Nur so ins Internet gebrabbelt: Blog-Wars

23. März 2004 - 16:35 Uhr - Irrlicht
Heute in der Schublade "Früher-war-alles-besser (und bunter)": Prügeln.

Während ich hier so an meinem Nachmittagskaffee nuckel und darüber grübel, was denn so alles anders geworden ist in den *peil* letzten sechs, acht Monaten, dann gehört sicherlich ein Rückgang der Vorstellung, dass man sich in Liebe Prügeln kann dazu. Aber vielleicht kommt es mir auch nur so vor.

Dafür gibt es jetzt sowas wie gestern, den instrumentalisierten Einsatz der Provokation zu Marketingzwecken*, den man ja auch schon bei der Vermarktung von Blogbar bewundern konnte. Funktioniert ja auch vorzüglich. Aber damit ist eine gänzlich neue Qualität des Umgangs miteinander eingeläutet. Und es überrascht mich, dass ich offenbar die einzige bin, die das stört.

P.S. Bevor das wieder zu Missverständnissen führt: Ich habe kein Problem damit, dass hier Leute Geld verdienen. Ich habe mit dem wie ein Problem.

* Das ist jetzt ein wenig unsauber. Dieses Prinzip zur Aufmerksamkeitserzeugung gab es "früher" natürlich auch schon, wenngleich auch mit vielleicht anderen Motivationen. Umso erstaunlicher, dass es immer noch funktioniert.

26 Kommentare:

  1. tempa schrieb:
    Faszinierend an dem aktuellen Fall finde ich nur, dass der Text so wie er geschrieben ist überhaupt funktioniert.
    Sind tatsächlich so viele ihren pubertierenden Pickeln gerade erst entwachsen, dass der Text so ernst genommen werden muss?
    Kann man heute alles schreiben, solange man nur beliebige Beleidigungen beimengt, erhält man auch eine überwältigende Resonanz?
    Oder ist die blogosphäre (ich eingeschlossen) einfach nur humorlos und versteht nicht den Humor in jedem Text?
    # 23. März 2004 - 17:24 Uhr
  2. anneke schrieb:
    tja, funktioniert er denn? er erzeugt erst mal aufmerksamkeit -- und dann? allenfalls könnte man sich damit prestige über die schiene "ah, da traut sich mal einer was" reinholen. ähnlich wie kollege chuzpe seinerzeit [http://chuzpe.blogger.de/st...]

    in beiden fällen führt das aber mir (muss keine allgemeingültiglkeit haben) nur dazu, dass ich das produkt _nicht_ kaufe. ich weiss es nicht...
    # 23. März 2004 - 17:31 Uhr
  3. Moe schrieb:
    Naja ohne die Sachen jetzt (nochmal) bewerten zu wollen (nebenbei bin ich mir nicht sicher, ob man beide in einem Atemzug nennen kann) würde ich sagen dass das durchaus aus strategischen Gründen geschieht, so zumindest mein Eindruck. Wie man das bewertet ist wohl eine Frage der subjektiven Moralvorstellung oder sowas?
    # 23. März 2004 - 17:32 Uhr
  4. Moe schrieb:
    du bekomst auf jeden fall nen hohen pagerank, anneke =)
    (disclaimer: ich wollte jetzt NICHT ernsthaft damit sagen, dass dies die intention dahinter sei!)
    # 23. März 2004 - 17:33 Uhr
  5. Nico schrieb:
    Konnte wirklich nichts humoristisches in bez. Text entdecken. Natürlich kann man mich nun als humorlos bezeichnen, aber könnte auch sein, das nichts humorvolles enthalten war, nicht?!
    Glaube außerdem nicht, dass genannter Artikel eine Werbewirkung entfalten kann. Klar, Agression sells, siehe die Standard-Unsymphaten im Werbefernsehen, von Clementiiiiine bis zu den Ratiopharm-Zwillingen, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass jetzt jemand ein solches Produkt kauft, wenn man weiß, wie die Autoren über ihre Zielgruppe denken. Wenn's Marketing ist, dann ein völlig verfehltes.
    Was das alles über die Blogosphäre zeigt: wenn jemand etwas wirklich doofes macht, dann ist man sich durchaus einig, kann den gemeinsamen Feind anpeilen und gemeinsam kräftig den Knüppel aus dem Sack holen.
    Man kann der "Blogoshäre" ihre schwarzen Schafe kaum vorwerfen, mit steigender Vielfalt (und das wollten wir doch) gehört das wohl dazu. Ob man sich jemals in Liebe prügeln konnte? Ich erinnere mich an Flames amerikanischer Blogger in meinen Kommentaren vor mehr als acht Monaten, da war von Liebe nicht viel zu spüren, so mal als Beispiel hingestellt.
    # 23. März 2004 - 17:37 Uhr
  6. anneke schrieb:
    naja, da haben wir ein ähnliches problem wie unten [http://weblog.plasticthinki... ] was nützt mir ein hoher pagerank, wenn alle "würg" rufen. ausser ich sorge dafür, dass das posting wieder schnell aus der wahrnehmung (sprich startseite) verschwindet.
    # 23. März 2004 - 17:38 Uhr
  7. nico (myblog.de) schrieb:
    Das besondere Problem bei einer zunehmend größeren Bloggerzahl ist wohl auch, dass Weblogger für Stalker eine gute Angriffsfläche bieten, weil sie in der Regel durch ihre Einträge (aus dem Privatleben, Meinungen oder auch nur bloß durch Selektion von Links) relativ viel von sich preisgeben.
    Das gestern vermeintlich "beworbene" Buch habe ich mir übrigens aufgrund der Diskussion besorgt - kostenlos in meiner Uni-Bibliothek. Ein gewisser Werbeeffekt ist also sicher auch trotz der teilweise schlimmen Inhalte des Eintrags (Höhepunkt "chipsfressende Pickel...wieauchimmer).
    # 23. März 2004 - 18:44 Uhr
  8. anneke schrieb:
    @nico
    aber es gibt ja nicht nur clementine, sondern auch so etwas wie z.b. die benneton-kampagne anfang der 90er jahre (94???? - finde gerade keinen passenden link), die gezielt mit brechen von tabus auf schockwirkung gesetzt hat.
    # 23. März 2004 - 19:18 Uhr
  9. Moe schrieb:
    also wenn bücher übers bloggen in uni-bibliotheken stehen find ich das erstmal cool :)
    # 23. März 2004 - 20:36 Uhr
  10. uceda aka Don schrieb:
    @ anneke: Muss verdammt weh getan haben, das mit der Sendung, was? Sitzt echt tief? Und dann noch Blogbar? Ganz bäh.

