Dekonstruktivistische Hyperlinks?

17. April 2003 - 23:58 Uhr - Moe
Soeben habe ich bei ctheory.net den Artikel Why the Web Will Win the Culture Wars for the Left: Deconstructing Hyperlinks von Peter Lurie gelesen. Etwas anstrengend zu lesen, wie das bei dem Zeug nun mal so iss 8-) aber höchst interessante Gedanken, auch wenn ich einigen letztendlichen Schlussfolgerungen nicht zustimmen kann.
Hier mal ein paar meiner Ansicht nach interessante Textstellen:The architecture of the web, and the way users navigate it, closely resembles theories about the authority and coherence of texts that liberal deconstructionist critics have offered for thirty years. Deconstructionists believe that close analysis reduces any text -- novel, statute, religious work -- to meaningless blather.
...
Unlike reading or breathing, however, surfing mimics a postmodern, deconstructionist perspective by undermining the authority of texts.
...
A person engages the web in much the same way that a deconstructionist critic approaches a text. Deconstruction, which denotes a process rather than a belief system, shows how novels, statutes and court opinions collapse upon themselves, making their underlying assumptions absurd. For the deconstructionist, each text is endlessly referential, a web of associations and connections that is finally ambiguous.
...
There is every reason to believe, however, that the Web will subvert conservative thought even if conservatives themselves browse friendly terrain, from family.org to heritage.org to fed-soc.org. The content available online is much less important than the manner in which it is delivered, indeed, the way the Web is structured. Its influence is structural rather than informational, and its structure is agnostic.
Meiner Ansicht nach viel zu optimistisch gedacht und viel zu sehr an der Technik fest gemacht. Das Lesen von tief ineinander verlinkten Texten und Websites hat keinen Effekt an sich. Ausserdem sind die ganzen wirklich grossen, kommerziellen Sites nie sonderlich tief ineinander, oder in andere Sites verlinkt, und hat das hat Gründe. Zumindest hierzulande. Und somit spielt die Macht des realen Marktes eine gewichtige Rolle für die emprisiche Verteilung der Nutzung von Online-Ressourcen. Die allermeisten Menschen hängen auf den allergrössten, allerschlechtesten Sites rum. Da kann auch HTML nix dran ändern. Oder..?

3 Kommentare:

  1. Benjamin Heitmann schrieb:
    Mensch Moe, cooler Artikel!

    Aber ich werde für meinen Kommentar ein bisschen länger aushohlen.Weil eigentlich sollte ich gerade mal wieder auf eine Informatik Klausur lernen. Das Wetter ist auch wieder phantastisch und die Frauen minimieren die Fläche ihrer Kleidung aggresiv.

    Und ich muss in der Bude verrotten. Deswegen kann ich den gelinkten Artikel auch nicht ganz durchlesen. Das werde ich aber bald nachhohlen.

    Also zum Artikel:
    Das die meisten "Consumer" auf den gleichen Webseiten abhängen wissen wir aus mehreren Statistiken, korrekt. Beliebt sind demnach ja in den USA die Startseiten von AOL, YAHOO und MSN und so.

    Aber ich glaube der Artikelschreiber will gar nicht auf die Konsumentenmasse an sich eingehen, sondern einfach die Herangehensweise an Verlinkte Texte. Also nicht wer und wo du bist, sondern einfach nur wie du vorgehst. Und wenn man also von einer Startseite etwa auf einen BörsenArtikel klickt, den liest und dann auf die Themenübersicht aller Börsenartikel klickt, kann ich mir vorstellen, das das insofern einen dekonstruktivistschen Schritt darstellt, als das man sich davon überzeugt hat das es mehr als nur einen Artikel über die Börse gibt, und das man sich selbst einen Überblick über die wichtigkeit schaffen will.

    Aber hey, ich werde nochmal drüber meditieren. Jedenfalls, eine ganz wichige Sache bei den Dekonstruktivisten: Da muss man ein bisschen aufpassen, die machen manchmal auch sehr merkwürdige Sachen:

    Hier ein lustiges Fragment aus dem LateNight Schocker "Systhemtheorie, Dekonstruktion und Medientheorie", von Oliver Jahraus, Seite 101:

    "Wenn ich also zwischen Identität und Differenz differenziere, habe ich wiederum eine dieser Differenz vorausgehende Differenz, nämlich die Differenz zwischen der Identität von Differenz und Identität und der Differenz zwischen Differenz und Identität. Das lässt sich in einem Infiniten Regress fortsetzen:

    ?
    I - D
    I - D I - D
    I - D I - D I - D "
    # 18. April 2003 - 10:49 Uhr
  2. Moe schrieb:
    hihi, LateNight Schocker iss gut! 8-)
    und das Zitat am Ende in der Tat ein Brain-Teaser. Aber das stimmt, man muss den Konstruktivismus, Dekonstruktivismus und den ganzen postmodernen Kram sowieso stets kritisch lesen und darf nicht alles gleich für bare Münze nehmen. Nur ist das manchmal leichter gesagt als getan, weil sie sich hinter diesen wahnsinnigen Sprachspielen verstecken =)
    Und ich tu mich nach wie vor schwer zu glauben, dass die Art der kritischen Herangehensweise *in den Texten selbst* steckt.. Aber auch ich muss da auf jeden Fall noch mal drüber schlafen und vor allem mehr dazu lesen. Vielleicht sollte man zu dem Thema mal irgendwo eine kleine Dikussionsrunde für Interessierte (Verrückte 8-) starten..?
    # 18. April 2003 - 17:32 Uhr
  3. Benjamin Heitmann schrieb:
    ja, wenn es noch mehr leute gibt die bock drauf haben sich mit so wirren aber trotzdem irgendwie fasznierenden gedanken zu beschäftigen könnte man da irgendwas an den start bringen.

    (aber erst nach mittwoch, ab da habe ich nämlich echte semsterferien.. genau 3 tage oder so :( dann geht ja das sommersemester los
    # 18. April 2003 - 20:17 Uhr

Kommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.

Kommentieren:

:

:
: