Weblog-Kanon...

23. März 2004 - 10:16 Uhr - Moe
Gerade sehe ich dass Nico W. (Betreiber von myblog.de) auch ein eigenes Weblog dort führt. Sehr gut hat mir darin folgener Abschnitt gefallen, deswegen lasse ich das mal unkommentiert so hier stehen: Es ist nicht nötig, zu definieren, was ein Weblog und was keines ist, was ein gutes und ein weniger gutes ist, weil die Weblog-Gemeinde selbst definiert, was lesenswert ist. Eine möglicherweise sinnvolle Unterteilung kann höchstens die in "für eine breitere Masse interessante" und "für einen Freundes- oder Special-Interest-Kreis interessante" Weblogs sein. Gerade dieser Aspekt wäre sicherlich bei den großen Webloghostern wie myblog.de interessant, bei denen zunehmend private Tagebücher (im eigentlichen Sinne) ohne (wie weit auch immer ausgeprägten) literarischen Anspruch oder zumindest allgemeinverständliche Geschichten, veröffentlicht werden (jedoch müsste diese Einteilung auch hier durch die Weblogger selbst und nicht durch irgendwelche übergeordnete Instanzen geschehen). Ein "Weblog-Kanon" formiert sich, und das ist gerade das demokratische und das positive an diesem relativ neuartigen Kommunikationsmedium, nicht durch die Kritik einzelner, sondern durch die Selektion (durch Verlinkung etc.) aller Beteiligter. Hierbei kommt nur denen eine größere Rolle zu, deren Weblogs von vielen gelesen werden. Nur die Beliebtheit des eigenen Weblogs entscheidet also über die Bedeutung bei der Beeinflussung der Beliebtheit anderer Weblogs. [via schöne neue Welt]

10 Kommentare:

  1. daniel schrieb:
    Das halte ich nur für bedingt richtig. Natürlich kann, flapsig ausgedrückt, die eigene Kritik nur so wichtig sein, wie man auch selber "wichtig" ist.

    Welche Weblogs lesenswert sind, definiert nicht alleine die Weblog-Gemeinde, durch ihr Leseverhalten. Bei diesem Ansatz werden Weblogs ignoriert, die sich eine eigene große Leserschaft aufgebaut haben, aber ansonsten die Weblog-Gemeinde außen vor lassen. Die Nichtbeachtung dieser Weblogs durch andere Weblogs macht sie nicht automatisch zu weniger lesenswerten Weblogs. Ob ein Weblog lesenswert ist oder nicht, wird von den Lesern bestimmt. Egal ob sie zur "Weblog-Gemeinde" gehören oder nicht.
    # 23. März 2004 - 11:15 Uhr
  2. Moe schrieb:
    ja, aber es gibt ja schon so etwas wie eine korrelation zwischen dem bekanntheitsgrad in der blogosphäre und der grösse des leserkreises, oder irre ich da?
    # 23. März 2004 - 11:22 Uhr
  3. Irrlicht schrieb:
    ja, das stimmt. aber dieser zusammenhang beruht ja nicht zwangsweise auf inhaltlichen qualitäten (kann, muss aber nicht), sondern z.b. auch auf der umsetzung bestimmten technischen know-hows. verlinkung und bekanntheitsgrad können begünstigt oder unterbunden werden, durch z.b. die frage: habe ich rss oder nicht? sperre ich per robots.txt die suchmaschinen aus oder nicht usw.
    # 23. März 2004 - 11:30 Uhr
  4. Irrlicht schrieb:
    was ich eigentlich sagen wollte: die leserschaft schafft erst mal eine hypothetische, oder auch generelle chance auf einflussnahme. was diese nun aber über das gelesene denkt ist ja unklar. wenn beispielsweise 3032420134 leute über google kommen, sich aber eh nur verklickt haben, dürfte das nicht viel nützen. oder sie denken eben: ah, was schreibt -z.b. itw - heute wieder für ein schmarrn.
    # 23. März 2004 - 11:45 Uhr
  5. nico (myblog.de) schrieb:
    Daniel hat natürlich vollkommen recht. Da habe ich mich unklar ausgedrückt (habe den Text ja als Reaktion auf diese bloggern.de-Geschichte ziemlich schnell rausgekloppt).
    Das mit den technischen Faktoren bzw. Suchmaschinen sollte man aber nicht überbewerten, glaube ich. Ab einer bestimmten Gesamtzahl an Lesern nimmt der Prozentsatz der mehr oder weniger irrtümlich auf das Weblog gekommenen ja deutlich ab. Da spielen dann mehr und mehr Leute eine Rolle, die wiederkommen. Und die kommen im Großteil aller Fälle ja wieder, weil sie es gerne lesen. Und wer es schafft, so einen Mist zu schreiben, dass er auf Dauer ablehnende Leute an sich binden kann, der hat´s auch irgendwie drauf ;).
    # 23. März 2004 - 12:20 Uhr
  6. kho schrieb:
    Ich gebe Daniel Recht. Und wer bitte, ist denn die "Weblog-Gemeinde", die dann angeblich definiert, welche Blogs lesens"wert" sind und welche nicht??

