Privat-Knast in Hessen

09. November 2004 - 00:08 Uhr - Moe
Strafvollzug wird zum Geschäft, und passend zur Gelegenheit wartet die hessische Landesregierung mit einem noch mieseren Sparplan auf: Der britische Dienstleistungskonzern Serco wird ab 2006 das erste weitgehend privatisierte Gefängnis in Deutschland betreiben. Das Land Hessen und Serco haben heute einen auf fünf Jahre angelegten Vertrag unterzeichnet. Durch den privaten Betreiber erhofft sich das Land deutliche Kosteneinsparungen. [via Spiegel Online: Deutsche Häftlinge hinter britischen Gittern]

8 Kommentare:

  1. Patrick schrieb:
    Moin, ich kann verstehen, dass das gut in dein "Hessens Regierung spinnt"-Konzept passt. Aber es hat auch Vorteile. Denn wenn private und dazu noch monetäre Interessen hinter dem Betreiber eines solchen Knastes stehen wird es kaum passieren, dass ein Häftling es schafft mit einem Gabelstapler zu "entfliehen" und die Gegend unsicher zu machen. Lieber sicherer Privatknast als verbeamtete "Wir erledigen nur unseren Job hier"-Mentalität.
    # 09. November 2004 - 09:34 Uhr
  2. Moe schrieb:
    Wie kommst Du darauf, daß durch "private und dazu noch monetäre Interessen", sprich Kommerzialisierung, die Qualität, sprich Sicherheit, des Produktes "Knast" irgendwie steigt? Das ist das übliche neoliberale Argument, dass mehr Wettbewerb und Kostendruck zu mehr Qualität führen sollte. In der Realität lässt sich dies kaum wieder finden. Die Ökonomisierung der Unis ist da ein Paradebeispiel: Zahlende Kunden und *noch* weniger Geld sowie absolutes Verwaltungschaos. Ich schrieb hier öfters darüber.
    Ich gehe davon aus, dass es mit dem Knast ähnlich laufen wird. Abgesehen davon werden durch die Privatisierung der Knäste eingekerkerte Menschen schlussendlich zu einer ökonomischen Notwendigkeit, um dei Nachfrage der "Anbieter" zu befriedigen. Das ist mehr als abwegig.
    # 09. November 2004 - 09:57 Uhr
  3. Clemens schrieb:
    > Lieber sicherer Privatknast als
    > verbeamtete "Wir erledigen nur unseren
    > Job hier"-Mentalität.

    Dazu quote ich nur aus einem BBC Artikel:
    "... The company was severely criticised for wrongly releasing prisoners during the first few months of its contract. ..."

    Nachdem Ihre Arbeit dann jetzt nocheinmal begutachtet wurde duerfen sie auch wieder Ihren Aufgaben nachgehen. Aber von besser wuerde ich hier noch nicht sprechen.
    # 09. November 2004 - 10:29 Uhr
  4. Clemens schrieb:
    P.S. in meinem Quote geht es um eine andere privat gefuehrte Firma (Reliance) und nicht Serco.
    # 09. November 2004 - 10:30 Uhr
  5. beberlei schrieb:
    Naja aber bei so Sachen wie der Telekom merkt man, dass staatliche Unternehmen sich über Jahre hinweg wie die Made im Dreck gefühlt haben udn absolut keine gewinnorientierte Geschäftspolitik betrieben haben mit ihrem riesigen Verwaltungsapparat. Ein Privatunternehmen hätte da höchstwahrscheinlich wesentlich effizienter gehandelt...

    Bei einigen Sachen kann man das ßruhig machen find ich, da gehören sicherlich auch Gefägnisse zu, solange man halt genug staatliche Regulierung hat. Bei manchen Dingen geht es aber imho auch wirklich zu weit, wie das genannte Beispiel Bildung. Da sollte nicht mit dem "Kunden" experimentiert werden, zumindest nicht im Großen Stil. Wer will kann ja immernoch auf Privatunis ausweichen (wobei wollen auch mit dem Geldbeutel zutun hat).
    # 09. November 2004 - 10:58 Uhr
  6. Moe schrieb:
    "absolut keine gewinnorientierte Geschäftspolitik" finde ich sehr angemessen, wenn wir von *Strafvollzug* sprechen.. oder werden das etwa die neuen 1-euro-jobber? dann gäbs mal wieder zwangsarbeit in Deutschland. ist ja quasi auch eine form der rückbesinnung auf alte deutsche tugenden.
    # 09. November 2004 - 11:12 Uhr
  7. Martin schrieb:
    Warum gilt die hessische CDU eigentlich als Law&Order-Partei?
    In Spanien wurde jetzt ein extremistisches Rekrutierungsystem in den Gefängnissen entdeckt. Wie groß wäre die Chance, das ein privat geführtes Gefängnis eine solche Entdeckung verschweigen würde, aus Angst den Vertrag zu verlieren? Sehr hoch, würde ich annehmen.
    # 09. November 2004 - 17:34 Uhr
  8. Johny schrieb:
    Gefängnisse taugen meiner Meinung nach eher weniger zur Privatisierung,
    wir sollten doch eher mit dem Fernsehen anfangen!
    # 10. November 2004 - 13:21 Uhr

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