Man korrigiere mich wenn ich mich irre: Zwar halte ich von der neuen Rechtschreibung persönlich nicht viel, aber wir haben sie nach einem langem Entscheidungsprozess nun seit einigen Jahren. Sollte man nun Verlagen das Recht einräumen, sich davon zu verabschieden? Schwierig finde ich dass insofern, da es die Meinung einiger Medienmacher zu sein scheint, das mal eben so nach Gutdünken umsetzen können. Dass man überhaupt Vorschriften zur Rechtschreibung ändern und durchsetzen kann ist ja schlimm genug. Ob man dies aber den Interessen einiger weniger grosser Verläge überlassen sollte, sei mal dahingestellt.
Springer, der SPIEGEL und die "Süddeutsche Zeitung" wollen dem Beispiel der FAZ folgen und zur alten Rechtschreibung zurückkehren. SPIEGEL-Chefredakteur Aust sagt dazu folgende höchst bemerkenswerte Sätze: Es kann nicht angehen, daß eine kleine Gruppe von Experten eine Neufassung der deutschen Sprache beschließt, ohne zu berücksichtigen, ob die Bevölkerung das eigentlich will oder ob es notwendig ist. Wir würden diesen Schritt, raus aus der Reform, nicht machen, wenn wir den Eindruck hätten, daß die Mehrheit der Bevölkerung mit der neuen Rechtschreibung zurechtkommt und sie akzeptiert. Aber die Mehrheit der Bevölkerung will die Reform nicht. Insofern ist unser Schritt ein Signal - dafür, daß wir nicht alles mit uns machen lassen! Ein Akt des zivilen Ungehorsams.
Er bedient sich hier also schlichtweg desselben Prinzips, welches er ablehnt: Er meint, für die Meinung des Volkes eintreten zu müssen. Dabei hat er sich nicht die Mühe gemacht mal zu fragen, sondern schlichtweg ein Bedürfnis konstruiert: Er sagt mal eben dass die Leute mit der neuen Rechtschreibung nicht klarkommen, und er deswegen der edle, zivil-ungehorsame Mensch sei, der all diese Leute retten würde.
Es mag sein, dass der klassische Käufer eines Spiegel Print-Magazins oder der FAZ da ähnliche Werte vertritt, und insofern kommen die Verläge damit vielleicht ihrer immer älter werdenden Zielgruppe entgegen. Reichlich irritierend mutet es zumindest an, die Debatte letztendlich durch (wirtschaftliche? journalitische?) "Macht" statt durch Konsensfindung lösen zu wollen. Wobei hier die Fahne immer schön im Wind hängt - so sah der "zivile Ungehorsam" des Spiegels zunächst so aus: Wir haben gedacht, wenn alle die Reform mitmachen, dann können wir nicht zurückbleiben. Wir können nicht die einzigen sein, die bei der alten Rechtschreibung bleiben. Als Laie würde ich mal annehmen, als grosses Medienprodukt muss man immer bis zu einem gewissen Grade affirmativ sein, um seine Zielgruppe zu behalten und sich gegenüber der Konkurrenz behaupten zu können.
Wenn sich diese nun zusammenschliesst stellt sich natürlich die Frage, ob wir uns von denen die Rechtschreibung diktieren oder hin- und her ändern lassen sollten. Gerade mal so nach Wirtschafts- oder Konkurrenzlage.
Rechtschreibreform im Sommerloch
08. August 2004 - 13:39 Uhr - Moe4 Kommentare:
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>Umfragen zufolge haben zwei Drittel der
>Bevölkerung die Rechtschreibreform nie
>akzeptiert, nur dreizehn Prozent wollen
>sie beibehalten.
>Daß so viel Zeit verstrichen ist, ist
>in der Tat verblüffend - aber jetzt ist
>eben das Datum nah, an dem die neue
>Regelung verbindlich würde, August
>2005, und da sind alle hellhörig und
>wach geworden. Es ist dem Ganzen
>vielleicht zu lange zu wenig Beachtung
>geschenkt worden. Aber es ist ja gerade
>noch rechtzeitig.