Inkompetente, fehlerhafte Erhebung von Studiengebühren in Gießen

22. Oktober 2004 - 12:24 Uhr - Moe
Nachdem die Uni Gießen meinen Widerspruch gegen das festgestellte Studienguthaben, welches mich ab diesem Semester gebührenpflichtig machen würde, über ein halbes Jahr nicht bearbeitet hat, blieb mir nichts anderes übrig als selber noch einmal nachzufragen, da bis Ende dieser Woche alle Studierenden rückgemeldet sein müssen.
Als ich am Montag deswegen in der Uni ankam, fühlte ich mich auf der Suche nach der AG Stugug (Studienguthabengesetz) fatal an den Anfang der Hitchhiker's Guide to the Galaxy erinnert. Das Büro in dem man die Fälle klären lassen kann, ist so gut versteckt, dass man es kaum finden kann: Als ich Montag ins den dritten Stock im Uni-Hauptgebäude hochlief hing dort vorm Studentensekretariat ein dickes Schild: Nur Kurzinfos, KEINE Stugugberatung oder Fallbearbeitung!
Was die Jungs die das Schild aufhängten aber nicht erwähnten: Geht man um die Ecke, dann kommt da eine ganz kleine versteckte Treppe, welche nochmals ein Stockwerk höher führt, und lediglich mit einem Schild auf dem "Wahlamt" steht versehen ist. Geht man diese hinauf, so findet man ganz am Ende eines langen Ganges zwei provisorisch eingerichtet Büros, in denen die AG Stugug sitzt. Weiterhin ein knappes Dutzend Studenten vor der Tür, also musste ich knapp 1 1/2 Stunden warten bis ich mal drankam. Vor der Tür stellten sich schon mal die Gründe heraus, aus denen die anderen Studierenden da waren: Entweder hatten sie trotz der Ankündigung nie einen Bescheid über ihr Studienguthaben von der Uni erhalten, oder ihre Widerpsrüche wurden, wie meiner, schlichtweg nicht bearbeitet. Die MitarbeiterInnen der AG Stugug scheinen weiterhin weder ans Telefon zu gehen noch Emails zu beantworten.