    Trotzdem würde ich der Mythenbildung gerne etwas entgegenstellen: Die gesamte Debatte über Blogbar wurde damals von aussen initiiert, von einer eher kleinen Gruppe, die sich selbst zu wichtig nehmen und Skandal brüllen, nur weil es in ihrem eigenen, immens wichtigen Weblog steht. Was die 15, 20 Leute gesagt haben, zu denen Sie schon damals gehörten, hat meines Erachtens ausserhalb der kleinen SWR/Melody/krit-Kreise niemanden besonders interessiert.
    # 23. März 2004 - 20:53 Uhr
  11. Irene schrieb:
    @ Alfons-Uceda: Du machst es Dir zu einfach. Ich fand den Verriss der Sendung lesenswert und alles andere als schmerzhaft, aber dieses Krawallmarketing rund um das Buch nervt mich auch. Abgesehen davon passt das herausfordernde Machogehabe nicht zu den meisten Autorinnen und deren Image (aber ich bin nicht Deine Marketingberaterin und spare mir weitere Ausführungen).
    # 23. März 2004 - 21:33 Uhr
  12. anneke schrieb:
    >Muss verdammt weh getan haben, das mit der Sendung, was?

    das hat es, don. sehr. denn es hat in folge eine ganze reihe von postings auf ähnlichem niveau hervorgebracht oder - sagen wir mal - neue maßstäbe in der interblogosphärischen kommunikation gesetzt. das soll, wer mag, sich als heldenmütze aufsetzen. aber da du schon damals nicht begriffen hat, worum es geht, habe ich da jetzt auch nicht viel hoffnung...

    aber es gibt ja andere hoffnung. die nächste kilerapplikation wartet um die ecke und dann hypen alle buchschreiberlinge, blogvermarkter, die jungs vom ccc u.a., die alle viel besser wissen, wie dies denn gut und schön und richtig zu sein hat, weiter. und vielleicht führt dann irgendwann jemand wieder die kunst des unaufgeregten sprechens ein. so lange dödel ich hier und da vor mich hin. oder ich mach was in wikis. mal sehen.
    # 23. März 2004 - 22:13 Uhr
  13. Don aka Uceda schrieb:
    Man fasse sich da bitte an die eigene Nase - der "Krawall" war, wenn man das mit Abstand betrachtet, ein Aufschrei einiger weniger Leute, die - völlig wertneutral - teilweise ähnlich gelagerte Pläne hatten, es an persönlichen Konflikten fest gemacht haben, oder - meines Erachtens - eine Meinungsführerschaft beanspruchen. Gutes Beispiel von Irene: Eine nicht allzu qualifizierte Phrase ablassen, dann umdrehen und nasegerümpft gehen - pardon, aber was soll das? Eine ex Cathedra Entscheidung, was zum wem passt und was nicht?

