Heute in der Schublade "Früher-war-alles-besser (und bunter)": Prügeln.
Während ich hier so an meinem Nachmittagskaffee nuckel und darüber grübel, was denn so alles anders geworden ist in den *peil* letzten sechs, acht Monaten, dann gehört sicherlich ein Rückgang der Vorstellung, dass man sich in Liebe Prügeln kann dazu. Aber vielleicht kommt es mir auch nur so vor.
Dafür gibt es jetzt sowas wie gestern, den instrumentalisierten Einsatz der Provokation zu Marketingzwecken*, den man ja auch schon bei der Vermarktung von Blogbar bewundern konnte. Funktioniert ja auch vorzüglich. Aber damit ist eine gänzlich neue Qualität des Umgangs miteinander eingeläutet. Und es überrascht mich, dass ich offenbar die einzige bin, die das stört.
P.S. Bevor das wieder zu Missverständnissen führt: Ich habe kein Problem damit, dass hier Leute Geld verdienen. Ich habe mit dem wie ein Problem.
* Das ist jetzt ein wenig unsauber. Dieses Prinzip zur Aufmerksamkeitserzeugung gab es "früher" natürlich auch schon, wenngleich auch mit vielleicht anderen Motivationen. Umso erstaunlicher, dass es immer noch funktioniert.
Nur so ins Internet gebrabbelt: Blog-Wars
23. März 2004 - 16:35 Uhr - Irrlicht26 Kommentare:
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Sind tatsächlich so viele ihren pubertierenden Pickeln gerade erst entwachsen, dass der Text so ernst genommen werden muss?
Kann man heute alles schreiben, solange man nur beliebige Beleidigungen beimengt, erhält man auch eine überwältigende Resonanz?
Oder ist die blogosphäre (ich eingeschlossen) einfach nur humorlos und versteht nicht den Humor in jedem Text?
in beiden fällen führt das aber mir (muss keine allgemeingültiglkeit haben) nur dazu, dass ich das produkt _nicht_ kaufe. ich weiss es nicht...
(disclaimer: ich wollte jetzt NICHT ernsthaft damit sagen, dass dies die intention dahinter sei!)
Glaube außerdem nicht, dass genannter Artikel eine Werbewirkung entfalten kann. Klar, Agression sells, siehe die Standard-Unsymphaten im Werbefernsehen, von Clementiiiiine bis zu den Ratiopharm-Zwillingen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass jetzt jemand ein solches Produkt kauft, wenn man weiß, wie die Autoren über ihre Zielgruppe denken. Wenn's Marketing ist, dann ein völlig verfehltes.
Was das alles über die Blogosphäre zeigt: wenn jemand etwas wirklich doofes macht, dann ist man sich durchaus einig, kann den gemeinsamen Feind anpeilen und gemeinsam kräftig den Knüppel aus dem Sack holen.
Man kann der "Blogoshäre" ihre schwarzen Schafe kaum vorwerfen, mit steigender Vielfalt (und das wollten wir doch) gehört das wohl dazu. Ob man sich jemals in Liebe prügeln konnte? Ich erinnere mich an Flames amerikanischer Blogger in meinen Kommentaren vor mehr als acht Monaten, da war von Liebe nicht viel zu spüren, so mal als Beispiel hingestellt.
Das gestern vermeintlich "beworbene" Buch habe ich mir übrigens aufgrund der Diskussion besorgt - kostenlos in meiner Uni-Bibliothek. Ein gewisser Werbeeffekt ist also sicher auch trotz der teilweise schlimmen Inhalte des Eintrags (Höhepunkt "chipsfressende Pickel...wieauchimmer).
aber es gibt ja nicht nur clementine, sondern auch so etwas wie z.b. die benneton-kampagne anfang der 90er jahre (94???? - finde gerade keinen passenden link), die gezielt mit brechen von tabus auf schockwirkung gesetzt hat.
Trotzdem würde ich der Mythenbildung gerne etwas entgegenstellen: Die gesamte Debatte über Blogbar wurde damals von aussen initiiert, von einer eher kleinen Gruppe, die sich selbst zu wichtig nehmen und Skandal brüllen, nur weil es in ihrem eigenen, immens wichtigen Weblog steht. Was die 15, 20 Leute gesagt haben, zu denen Sie schon damals gehörten, hat meines Erachtens ausserhalb der kleinen SWR/Melody/krit-Kreise niemanden besonders interessiert.
das hat es, don. sehr. denn es hat in folge eine ganze reihe von postings auf ähnlichem niveau hervorgebracht oder - sagen wir mal - neue maßstäbe in der interblogosphärischen kommunikation gesetzt. das soll, wer mag, sich als heldenmütze aufsetzen. aber da du schon damals nicht begriffen hat, worum es geht, habe ich da jetzt auch nicht viel hoffnung...
aber es gibt ja andere hoffnung. die nächste kilerapplikation wartet um die ecke und dann hypen alle buchschreiberlinge, blogvermarkter, die jungs vom ccc u.a., die alle viel besser wissen, wie dies denn gut und schön und richtig zu sein hat, weiter. und vielleicht führt dann irgendwann jemand wieder die kunst des unaufgeregten sprechens ein. so lange dödel ich hier und da vor mich hin. oder ich mach was in wikis. mal sehen.
Es waren, wenn man so will, die üblichen Verdächtigen, die sich ohne unser Zutun auf das Buch gestürzt haben. Und drei tage später über andere hergefallen sind, ich mein, erinnert sich noch wer an das, und dann war da doch noch der Bellekrieg1 und Bellekrieg2 und jetzt Generation Bloggern...