Als ich endlich dran bin, erklärt mir die "Sachbearbeiterin", sie ginge mal meinen Antrag holen. Nach 5 Minuten kommt sie wieder und meint, mein Antrag sei ja wohl ein Witz: Ich berufe mich ja lediglich darauf Pädagogik zu studieren. Das der Fachbereich völlig überlastet sei wisse sie auch, nur könne sie mir da so pauschal sicher kein weiteres Studienguthaben für geben, ich könne ja schliesslich auch in der Mensa gesessen haben, währen die anderen aus überfüllten Seminaren geflogen seien. Unklar ist mir bis heute, wieso also meint Antrag dann nicht abgelehnt und ich nicht benachrichtigt wurde. Statt dessen scheint das Ziel der Uni darin zu bestehen, es einfach "auszusitzen": Wer nicht kommt, das versteckte Büro findet, stundenlang wartet und fragt, kann dann eben nach Ablauf der Frist exmatrikuliert werden, nehme ich an.
Als ich erwähnte, dass ich bereits zur Prüfung gemeldet sei, sagte sie, damit könne ich eine Stundung der Gebühren erreichen, das sei vielleicht einfacher als an den Gebühren selbst bzw der Feststellung meines Studienguthabens gegen welches ich widersprochen hatte zu verhandeln. Ich müsse mir dazu ein Formular aus dem Web ausdrucken, und damit morgen wiederkommen. Das Formular befand sich auf dem Server der AG Stugug selbst, aber anscheinend war es notwendig mich heimzuschicken, damit ich es mir dort ausdrucke. Ich nehme an, damit der Uni keine zusätzlichen Kosten in Höhe von 5 cents entstehen.
Einen Tag später war ich mit dem ausgefüllten Formular, welches lediglich aus 2 Kreuzen und meinen Daten bestand wieder da, und wartete wieder knapp 1 1/2 Stunden vor den Büros der Sachbearbeiter der AG Stugug. Als ich dann endlich dran war, meinte der Typ, ja, das sei richtig ausgefüllt, und schickte mich in irgendeine Verwaltung weiter!
Mich da ein zweites Mal in das Stugu Büro zu bestellen war also eine reine Farce, und völlig unnötige Zeitverschwendung. Ob dies aus Unachtsamkeit oder aus Taktik der Sachbearbeiter heraus geschieht, vermag ich nicht zu sagen.
Als ich dann mit dem Antrag zur Stundung des Studiengebühren also dann endlich beim richtigen Verwaltungsmenschen war, ging das recht schnell und problemlos. Der gute Mann fragte explizit nochmal nach, wann denn meine Prüfungen vorbei sein würden. Auf dem Stundungsbescheid steht nun aber, dass er mir aus Versehen sogar noch ein Semester mehr Stundung bewilligt hat! Ich hab keine Ahnung, ob auch er es verpeilt und diese Uni damit nahtlos alles falsch gemacht hat, oder er einfach freundlich sein wollte. :-)
Also wurde ich dann rückgemeldet, mit dem Status ein gebührenpflichtiger Student zu sein, aber die Gebühren quasi gestundet zu bekommen, da sie ja jeder der vor dem WS 2005/2006 absolviert wieder zurück erhält.
Heute nun aber, nach meiner Rückmeldung und Gebühren-Stundung, finde ich ein Schreiben in meinem Briefkasten: Die Uni teilt mir mit, daß sie meinem ursprünglichen Widerspruch und Antrag stattgegeben habe, und ich dieses Semester gar nicht gebührenpflichtig sei!?! Das ist eine krasse Frechheit, diese &$%%$)%&%!!!!
Ich habe stundenlang vor diesem Stugug Büro gewartet, schon das war aufgrund falscher Aussagen der Sachbearbeiter zu guten Teilen unnötig. Bei korrekter Bearbeitung hätte ich einmal, und wenn mein Widerspruch gleich bearbeitet worden wäre, gar nicht kommen brauchen.
Mein Widerspruch aber wird einfach ein halbes Jahr nicht bearbeitet, und mir erst auf persönliche Anfrage erst mitgeteilt dass der ja ein Witz sei. Ich werde also zum gebührenpflichtigen Studenten erklärt, dem man die Kohle stundet. Und dann bekomme ich einen Brief, in dem steht dass mein Antrag doch richtig war und ich gar nicht gebührenpflichtig bin?!?
Die Uni hat in diesem Ablauf, welchen ich für sehr typisch halte, eindrücklich bewiesen:
  • - dass eine Ökonmisierung der Uni, ungeachtet der Konzeption, zum Scheitern verurteilt ist,
  • - dass selbst mit Bildung als Ware und Gebührenmodellen die Uni anscheinend nicht in der Lage ist, sich "angemessen" zu bereichern,
  • - dass Entscheidungen falsch, willkürlich und vor allem widersprüchlich gefällt werden,
  • - dass die zusätzlichen 50€ Verwaltungsgebühr, die jeder StudentIn eh zahlen muss, (insg. ca. 1000000€ zusätzlich pro Jahr) nicht in die Verwaltung fliessen,
  • - dass das Land Hessen sich nicht an Langzeitgebühren bereichern können wird, da die Uni diese absolut falsch und inkompetent erhebt.
Und ich muss nun ab Montag wieder stundenlang anstehen, und irgendwie meine Rückmeldung rückgängig machen, da sie unter eine falschen Prämisse erfolgt ist: Die haben mich als gebührenpflichtigen Studenten mit Gebührenstundung rückgemeldet, und mir dann zwei Tage später mitgeteilt, dass ich gar nicht gebührenpflichtig sei. Was eigentlich genau die Antwort ist, auf die ich ein halbes Jahr gewartet hatte. Ich muss nun rausfinden, wie ich das ändern kann was die versaut haben und als nicht-gebührenpflichtiger Student eingeschrieben werde. Vielleicht entscheidet die Willkür eines dritten Sachbearbeiters ja in der Zwischenzeit aber wieder, dass mein Antrag eben doch abgelehnt wird, so wie ursprünglich. Wer weiss das schon?
Ich glaube wenn ich wieder hingehe schenke ich denen einen Würfel.

