Uni Kassel: Exmatrikulationen steigen um über 1600% an

24. März 2004 - 14:30 Uhr - Moe
Die Studiengebühren der Landesregierung zeigen Wirkung: An der Uni Kassel haben sich zum kommenden Sommersemester 952 Studierende exmatrikuliert, im Sommersemester des Vorjahres waren es 59. [via Unik]

Wir können also mit Fug und Recht behaupten, dass wir dank Studiengebühren mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit, und weniger Menschen in die Unis bekommen.

20 Kommentare:

  1. OnisanT schrieb:
    Das können wir wohl... Wenn das mal nicht das eigentliche Ziel war.
    # 24. März 2004 - 14:36 Uhr
  2. Joern schrieb:
    Wer sagt, das diese Leute in die Arbeitslosigkeit gewandert sind?
    # 24. März 2004 - 14:56 Uhr
  3. Moe schrieb:
    Das ist meine Unterstellung. Was aus denen geworden ist wird sich erst rückwirkend zeigen wenn irgendwelche Untersuchungen rauskommen. Aber stimmt schon, vielleicht haben ein paar Leute ohne ihren Abschluss ja auch noch den einen oder anderen Hilfsarbeiter-Job bekommen ;)
    # 24. März 2004 - 14:58 Uhr
  4. ixy schrieb:
    Sehe ich nicht ganz so.
    Vielleicht ist auch ein Großteil darunter, denen jetzt das Geld zu schade ist, weiter mal so "auf Student zu machen".

    Jedenfalls finde ich die Aussage da oben zu absolut.
    # 24. März 2004 - 14:58 Uhr
  5. Moe schrieb:
    wenn die zahlen derartig ansteigen dann also nur weil das alles faule säcke sind...? genau das ist es, was uns die landesregierung erzählen will und was ich mich weigere zu glauben.
    ich persönlich kenne glaube ich gerade mal 1 bis 2 leute die nur wegen dem semesterticket eingeschrieben waren. Jedenfalls denke ich nicht dass diese relativ geringe quote irgendetwas mit dem hessischen haushaltsloch zu tun hat. ebensowenig denke ich, dass dadurch die absolut krassen exmatrikulationswellen welche gerade an allen hessischen hochschulen auftreten zu erklären sind.
    # 24. März 2004 - 15:02 Uhr
  6. Moe schrieb:
    ausserdem, wegen "geld zu schade": als student lebt man ja nicht gerade in saus und braus.
    # 24. März 2004 - 15:16 Uhr
  7. Presskopp schrieb:
    solche zahlen könnten natürlich auch folgende fragen aufwerfen: "welchen wert hat bildung?" bzw. "wieviel ist einem seine eigene bildung wert?".
    # 24. März 2004 - 16:29 Uhr
  8. René schrieb:
    'weiter mal so "auf Student zu machen"'

    Die CDU-Gehirnwäsche wirkt!
    # 24. März 2004 - 17:34 Uhr
  9. Goncourt schrieb:
    Wahrscheinlich werde auch ich mich exmatrikulieren - mein Studiengang Geschichte (Fernuni Hagen) wird mehr oder weniger aufgelöst, trotzdem soll ich 325,- zahlen. Durch meine Arbeit dauert mein Studium nunmal länger...

    Es ist ganz schön anstrengend, mal eben "auf Student zu machen".
    # 24. März 2004 - 19:56 Uhr
  10. Presskopp schrieb:
    Also ich überlege mir gerade, ob ich aus Protest ein Semester oder zwei dranhängen soll. Ist jedenfalls besser, als sich demonstrierenderweise seine Tentakel abzufrieren... ;o)

    Aber wahrscheinlich kann man überhaupt nicht genug Bahn fahren um die Kosten (Geld und die verschwendete Zeit) wieder wett zu machen -- ausser man klaut sich noch den Strom fürs Laptop aus einer Zugsteckdose.
    # 24. März 2004 - 20:27 Uhr
  11. Ulrich schrieb:
    Die Schlußfolgerung "Wir können also mit Fug und Recht behaupten, dass wir dank Studiengebühren mehr Menschen in die Arbeitslosigkeit ... bekommen" ist in dieser Absolutheit völlig unsinnig, im Kommentar schreibst Du ja selbst, daß es einfach nur eine Unterstellung ist.

    Ohne fundierte Zahlen, warum und nach welcher Studienbiografie sich diese Leute exmatrikuliert haben, kann man hierzu keine sinnvolle Aussage treffen, in welcher Anzahl Eingeschriebene, die tatsächlich ein Studium abschließen wollen, betroffen sind.
    Solche Fälle wird es sicher geben, in welcher Zahl, muß herausgefunden werden, da diese die echten Härtefälle sind, die dann wiederum Unterstützung benötigen, um ihr Studium zu Ende führen zu können.

