Studie: 'Hohe Kosten halten Arme von Gymnasium und Uni fern'

20. März 2004 - 16:16 Uhr - Moe
Das deutsche Bildungssystem verhindert durch seine Kostenverteilung, dass Kinder aus sozial schwachen Familien eine höhere Bildung erhalten. Dies ist das Ergebnis einer am Freitag veröffentlichten Studie des Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie (FiBS). Während die Kosten der Schulausbildung zu 19 Prozent, die eines Studiums gar zu 49 Prozent privat von Studenten oder Eltern finanziert werden müssen, beträgt dieser Anteil bei der Berufsausbildung nur vier Prozent. Wenn ein Kind also nach der Sekundarstufe I eine Berufsausbildung beginnt, entstehen den Eltern durch die geringeren Lebenshaltungskosten für das Kind und das Kindergeld, das sie trotzdem erhalten, hohe finanzielle Vorteile. Dies verhindert aber einen stärkeren Zugang einkommensschwacher Schichten zu weiterführender Bildung, zunächst zur gymnasialen Oberstufe, warnte das FiBS. Die Einführung von Studiengebühren, auch in Form von Gutscheinen, sei deshalb kontraproduktiv. Im Gegenteil müsse gerade für bildungsferne Schichten der Zugang zu Kindertagesstätten, gymnasialer Oberstufe und Hochschule stärker gefördert werden.

Das FiBS hatte im Auftrag des Bundesbildungsministeriums die gesamten Ausgaben für Bildung und deren Finanzierung betrachtet. Die Studie räumt mit einigen verbreiteten Vorurteilen auf: Die Berufsausbildung beispielsweise wird nicht überwiegend durch die ausbildenden Betriebe, sondern zu zwei Dritteln durch den Staat finanziert. Der Anteil der Unternehmen beträgt nur 31 Prozent, die privaten Haushalte zahlen vier Prozent.

Dagegen ist ein Studium für die Studierenden bzw. ihre Eltern keineswegs kostenlos: Nur 51 Prozent der Kosten zahlt der Staat, den Rest müssen die Familien selbst aufbringen. "Damit ist das in Deutschland gängige Vorurteil eines kostenlosen Studiums endgültig widerlegt", fassen die Forscher zusammen.
Weiterlesen bei ngo-online [via Genosse Tabu]

5 Kommentare:

  1. Sanníe schrieb:
    Ein weiteres Beispiel aus der Reihe: So lügt man mit Statistik. In diesem Fall besonders dreist:

    Diese Schlagzeile von NGO-Online ist durch die Studie überhaupt nicht belegt. Die Studie ermittelte, wer welche (Aus-)Bildungskosten trägt (Unternehmen, Staat, Privat). Sie trifft _keine_ Aussagen über Schülerzahlen der gymnasialen Oberstufe oder der Berufsschulen. Sie kann deshalb schon keine Aussage über die Gründe treffen, die jemanden veranlassen können, eine Ausbildung zu beginnen, statt Abitur zu machen.

    Echt ma, Moe! Bessere Recherche bitte.

    Und überhaupt: Wer sein Kind ab 16 Jahren nicht mehr durchfüttern will - der Schulbesuch ist schließlich frei -, der sollte besser keines bekommen.
    # 20. März 2004 - 18:12 Uhr
  2. torsten schrieb:
    dass arbeiterkinder an den universitäten starkt unterrepräsentiert sind ist ein faktum - sind jene die dümmeren menschen?
    # 20. März 2004 - 19:37 Uhr
  3. Sanníe schrieb:
    Das bestreitet doch auch niemand.

    Hier wird aber gesagt, das Ergebnis der Studie sei, der Besuch des Gymnasiums scheitere an den hohen Kosten. Und das ist a) nicht das Ergebnis dieser Studie, b) nicht einmal Untersuchungsgegenstand gewesen! und c) imho auch nicht wahr.
    # 20. März 2004 - 21:39 Uhr
  4. Planloser schrieb:
    Glaube der Statistik oder glaube ihr nicht: wenn man den Azubis ab sofort kein Geld mehr zahlen würde, würde sich die Statistik so ändern, daß die Ausbildung zu einem höheren Prozentsatz von den Familien bezahlt werden müsste, ergo würden sich die Unterschiede zwischen Studium und Ausbildung verringern, damit müssten aufgrund des nunmehr höheren Grenznutzens auch mehr Arbeiterkinder studieren. Ich bin nicht sicher, ob das das gewünschte Ergebis der Studie war?
    # 21. März 2004 - 00:08 Uhr
  5. Genosse_Tabu schrieb:
    Bessere Recherche? Nun denn: Hier ein Auszug aus der Presseerklärung des FiBS, das die Studie durchgeführt hat: "(...)Wenn ein Kind also nach der Sekundarstufe I eine Berufsausbildung beginnt, entstehen den Eltern durch die geringeren Lebenshaltungskosten für das Kind und das Kindergeld, das sie trotzdem erhalten, hohe finanzielle Vorteile. Dies verhindert aber einen stärkeren Zugang einkommensschwacher Schichten zu weiterführender Bildung, zunächst zur gymnasialen Oberstufe..."

    Quelle: http://www.fibs-koeln.de/ Presseerklärung vom 19.3.04

    Genauer lesen, Sannie.

    P.S.: Das schließt natürlich nicht aus, dass der ngo-online Text ungenau ist. Aber auf derselben Seite findet sich ja der Link auf die Studie.
    # 23. März 2004 - 20:10 Uhr

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