Gießen: Einkaufen ohne Videoüberwachung

30. Oktober 2004 - 13:59 Uhr - Moe
Videoüberwachung ist seit einigen Jahren auch in einer Kleinstadt wie Gießen immer mehr ein Thema. Beziehungsweise ist es das nicht, denn es werden einfach stillschweigend in immer mehr Geschäfte Videokameras reingehängt. Dies geschieht gewöhnlich, ohne ein Warnschild aussen an das Gebäude zu hängen. So hat man keine Chance sich zu überlegen, ob man sich dieser Überwachung aussetzen und das Recht am eigenen Bild sowie seiner Speicherung und Verarbeitung abtreten möchte. Wenn ich bei mir daheim die Straße runtergehe kommt erst ein kleiner Imbiss, dann ein türkischer Tante Emma Laden. In beiden befinden sich jeweils 3 Überwachungskameras, obwohl es sich um kleine Geschäfte handelt.
Natürlich kann man sich dem Panoptikum entziehen, indem man einfach die Geschäfte meidet, in denen videoüberwacht wird. Da nun aber zunehmend auch kleine Lebensmittelgeschäfte videoüberwacht werden ist ein Punkt erreicht, an dem der mündige Kunde hier nicht mehr über seine Kaufkraft, bzw die Entscheidung wo man einkauft, Einfluss nehmen kann (falls das denn jemals der Fall war). Die Aufnahme von Nahrung ist nun mal keine freiwillige Entscheidung, da man gezwungen ist, Nahrungsmittel einzukaufen. Dafür jedes mal aufs Land raus zu fahren, ist weder zeitlich noch finanziell machbar. Ausserdem kommt es mir auch nicht sehr ökologisch vor.
Momentan ist mir in Gießen ein einziges Lebensmittelgeschäft bekannt, in dem keine Videoüberwachung stattfindet: Plus-Markt, Neustadt 13 (Oswaldsgarten). Aber ich nehme an, daß es noch ein paar kleinere asiatische Läden geben müsste, in denen man auch ungefilmt Nahrung kaufen kann.
Mann kann jetzt natürlich wieder loslegen, wie albern oder paranoid das sei, und vielleicht ist es das auch. Vielleicht aber geht mir das aber wirklich so auf den Senkel, weil ich in meinem Leben noch nie Ladendiebstahl begangen habe (nichtmal als Teenager), aber jedesmal wenn ich mein Geld in einen Laden trage gefilmt und pauschal verdächtigt werde. Obendrein zahle ich als Kunden auch noch für den Überwachungsmist, welcher meine Persönlichkeitsrechte erheblich einschränkt. Das beste ist dann noch, daß diese Leute gar nicht in der Lage sind zu erklären, wie ihre Kameras denn nun konkret für mehr Sicherheit sorgen sollen, und was mit den Daten geschieht. Siehe meine Anfrage an McDonald's in Gießen: Mein Nachhaken, was denn nun tatsächlich mit den erhobenen Daten geschieht, wurde dann schlichtweg nicht mehr beantwortet. Ebenso meine Nachfrage, wieso sich ein bewaffneter, maskierter Täter an einer Videokamera stören sollte. Aber ich schweife ab, denn bei der Videoüberwachung in Geschäften geht's ja eher um Ladendiebstahl als um "Sicherheit".
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich lege jetzt im PlasticWiki eine Liste mit Geschäften in Gießen an, in denen nicht videoüberwacht wird. Wer hier in Gießen weitere Geschäfte kennt, kann diese gerne hinzufügen. Allzuviele werden es nicht werden, fürchte ich.

4 Kommentare:

  1. mas schrieb:
    Ich habe neulich in Ludwigsburg an einer eher kleinen Aral-Tanke im Außenbereich 10 Kameras für 5 Zapfsäulen gezählt. Das Dach war förmlich mit Kameras übersät. Die Aufnahmen, die mit derartigem Aufwand von Fahrzeug und Fahrer gemacht werden, müssen wirklich Hollywood-reif sein.
    # 30. Oktober 2004 - 15:18 Uhr
  2. alp schrieb:
    Gute Idee das. Könnte man auch für andere Städte machen. Und am besten, man spricht einmal mit dem Geschäftsführer des Ladens und erzählt von dieser Liste. Für den Fall, dass er/sie mit dem Gedanken spielt, in naher Zukunft eine Kamera zu installieren ;-).
    # 30. Oktober 2004 - 21:21 Uhr
  3. kitten schrieb:
    Musst mal in England oder -- noch besser -- Schottland einkaufen ;)

    Oder auch nur auf eine Restaurant Toilette gehen...
    # 03. November 2004 - 11:43 Uhr
  4. Matthias schrieb:
    Im Amiland ist es aber am Krassesten!
    # 10. Oktober 2005 - 19:29 Uhr

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