    Daneben wird es aber auch andere Fälle geben. Zum Beispiel, diese Möglichkeit, die ökonomisch gesehen ohne Studiengebühren so sinnvoll ist, daß es kaum vorstellbar ist, daß sie nicht von Vielen genutzt wird:

    Man hat sein Studium beendet und hat noch keinen Job, ausser evtl. dem Studentenjob. Man meldet sich beim Arbeitsamt als "Arbeitssuchend". Gleichzeitig schreibt man sich für ein Zweitstudium ein. Vorteil: Man bekommt das Semesterticket und kann in der Mensa günstig essen. Für einen Arbeitssuchenden Ex-Studenten finanziell sehr attraktiv.
    Alleine der Vorteil des Semestertickets wird sich sogar für viele Leute rechnen, die Abitur haben, aber nie studiert haben und das auch künftig nicht wollen.

    Das Beispiel für Kassel:
    Semesterbeitrag inkl. Semesterticket: 159 Euro, also pro Jahr 318 Euro
    Monatskarte NVV Erwachsene ohne Ermässigung: 29,50 - 164,50 Euro
    Das macht für 12 Monate: 354 - 1974 Euro
    Jährliche Ersparnis: 36 - 1656 Euro

    Wegen 36 Euro jährlicher Ersparnis wird kaum jemand den Aufwand auf sich nehmen, aber um 1000 Euro oder mehr zu sparen? Rechne mal aus, welche Bruttolohnerhöhung Du als Arbeitnehmer bekommen müsstest, um das zu netto zu bekommen.
    # 24. März 2004 - 22:53 Uhr
  12. Moe schrieb:
    unabhängig von der tatsächlichen zahl ist aber schon davon auszugehen, dass sich nun eine gewisse zahl studenten die sich ematrikulieren arbeitslos melden wird. ob die anzahl der neueinschreibungen an universitäten erhöhen wird bleibt abzuwarten.
    # 24. März 2004 - 23:01 Uhr
  13. Moe schrieb:
    nebenbei kann auch mit dem zukünftigen gebührenmodell jeder der möchte mindestens 12 semester bus fahren ohne auch nur einen schein zu machen.
    was deine ökonomische rechnung angeht, sie ist von daher falsch, dass die verkehrsbetreiber das semesterticket durchaus durchgerechnet haben! meinst du, die verschenken da was? sie verdienen an jedem studi mit der läuft fahrrad oder auto fährt und nicht schlau genug ist den beitrag fürs rmv ticket sich irgendwie rückerstatten zu lassen.
    # 24. März 2004 - 23:04 Uhr
  14. sonya schrieb:
    Wenn die Landesregierung wenigstens so ehrlich wäre zuzugeben, daß das Land so pleite ist, daß es auf jede Geldquelle angewiesen ist, die bislang noch nicht angezapft wurde. Dann würden die 500 Euro, die ich am Wochenende überwiesen habe, zwar immer noch weh tun, ich müßte diesen Monat immer noch Überstunden machen, um die Kohle wieder reinzukriegen, aber dann bliebe mir wenigstens das Märchen von den bösen Langzeitstudenten erspart.
    # 24. März 2004 - 23:06 Uhr
  15. Ulrich schrieb:
    Moe, die Studenten, die ihr Studium tatsächlich zu Ende führen wollen und durch die Studiengebühren gezwungen werden, es aufzugeben, sind die Härtefälle. Deren Zahl gilt es zu ermitteln und hier fände ich es gerecht und sinnvoll, über Härtefallregelungen eine Weiterführung zu ermöglichen. Das erfordert dann eine Einzelfallregelung, die sicher auch wieder einige Kosten verursacht.

    Genau die Frage, was "eine gewisse Zahl" ist, ist zu prüfen.

    Die ökonomische Rechnung habe ich aus der Sicht des einzelnen Nutzers aufgestellt: Wenn ich mit geringem zeitlichen Aufwand pro Jahr 1000 Euro sparen kann, rechnet sich das für mich. Warum soll ich mich dann nicht pro Forma einschreiben, wenn ich die Möglichkeit dazu habe?
    Für die Verkehrsunternehmen rechnet es sich natürlich über die Mischkalkulation, das habe ich nicht bestritten und das war auch gar nicht mein Ansatz.