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3 Kommentare:

  1. djo schrieb:
    Die Sache mit den nicht zugestellten Bescheiden habe ich ja am eigenen Leib erfahren müssen.
    Der zweite Akt, das Warten auf die Bearbeitung des Widerspruchs, kommt noch auf mich zu.
    Interessant fand ich damals ja, dass ich zwar keinen Bescheid bekam, jedoch die Aufforderung zur StuPa-Wahl...
    Immerhin hat man mir nicht auch noch die Wahl nehmen wollen.

    Btw: Die Sache mit dem Verwaltungschaos hat m.E. System - die denken sich, dass die sog. "Karteileichen" entweder zu "Untoten" mutieren oder aber im System verschwinden ohne langen Aufwasch.
    # 22. Oktober 2004 - 15:11 Uhr
  2. Hoss schrieb:
    An dieser Stelle ein Zitat von Hannah Arendt, das vielleicht nicht trösten kann, aber dem von dir geschilderten Szenario zumindest einen passenden Rahmen gibt:

    "Wir müßten heute diesen Grundformen [der Machtausübung] noch die jüngste und vielleicht furchtbarste Herrschaftsform hinzufügen, die Bürokratie oder die Herrschaft, welche durch ein kompliziertes System von Ämtern ausgeübt wird, bei der man keinen Menschen mehr, weder den Einen noch die Wenigen, weder die Besten noch die Vielen, verantwortlich machen kann, und die man daher am besten als Niemandsherrschaft bezeichnet. (Im Sinne der Tradition, welche die Tyrannis als die Herrschaft definiert, der man keine Rechenscahft abfordern kann, ist die Niemandsherrschaft die tyrannischste Staatsform, da es hier tatsächlich Niemanden mehr gibt, den man zur Verantwortung ziehen könnte. Ein Hintertreiben in solche Niemandsherrschaft kennzeichnet heute nahezu überall die politische Situation; es ist einer der stärksten Faktoren in der Rebellion, die um die Welt geht, und trägt viel zu ihrem oft chaotischen Charakter bei. Die Unmöglichkeit, die verantwortlichen Stellen auch nur zu ermitteln und den Gegner zu identifizieren, führt theoretisch zu jenen Verallgemeinerungen, in denen alles Partikulare verschwindet und die dann nichts mehr besagen, und in der Praxis zu einem Amoklaufen, das alles und vor allem die eigenen Organisationen vernichtet.)

    Hannah Arendt: Macht und Gewalt (1970)
    # 22. Oktober 2004 - 18:01 Uhr
  3. djo schrieb:
    Ich habe mal nachgerechnet, dass sich ein Widerspruch für mich eigentlich nicht lohnen würde. Dazu hätte die Diskussion um ein Teilzeitstudium früher beginnen bzw. die sog. Ausführungsbestimmung installiert sein müssen . Da ich seit dem zweiten Semester mind. 10-20 Stunden pro Woche gearbeitet hatte und kein BaFögempfänger war, jedoch regulär eingeschrieben war, kamen nämlich einige Semester zusammen. Die Übergangsregelung, um nachträglich ein Teilzeitstudium von 1999 - 2003/04 geltend zu machen, greift auch nicht - ab 2000/01 war ich selbständig, dh. nicht sozialversicherungspflichtig. Denke mal kaum, dass ich mir da selbst was ausstellen kann ...
    Bleibt mir auch allenfalls ein Antrag Stundung und das Warten auf den nächsten Meldetermin... *grrrr***
    # 26. Oktober 2004 - 19:16 Uhr

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