass es erst diese gesunde natürliche auslese war die uns menschen überhaupt soweit "nach vorn" gebracht hat.
denn wir alle sind deutschland.
mfg, henne.
Du bist Deutschland, nicht ich. Und da bist du nicht allein, also geh woanders hin.
aber danke, du hast mich mit dem erhobenem finger bekehrt. auch ich glaube nun man kann die atomkraft bekämpfen indem man sich vor gefahrguttransporte wirft, und zur not genau das risiko eingeht welches man anprangert. auch sollten wir alle die derzeit als wahrheit angesehenen thesen der auslese und evolution schnellstens vergessen, aus ethischen und moralischen gründen versteht sich.
wenn du dich jetzt auch noch vor die heuschrecken dieser gesellschaft stellst, und ohne argumente nur mit dem erhobenem finger wackelst, wirst du die auch noch bekehren.
aber kurz zum thema: wusstest du das ca 1% der strahlenbelastung in unserem deutschland von kraftwerken und atombomben kommen, über die hälfte natürliche strahlung ist, und der rest medizinische strahlung ist? naja, egal, intressiert dich sicherlich auch nicht, hauptsache man tut was fürs gewissen, und kämpft gegen einen bösen feind.
dir scheint auch eine gewisse fähigkeit zu fehlen, die realität zu sehen. der zyniker sieht die welt wie sie ist. dass du noch dazu provokante oder leicht polemische bemerkungen als menschenverachtend bezeichnest, bestätigt mein bild von dir, nimm doch den stock aus dem arsch und den finger runter, moralapostel. der tote wird auch nicht lebendiger weil du ihn in schutz nimmst .
gegen demonstration hab ich übrigens überhaupt nichts, solange sie friedlich, nicht geheuchelt, und frei von doppelmoral sind. ich will damit nicht sagen das diese eigenschaften auf die castor-gegner zutreffen, für mich ist es aber nicht friedlich sich auf schienen zu legen. auch ist es alles andere als überlegt, der einzige dem diese demos schaden, sind der gesellschaft und dem staat, denn wir alle kommen für das massive polizeiaufgebot auf, nicht die atomkartelle, aber soweit denken die castor-touristen nicht, hauptsache gegen etwas sein.
mfg, henne.