Am 19. August habe ich eine Antwort auf meine Anfrage bezüglich der Videoüberwachung im McDonald's in Giessen erhalten. Ich gebe sie hiermit ungekürzt, aber in anonymisierter Form wieder:
vielen Dank für Ihr Schreiben, welches ich als Betreiber des betreffenden Restaurants erhalten habe.
Ich weiß nicht, ob Giessen ein gefährlicher Ort geworden ist, ich weiß allerdings, dass mein Betrieb und meine Mitarbeiter in einer noch viel kleineren Stadt als der Kleinstadt Gießen, nämlich in Linden, bereits einmal nachts heimgesucht wurden und einmal mit Waffengewalt überfallen wurden.
Ihnen als angehender Psychologe muss ich nicht erklären, dass Mitarbeiter, denen Nachts eine Waffe an die Schläfe gehalten wird, mit diesem traumatischen Erlebnisunter Umständen längere Zeit zu tun haben und es verständlicher Weise vorziehen, keine Spätschichten mehr zu machen. Sollte dies allerdings zur Regel werden, kann ich in Zukunft meine 4 Betriebe bei Einbruch der Dunkelheit schließen.
Dass dies nicht unserem Kundenauftrag entspricht ist auch wiederum verständlich.
Deshalb habe ich mich entschlossen, beginnend mit unserem größten Betrieb, die Restaurants per Videoanlage präventiv zu überwachen um im Bedarfs- und Notfall den Vorgang nachvollziehen und entsprechende Schritte einleiten zu können.
Entsprechende Schilder an den Türen sind bereits seit längerem in Auftrag gegeben und werden bei Eintreffen angebracht.
Mit freundlichen Grüßen
Ich stelle fest, daß sich der Verfasser der Mail anscheinend meine Homepage angesehen hat. Leider hat seine Zeit oder seine Kompetenz nicht ausgereicht um zu erkennen, dass ich weder angehender Psychologe bin, noch dies zu irgendeinem Zeitpunkt werden wollte. Richtig ist, dass ich als Student der Pädagogik im Grundstudium bis zum Vordiplom Psychologie als verpflichtendes Nebenfach hatte - aber lassen wir das mal beseite da es nicht wirklich von Belang ist.
Meine Antwort: Sehr geehrter Herr xxx,
vielen Dank für Ihre Antwort. Bislang komme ich anhand Ihrer Ausführungen zu dem Schluss, dass McDonald's-Restaurants im Kreis Giessen anscheinend in der Tat ein ungleich gefährlicherer Ort als andere Imbiss-Restaurants zu sein scheinen, wobei die Art und Weise der vorgenomenen Videoüberwachung für die Gäste dennoch intransparent bleibt. Unklar ist jedenfalls was mit den Daten geschieht, und wieso die Lieferzeit eines Hinweisschildes länger als die Lieferung und Installation einer kompletten Videoüberwachungsanlage dauert.
Bezüglich ihres Hinweises auf Traumatisierung und Prävention möchte ich Sie darauf aufmerksam machen, daß videoüberwachte Orte im allgemeinem maskiert überfallen werden. Ich frage mich, ob es eine statistische Daten-Grundlage dazu gibt welche Sie herangezogen haben, um diese für sie ja bestimmt recht kostspielige Entscheidung einer massiven Videoüberwachung sinnvoll zu begründen. Da sie an mein Studium der Psychologie (im Nebenfach!) apellieren weise ich hiermit darauf hin, dass mir sehr wohl Studien dazu bekannt sind, dass sich rechtschaffene Personen wie Ihre Mitarbeiter sowie Ihre Gäste anders, eingeschränkter oder norm-konformer verhalten werden, wenn sie annehmen (durch eine Kamera) beobachtet zu werden. Inwieweit dies auf maskierte, bewaffnete Straftäter mit der Absicht eines Raubes zutrift, ist mir nicht bekannt.
Leider wurden einige Fragen meines vorherigen Schreibens durch Ihre Email nicht beantwortet, weswegen ich hier noch einmal die bislang unbeantworteten Fragen wiederhole:
- Werden die Videokameras "live" von Sicherheitspersonal überwacht, welches die Monitore beobachtet? Falls ja, von wem, und wer hat zu diesen Monitoren Zugang?
- Werden die Videoaufzeichnungen gespeichert? Wenn ja, wie lange und wo? Werden die Daten lediglich direkt im Lokal gespeichert, oder über Computernetzwerke transportiert und an einem anderen Ort gespeichert? Wer hat zu den Aufzeichnungen Zugang?