    Es waren, wenn man so will, die üblichen Verdächtigen, die sich ohne unser Zutun auf das Buch gestürzt haben. Und drei tage später über andere hergefallen sind, ich mein, erinnert sich noch wer an das, und dann war da doch noch der Bellekrieg1 und Bellekrieg2 und jetzt Generation Bloggern...

    Ich sehe durchaus, dass es unter manchen Bloggern des älteren Semesters eine "Früher-war-alles-besser"-Stimmung gibt, die sich dann in mehr oder weniger dramatischen Abschiedsworten manifestiert. Ich sehe das nach ein paar Jahren im Netz einfach nicht - letztlich gibt es nach jeder grösseren Debatte einen Rückkehr zur Sachlichkeit, dann noch ein paar Sticheleien, manche versuchen es mit Mythenbildung.

    Die Behauptung, der SWR-Beitrag habe da als Dammbruch neue Massstäbe gesetzt - die Ursünde, wenn ich das so interpretieren darf - gehört in diese letzte Kategorie. Mehr als 200-300 Blogger werden davon noch nicht mal Notiz genommen haben, und die meisten davon denken sich ihren Teil, oder auch nicht.
    # 24. März 2004 - 11:31 Uhr
  14. Moe schrieb:
    hmm also jetzt ist genau das passiert was ich nicht für sonderlich konstruktiv halte: alles wird in einen topf geworfen und zudem wieder hochgekocht. das war nicht das eigentliche thema, denke ich.
    ich sehe nicht wirklich allzugrosse parallelen bei den verschiedenen disputen, ausser dass sie sich in der tat alle durch einen schärfer werdenden umgangston auszeichnen. daher ja auch mein gedanke auf blogosfear ob es nicht vielleicht doch einfach nur am wachstum liegt.
    zu der generation blogger sache, na klar meinen die ihre gründe zu haben und sie dürfen ja auch schreiben was sie wollen aber das war nun mal unter aller sau. dass eine derartige reaktion kommen würde war absehbar. und das soll jetzt noch nicht mal eine wertung sein; es kann nur niemand behaupten er hätte das nicht vorher gewusst, oder..?

    agressiv wird es daher, dass egal in welcher diskussion immer herbeigeredet wird es ginge hier um die machtinteressen irgendwelcher sog. a-list-blogger. das ist wirklich albern, und zwar nicht nur in anbetracht der maßstäbe in denen wir uns hier bewegen.

    ich glaube nicht, dass es dadurch entsteht dass sich irgendjemand zu wichtig nimmt, sondern dass er zu wichtig genommen wird. ob es sich lohnt, sich in der konsequenz auf ein rebellen image festzulegen ist nur eine frage am rande.
    # 24. März 2004 - 11:46 Uhr
  15. Don aka Uceda schrieb:
    Bitte nicht misszuverstehen, aber nichts ist schwerer, als sich selbst im Netz ein Image zu geben. Nach meinen Erfahrungen kommt das alles eher zufällig zustande, und was grosse Konzerne schon nicht steuern können, ist bei einzelnen Blogs sicher noch schwerer.

    Es ist nun mal das Wesen und zum guten Teil auch Sinn aller Metadiskurse, dass dadurch Ansprüche und, ganz wertneutral bitte! - auch Meinungsführerschaften entstehen. Das Problem der Blogosphäre ist aber ein ganz anderes: Dass der Metadiskurs niemanden juckt, interessiert oder bewegt, irgendwas zu ändern.

    Und dadurch entsteht dann eben so ein Bruch zwischen denen, die einfach vor sich "hinmümmeln", und denen, die da einen - neutraler Fachterminus - Überbau konstruieren. Und da sind dann nach meinem Erleben viele uneingestandene Ängste, Gruppenzwänge, Präferenzen und Abhängigkeiten, die an diesen Übergängen hochkochen. Nur würde ich dem ganzen keinerlei Relevanz beimessen wollen - nicht weil es doof ist oder falsch, sondern weil es einfach keine Rolle spielt. Der Metadiskurs ist das für den Inhalt, was die RSS-Debatten für die Technik sind: Steckenpferde einzelner, die den allermeisten total banane sind.
    # 24. März 2004 - 12:08 Uhr
  16. Astrid Haarland schrieb:
    Wer will, der kann sich zu dem angesprochenen Vorfall in unserem Blog http://www.generation-blogg... meine Erläuterung von heute ansehen.
    # 24. März 2004 - 12:15 Uhr
  17. anneke schrieb:
    @don

    >Und dadurch entsteht dann eben so ein Bruch zwischen denen, die einfach vor sich "hinmümmeln", und denen, die da einen - neutraler Fachterminus - Überbau konstruieren. Und da sind dann nach meinem Erleben viele uneingestandene Ängste, Gruppenzwänge, Präferenzen und Abhängigkeiten, die an diesen Übergängen hochkochen.

