Andrea Livnat schreibt in Telepolis über Google-Bombing (siehe hierzu auch die Netzeitung vom 15.7.2003: 'Google mit den eigenen Waffen schlagen'), und stellt fest dass derartige Aktionen mehr Schaden als Nutzen anrichten würden. Im aktuellen Fall ging es darum, dass durch ein Google-Bombing die Suchergebnisse für den Begriff "Jew" geändert wurden, da dieser als erstes Suchergebnis auf eine antisemtische Site verwies (siehe ebenfalls in der Netzeitung: 'Blogger ändern Nazi-Suchergebnis bei Google'). Weiter heisst es bei Frau Livnat: Völlig unverständlich sind mir auch die Anschuldigungen gegen die Betreiber von Google, die sich weigerten die Ergebnisseite zu verändern. Ja G'tt sei Dank! Wo kämen wir denn da hin, wenn uns Google zensierte Ergebnisse liefern würde, manch einer regt sich ja schon über die gesponserten Links auf und hält sie für eine grobe Verletzung der Neutralität. Wie könnte man denn entscheiden, in welchem Falle es vertretbar sein wird, das Ergebnis zu zensieren und wann nicht? Das ist Aufgabe einer Redaktion, eine Zeitung, ein Radio- oder Fernsehsender ist für seine Inhalte verantwortlich. Google ist ein Tool, um sich im Internet zurechtzufinden, nicht mehr, aber auch nicht weniger. Hierzu gebe ich folgendes zu Bedenken: Google ist permanent Manipulationsversuchen von Suchmaschinenoptimieren, -Spammern und anscheinend auch politisch motivierten Usern ausgetzt. Eine Verzerrung der Suchergebnisse findet also permanent statt. Weiterhin haben auch die Betreiber von Google in der Vergangenheit mehrfach in Suchergebnisse eingegriffen, und diese können sich auch je nach Land von dem aus gesucht wird selbst bei einer internationalen Suche über alle Seiten unterscheiden. In der Vergangenheit wurden auch bereits Scientology-kritische Sites aus Google entfernt, siehe Wired.com vom 21.3.2002: 'Google Yanks Anti-Church Sites'. Google äussert sich ziemlich wenig zu ihrem Vorgehen in dieser Richtung, also was wann, wo und wielange zensiert wird, aber es kam immer wieder zu Fällen wo direkt in den Google-Index durch die Betreiber eingegriffen wurde. Was wahrscheinlich auch ihr gutes Recht ist, egal ob man es nun mag oder nicht.
Sicher, man kann sich über den Sinn und Unsinn von Google-Bombs als Reaktion auf derartige Umstände streiten. Was daran schädlich sein soll wenn einige Blogger bei der Manipulation mitmischen, ist mir dennoch nicht direkt klar.
Schädlicher Googlebomb-Aktivismus?
12. April 2004 - 14:38 Uhr - Moe4 Kommentare:
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- der Wikipedia-Artikel ist unzureichend. Wer ihn liest, wird weiter suchen müssen und stößt dann auf die Nazi-Seiten.
- Alles bezieht sich nur auf einen Artikel [logisch: sonst würde es nicht funktionieren]. Damit gerieten wichtigere Texte wie von haGalil in den Schatten.
- Man muß schon exakt "Jew" eingeben, um erfolgreich zu Wikipedia zu kommen. Alle anderen Möglichkeiten treiben den Nazis wieder in die Hände.
- Letztlich ist das auch eine Manipulation eines eh schon zu sehr manipulierten Mediums.
Einmal ausgehend von der fiktiven Schülerin, die einen Aufsatz über Auschwitz schreiben muß. Sie _wird_ früher oder später Internet-Recherche betreiben, und, Google-Bombing oder nicht, sie wird dabei auch auf Naziseiten stoßen.
Ich glaube auch, daß die Aktion letztlich harmlos ist, und der Wikipedia-Artikel ist tatsächlich nur 'ästhetisches Beiwerk'. Livnack scheint aber zu meinen, daß das versehentliche Anklicken von Naziseiten automatisch schon kontaminieren könne und deshalb die Hinlenkung auf Wikipedia - die doch so leicht daneben gehen kann - geradezu schädlich sei, leuchtet mir nicht ein.
Verständnis habe ich für das Manipulationsargument, und zwar mit dem einzigen vernünftigen Vorschlag: daß es wichtiger sei, die Textmasse, die sich (antifaschistisch) mit der jüdischen Kultur auseinander setzt, damit die arme Schülerin mit ihrem Aufsatz nicht auf dem Trockenen bleibt. Daß man also durch kritische Textarbeit (im Internet) ein reales Übergewicht gegen die Nazis schafft, das auch Google als solches auswerten muß.