- Wie hoch sind ungefähr (Grössenordnung) die damit verbundenen Kosten, ein Lokal komplett mit Videokameras auszustatten und fortan zu überwachen (Personal- und Materialkosten)? In wieweit werden diese Kosten über die Produkt-Preise an die Kunden weitergegeben?
Mit freundlichen Grüssen,
Ansonsten nahm sich der hessische Datenschutzbeauftragte mal der Sache an und leitete die Anfrage, da es darin um eine Frage des Datenschutzes im nicht-öffentlichen Bereich geht, an das Regierungspräsidium in Giessen weiter. Dieses wird nach eigenem Bekunden die korrekte Durchführung des Bundesdatenschutzgesetzes überprüfen. Interessanterweise schicken die sämtliche Schreiben in Form von RTF-Dokumenten als Email-Anhang.
Videoüberwachung: Antwort von McDonald's
21. August 2004 - 11:54 Uhr - Moe17 Kommentare:
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Wußte nicht, daß es dort überhaupt ein McD gibt...
Gute Antwort, Moe. Ich bin gespannt, was da noch kommt.
Kameraüberwachung ist aber nicht nur eine zivilrechtliche Sache, sondern es wird auf Antrag auch der Staatsanwalt aktiv.
Deine Renitenz in dieser Sache gefällt mir. Bei uns am Fachbereich arbeiten auch ein paar Leute zum Thema. Siehe auch links-netz.de
die einzelnen Filialen von Donald's-MC gehören fast immer nicht zusammen sie erhalten nur Futter und Promo von Donald's-MC.
Wie ich unter http://weblog.plasticthinki... schon schrieb, gibt es Restaurants, die von Franchisern betrieben werden und solche, die von McDonalds selber betrieben werden. Hier handelt es sich offenbar um einen Franchiser.
Ob McDonalds München allerdings Maßnahmen, die derart tief in die Persönlichkeitsrechte von Kunden eingreifen, toleriert, ist durchaus eine Frage, die man noch etwas deutlicher stellen könnte. Offenbar wurde zunächst nur Moes Mail an den Franchiser weitergeleitet.
das sehe ich nicht so: bei den meisten kameras kann man nicht sehen wohin sie filmen da sie in einer schwarzen kuppel sind, die beobachtung ist apersonal da man nicht weiss wer die bilder sieht oder speichert, sie geht nur in eine richtung da der beobachtete seinen beobachter (im gegensatz zu einem wachmann) nicht sieht, kameras können im ernstfall selbst nicht ins geschehen eingreifen, ausserdem können und werden die bilddaten zunehmend mittels automatischer gesichtserkennung und ähnlichem ausgewertet. das wären mal so die unterschiede dir mir auf anhieb einfallen. man weiss weder *wer* einen beobachtet, noch *wann*, noch was mit dem bildmaterial geschieht, und helfen kann die kamera in der situation auch nicht.
hat es immer für eine Erwähnung in einer Laudation (Regionalpreis: Videoüberwachung an der UniGH Paderborn, http://www.bigbrotherawards...) gereicht: "[..] Ein Gießener McDonald’s-Restaurant hat nun auch Videoüberwachung, damit man gleich weiß, dass das hier ein besonders gefährdeter Ort ist. Wenn also das Gangsterpärchen „Honey Bunny und Pumpkin“ aus dem Film „Pulp Fiction“ hier einen bewaffneten Raubüberfall veranstalten möchte, sollten sie zur eigenen Sicherheit lieber eine Maske tragen. [..]"
die einzelne kamera kann keine(schwer-) verbrechen verhindern-
aber es gibt immer genügend leute die das glauben und dafür bezahlen ,so oder so.
die meisten gewalttaten werden im stillen begangen ,
gewalt an ehefrauen,kindern usw.
computerkriminalität(z.b phishing) hilft da eine kamera! absolut nö.
vorsicht ironie
die hemmunglose datensammelei erinnert mich an messies,nur rational und vor allem finanziell total gut abgefedert und fast nicht angreifbar:
"wir wollen die strassen sicher und das einkaufen einfach machen..!"
wer möchte das nicht; ausser ein paar antidemokratischen und der
wirtschaft im weg stehenden verbrecherunterstützenden
fundamentalgrundgesetzlern ;-)
die kameras sind wie tampons solange man/frau kein akutes toxisches schocksyndrom bekommt ist alles in ordnung