    würde ich so nicht kaufen. denn es gibt ja durchaus leute, die hier ein paar euros verdienen, ohne das - sagen wir mal - diese unentspanntheiten entstehen. das problem auf die anwender abzuwälzen ist zwar üblich, leuchtet mir aber oft nur sehr bedingt ein.

    und, nein, ich gebe dir nicht die schuld an dem untergang der blogosphäre, aber es war _ein_ punkt unter anderen und einer, der mich in meinem hier rumwurschteln begegnet ist. das ist ja auch ein erlebnisbericht und kein sounsoistdieblogosphäre-bericht.
    # 24. März 2004 - 12:58 Uhr
  18. Don aka Uceda schrieb:
    ??? Euros? Nit verstahn, sorry. Falls es dahin geht, dass Kasse gemacht werden soll: Das ist mit einem Buch nicht möglich, solange es nicht auf die Bestsellerlisten kommt. Bei diesem Thema - ausgeschlossen, ganz gleich, wer der Autor ist. Das haben noch nicht mal ein ganzes Schock Popliteraten bei voller Medienunterstützung bei theBuch geschafft.

    Und die Aufgeregtheiten, nochmal: Die kamen von aussen, nach meinem Empfinden als ganz normaler Flamewar. Das alles war auch nicht das, was ich als Metadiskurs verstehe. Ich meine die einschlägigen Seiten wie convers.antville, Blogosfear, h-blog, Manifeste, sowas.
    # 24. März 2004 - 13:48 Uhr
  19. Irene schrieb:
    Herr Alfons: Was heisst nasegerümpft gehen? Der Sager bezog sich nur auf das Nebenthema, ob das Marketing überhaupt zum Buch passt, was ja nicht gerade Thema dieser Diskussion ist. Damit, ob irgendjemand anders gern ein Weblog-Buch gemacht hätte, habe ich gar nichts zu tun.

    Genau das ist es, was mich nervt: Du baust jeden beiläufigen Spruch in irgendwelche Verschwörungstheorien rund um Dein Buch ein.

    Allmählich kannst Du mir wirklich den Buckel runterrutschen.
    # 24. März 2004 - 14:35 Uhr
  20. Irrlicht schrieb:
    @don

    soweit _ich_ das erinne warst du aber ganz heiß aufs kloppen [http://weblog.plasticthinki...] siehe kommentare...

    aber da das thema ausser mir und dir hier eh keinen interessiert (und mit rücksicht auf den gastbeber) wäre ein ende der diskussion (hier) jetzt schön. ansonsten email an anneke punkt wolf at gmx punkt de
    # 24. März 2004 - 14:39 Uhr
  21. Moe schrieb:
    also dass das keinen interessiert wäre möglich :-P
    aber wegen mir brauchst du da keine rücksicht nehmen, auch wenn ich das zu schätzen weiss *g*
    # 24. März 2004 - 14:52 Uhr
  22. Irene schrieb:
    Ich hab meinen ersten Kommentar zum Blogbuch wiedergefunden - der klare Beweis, dass ich grün vor Neid bin und die Machtergreifung in der Blogosphäre vorbereite:

    http://irene.antville.org/s...

    Ab jetzt gilt: Don't feed the rebel.
    # 24. März 2004 - 17:29 Uhr
  23. Don aka Uceda schrieb:
    Ich pflege mir die Buckel für Rutschpartien selbt rauszusuchen. Mitsamt der innenliegenden Nervenstränge. Und dadurch bedingter "Sager". Ein Wort, das in meinem Beruf übrigens nur vom Haider Jörgl kenne, der auch immer Sager macht.
    # 24. März 2004 - 21:11 Uhr
  24. Irene schrieb:
    @ Moe: Das ist jetzt Dein Job klarzustellen, ob Du eine Diskussion auf diesem Niveau hier duldest oder nicht.

    Allen anderen empfehle ich zur Entspannung die Suchbegriffkombination harald + schmidt + sager.
    # 24. März 2004 - 21:43 Uhr
  25. Moe schrieb:
    ich weiss nich, ich glaub ihr seid alt genug euer niveau zu wählen, falls ich mir diese anmerkung erlauben darf.
    ansonsten macht hier doch was ihr wollt :P
    ich fand die diskussion interessant und bedanke mich bei allen beteiligten, aber sind wir nicht vielleicht schon ein paar comments über das ziel hinaus geschossen? :)
    # 24. März 2004 - 21:46 Uhr
  26. Irene schrieb:
    Och, ich bin mit meinem Niveau zufrieden, hab eh keinen Buckel, nur Haltungsschäden von zuviel Internetz :o)
    # 24. März 2004 - 22:21 Uhr

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