    Solange es keine Schein-Nachweispflicht gibt, kann man mit Abitur in der Tat immerhin sechs Jahre günstig fahren. Das behalten wir jetzt aber für uns. Man will ja keine schlafenden Hunde wecken ;-)
    # 24. März 2004 - 23:22 Uhr
  16. Moe schrieb:
    mir wäre es, wenn es denn schon gebühren gibt, deutlich lieber wenn diese an irgendeine form des scheinerwerbs und nicht auf die stumpfe semesterzahl-regelung anknüpfen würden, Ulrich.
    wegen der kalkulation die du vom einzelnen nutzer aus aufstellst; ich sehe da einfach nicht wem da denn ein direkter grösserer finanzieller schaden bei entsteht?
    tatsache ist, dass sich die mittelzuweisungen für die hochschulen nach den studierendenzahlen richten. die unis bekommen jetzt also noch weniger geld dafür, dass mehr studierende zahlen müssen. ich finde das abstrus, gelinde gesagt.
    # 24. März 2004 - 23:26 Uhr
  17. Ulrich schrieb:
    Die Regelung nur auf die Semesterzahl abzustellen, finde ich auch nicht sinnvoll. Ich hätte übrigens auch zahlen müssen, mitten im Diplomstress, was den Unsinn solcher Regelungen zeigt.

    Ein ökonomischer Schaden entsteht den Verkehrsbetrieben, sobald Jemand statt bspw. 100 Euro im Monat 59 Euro im alle 6 Monate (Kassel) zahlt, das ist doch klar. Ob dieser Schaden, gemessen an den Gesamteinnahmen, in relevanter Größe ist, kann ich nicht sagen. Jetzt unterstelle ich aber mal, das der Schaden nicht wirklich groß ist.

    Der Schaden war auch nicht meine Überlegung. Es ging mir lediglich darum, zu zeigen, das es durchaus für den einzelnen sinnvolle Gründe geben kann, sich einzuschreiben, nur um daraus finanzielle Vorteile zu ziehen. Diese Leute werden sich jetzt nicht mehr einschreiben, da der Vorteil wegfällt. Damit kann man aber andererseits nicht mehr ohne genaue Prüfung sagen, wie viele Studenten wirklich betroffen sind.

    Die Universitäten haben natürlich durch höhere Mittelzuweisungen durch solche "Nur-Semesterticket-Studenten" profitiert. Auch hier ist ganz streng genommen ein Schaden zu Lasten der öffentlichen Haushalte entstanden. Aber auch das war nicht mein Ansatz.

    Es geht nur darum: Wie viele der 952 Exmatrikulationen sind wirklich Betroffene im engen Sinn? Wie viele werden gehindert, Ihr Studium abzuschließen? Und wie wird diesen Leuten geholfen? Gibt es Regelungen, gibt es Planungen?
    Die anderen haben eben Pech, daß es eine legale, aber so nicht gewollte Geld-Spar-Möglichkeit nicht mehr gibt.
    # 24. März 2004 - 23:45 Uhr
  18. OnisanT schrieb:
    "Wenn die Landesregierung wenigstens so ehrlich wäre zuzugeben, daß das Land so pleite ist, daß es auf jede Geldquelle angewiesen ist, die bislang noch nicht angezapft wurde."
    Das sehe ich genauso. Ich bin zwar noch weit von Gebühren entfernt (und in NRW), aber trotzdem finde ich es gradezu lächerlich, dass die Gebühren zu 90% bzw. 100% in NRW an den Landeshaushalt gehen, während die Unis die Verwaltung bezahlen müssen. Alleine dadurch entstehen Kosten, die von den eigentlichen Aufgaben der Unis abgezapft werden müssen. Wenn wenigstens die Verwaltung bezahlt würde und die Länder zugeben, dass sie das Geld brauchen, und dass es nicht um Langzeitstudenten, Scheinstudenten und ähnliches geht, sondern nur um Geld, würde man sich wenigstens nicht ganz so verarscht vorkommen. Und die nicht-studierende Öffentlichkeit würde das zur Kenntnis nehmen, was natürlich schlecht für die Politiker wäre.
    Und wie SpOn gestern so schön geschrieben hat, selbst wenn das Geld an die Unis ginge, würden sie Netto nicht mehr haben.
    # 25. März 2004 - 05:20 Uhr
  19. Waver schrieb:
    Wenn die Uni für sie nur eine Alternative zum Arbeitslos-sein war (was ja bei vielen Langzeitstudenten so ist) und nicht ein Ort, um sich intensiv auf einen späteren Beruf vorzubereiten, dann haben sie es nicht anders verdient und es soll mir nur recht sein.
    # 25. März 2004 - 12:27 Uhr
  20. Moe schrieb:
    Waver, wer sagt denn dass es eine alternative war?? und dass die chancen für diejenigen die einfach nicht das geld zum weiterstudieren haben ziemlich schlecht stehen, ist doch wohl klar.
    "nicht anders verdient" ist ja wohl der grösste hohn, wo hast du denn diesen schwachfug her?
    # 25. März 2004 - 12:30 Uhr

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