Ich sehe durchaus, dass es unter manchen Bloggern des älteren Semesters eine "Früher-war-alles-besser"-Stimmung gibt, die sich dann in mehr oder weniger dramatischen Abschiedsworten manifestiert. Ich sehe das nach ein paar Jahren im Netz einfach nicht - letztlich gibt es nach jeder grösseren Debatte einen Rückkehr zur Sachlichkeit, dann noch ein paar Sticheleien, manche versuchen es mit Mythenbildung.
Die Behauptung, der SWR-Beitrag habe da als Dammbruch neue Massstäbe gesetzt - die Ursünde, wenn ich das so interpretieren darf - gehört in diese letzte Kategorie. Mehr als 200-300 Blogger werden davon noch nicht mal Notiz genommen haben, und die meisten davon denken sich ihren Teil, oder auch nicht.
ich sehe nicht wirklich allzugrosse parallelen bei den verschiedenen disputen, ausser dass sie sich in der tat alle durch einen schärfer werdenden umgangston auszeichnen. daher ja auch mein gedanke auf blogosfear ob es nicht vielleicht doch einfach nur am wachstum liegt.
zu der generation blogger sache, na klar meinen die ihre gründe zu haben und sie dürfen ja auch schreiben was sie wollen aber das war nun mal unter aller sau. dass eine derartige reaktion kommen würde war absehbar. und das soll jetzt noch nicht mal eine wertung sein; es kann nur niemand behaupten er hätte das nicht vorher gewusst, oder..?
agressiv wird es daher, dass egal in welcher diskussion immer herbeigeredet wird es ginge hier um die machtinteressen irgendwelcher sog. a-list-blogger. das ist wirklich albern, und zwar nicht nur in anbetracht der maßstäbe in denen wir uns hier bewegen.
ich glaube nicht, dass es dadurch entsteht dass sich irgendjemand zu wichtig nimmt, sondern dass er zu wichtig genommen wird. ob es sich lohnt, sich in der konsequenz auf ein rebellen image festzulegen ist nur eine frage am rande.
Es ist nun mal das Wesen und zum guten Teil auch Sinn aller Metadiskurse, dass dadurch Ansprüche und, ganz wertneutral bitte! - auch Meinungsführerschaften entstehen. Das Problem der Blogosphäre ist aber ein ganz anderes: Dass der Metadiskurs niemanden juckt, interessiert oder bewegt, irgendwas zu ändern.
Und dadurch entsteht dann eben so ein Bruch zwischen denen, die einfach vor sich "hinmümmeln", und denen, die da einen - neutraler Fachterminus - Überbau konstruieren. Und da sind dann nach meinem Erleben viele uneingestandene Ängste, Gruppenzwänge, Präferenzen und Abhängigkeiten, die an diesen Übergängen hochkochen. Nur würde ich dem ganzen keinerlei Relevanz beimessen wollen - nicht weil es doof ist oder falsch, sondern weil es einfach keine Rolle spielt. Der Metadiskurs ist das für den Inhalt, was die RSS-Debatten für die Technik sind: Steckenpferde einzelner, die den allermeisten total banane sind.
>Und dadurch entsteht dann eben so ein Bruch zwischen denen, die einfach vor sich "hinmümmeln", und denen, die da einen - neutraler Fachterminus - Überbau konstruieren. Und da sind dann nach meinem Erleben viele uneingestandene Ängste, Gruppenzwänge, Präferenzen und Abhängigkeiten, die an diesen Übergängen hochkochen.
würde ich so nicht kaufen. denn es gibt ja durchaus leute, die hier ein paar euros verdienen, ohne das - sagen wir mal - diese unentspanntheiten entstehen. das problem auf die anwender abzuwälzen ist zwar üblich, leuchtet mir aber oft nur sehr bedingt ein.
und, nein, ich gebe dir nicht die schuld an dem untergang der blogosphäre, aber es war _ein_ punkt unter anderen und einer, der mich in meinem hier rumwurschteln begegnet ist. das ist ja auch ein erlebnisbericht und kein sounsoistdieblogosphäre-bericht.
Und die Aufgeregtheiten, nochmal: Die kamen von aussen, nach meinem Empfinden als ganz normaler Flamewar. Das alles war auch nicht das, was ich als Metadiskurs verstehe. Ich meine die einschlägigen Seiten wie convers.antville, Blogosfear, h-blog, Manifeste, sowas.
Genau das ist es, was mich nervt: Du baust jeden beiläufigen Spruch in irgendwelche Verschwörungstheorien rund um Dein Buch ein.
Allmählich kannst Du mir wirklich den Buckel runterrutschen.
soweit _ich_ das erinne warst du aber ganz heiß aufs kloppen [http://weblog.plasticthinki...] siehe kommentare...
aber da das thema ausser mir und dir hier eh keinen interessiert (und mit rücksicht auf den gastbeber) wäre ein ende der diskussion (hier) jetzt schön. ansonsten email an anneke punkt wolf at gmx punkt de
aber wegen mir brauchst du da keine rücksicht nehmen, auch wenn ich das zu schätzen weiss *g*
http://irene.antville.org/s...
Ab jetzt gilt: Don't feed the rebel.
Allen anderen empfehle ich zur Entspannung die Suchbegriffkombination harald + schmidt + sager.
ansonsten macht hier doch was ihr wollt :P
ich fand die diskussion interessant und bedanke mich bei allen beteiligten, aber sind wir nicht vielleicht schon ein paar comments über das ziel hinaus geschossen? :)