    Natürlich haben bestimmte blogs Vorteile durch einen relativ hohen Bekanntheitsgrad und eine dadurch bedingte höhere Leserschaft. Aber daraus einen Zusammenhang zu schaffen, dass sie damit automatisch lesenswerter seien, halte ich für abwegig!

    lg, kho
    # 23. März 2004 - 12:35 Uhr
  7. Lydia schrieb:
    Womit man wieder beim Ausgang angekommen wäre, dass Weblogs sich [zum Glück] nicht von einer Gesamtheit als lesenswert/nicht lesenswert definieren lassen.
    In den drei Jahren, die ich blogge, treffe ich regelmässig auf Ansichten zu dem Thema, aber keine fand ich bisher so interessant rübergebracht wie die Sichtweisen von Nico und Daniel.
    Die Definition "lesenswert"/"nicht lesenswert" bleibt zum Glück subjektiv, auch wenn eine Beeinflussung, die u.a. von Linklisten ausgeht, wohl nicht ausbleiben wird.
    # 24. März 2004 - 01:05 Uhr
  8. Ulrich schrieb:
    "Ob ein Weblog lesenswert ist oder nicht, wird von den Lesern bestimmt."

    Das sehe ich anders. Viele Blogs werden nur deshalb gelesen, weil sie von anderen gelesen werden und weil man keine aktuelle Diskussion verpassen will. Und die bekannten Blogger können eben Themen vorgeben. Das sagt wenig oder nichts über die Qualität dieser Blogs aus. Dieser selbstverstärkende Effekt, dass die Masse mit der Masse geht, ist ja auch aus anderen Medien bekannt.

    Dem gegenüber steht der unbekannte Blogger, der munter weiter vor sich hin tippt, obwohl er nicht gelesen wird. Und der auch dann lesenswert ist, obwohl er aus welchem Grund auch immer, keine Leser findet. Die sind es, die die Blogosphäre frisch halten.
    # 24. März 2004 - 08:57 Uhr
  9. Moe schrieb:
    Ulrich, das wäre eine klassische Powerlaw Argumentation oder? Ich glaub es gibt zuviele Ausreisser um daran festhalten zu können. Ich hatte den Eindruck eigentlich recht schnell viel gelesen zu werden als ich dieses Blog hier gestartet habe.
    Ich denke bis zu einem gewissen Grad hängt das einfach davon ab wie weit man sich exponieren und aber dabei auch auf andere eingehen will.
    Angenommen ich versende keine Update-Pings, führe keine Blogroll und beziehe mich nicht auf andere Weblogger, dann werde ich wohl sehr wenig zumindest von den anderen Webloggern gelesen werden, unabhängig davon ob ich "guten" Content habe oder nicht.
    # 24. März 2004 - 10:13 Uhr
  10. Ulrich schrieb:
    Schon richtig, ich finde nur, dass die Argumentationsweise, "wer nicht gelesen wird, der macht etwas falsch", die ja aus der Kommerzwelt stammt ("das Produkt XY war nicht zielgruppenkompatibel, deshalb wurde es vom Markt genommen"), nicht auf den privaten/kreativen Bereich Weblogs übertragen werden sollte.
    (Powerlaw-Argumentation versteh ich nicht.)
    # 24. März 2004 - 18:33 Uhr

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