Exmatrikulationswelle in Hessen

05. März 2004 - 11:29 Uhr - Moe
In Darmstadt exmatrikulieren sich die Studierenden zu Tausenden, u.a. deswegen, weil sie es sich finanziell nicht leisten können, die neu eingeführten Studiengebühren zu bezahlen. So manch einer muss sich jetzt bis zur Prüfung exmatrikulieren um überhaupt Lernen zu können anstatt Gebühren verdienen zu müssen. Die hessische Landesregierung feiert dies nichtsdestotrotz als einen tollen Erfolg, und hält an der dümmlichen Konstruktion von Studenten die ja nur deshalb Studenten sind, damit sie umsonst Bus und Bahn fahren können, fest.
Nicht nur, dass es hierfür keinen Beleg gibt, ist das Semesterticket nebenbei auch kein Geschenk sondern eine Kalkulation, bei der der RMV nicht soo schlecht bei wegkommt. So oder so ist aber die Behauptung, jemand sei Student anstatt zu arbeiten, nur damit er nicht 20€ oder was für ne Monatskarte im Bus zahlen muss, schlichtweg eine Beleidigung jedes auch nur halbwegs intelligenten Menschen (davon scheint es im hessischen Wissenschaftsministerium nicht allzuviele zu geben).
Der beste Witz an den Langzeitstudiengebühren: Auch jetzt noch kann jeder der möchte sich 13 Semester lang zum Busfahren einschreiben. Wer aber im 14. Semester ist, ein Vordiplom mit 1,3 und alle Scheine zum Diplom bis auf einen einzigen hat, naja der ist dann eben selber schuld. Und da ja die Gebühren laut Regierung ein Anreiz sein sollen, um schneller fertig zu werden, muss derjenige dann eben in den nächsten 2 Semestern 1200€ zusätzlich verdienenen (und nochmals dementsprechend langsamer studieren) um sie dem Land zu leihen. Denn man bekommt das Geld ja sogar wieder, wenn man vor 2005/2006 fertig wird. Dümmer geht's nicht. Aber ich glaube ich habe das hier schon mehr als einmal ausgeführt.
Letztendlich ist das Resultat, dass das Land sehr viel weniger einnehmen wird, als der gute Herr Corts den Wählern mehr als einmal vorgelogen hat (wer den Dreisatz beherrscht, merkt recht schnell dass es gar nicht gehen kann, im nächsten Jahr 39Millionen mit Studiengebühren einzunehmen). An den Unis werden gleichzeitig die Studierendenzahlen sinken, dass heisst die Unis bekommen noch weniger Geld und werden noch schlechter. Und das will was heissen, bei dem Mist den man an einer hessischen Uni zu guten Teilen geboten bekommt.
Die Infos hat Manuel Heinrich netterweise im Weblog Gegen Studiengebühren in Hessen zusammengetragen: Die Folgen des StuGuG: "Exmatrikulationswelle" an der TUD und Freude im HMWK.

5 Kommentare:

  1. kris schrieb:
    das ist keine so dümmliche kunstruktion. als ich mich exmatrikuliert habe, haben die mich gleich gefragt, ob ich mich irgendwo wieder einschreiben wolle. ich kenne viele, die das gemacht haben, um bei der krankenkasse, öpnv und in der mensa zu sparen. meist nur fuer ein oder zwei semester wegen jobsuche.

    interessant ist, was das für einzelne fakultäten bedeutet. solche scheinstudenten waren bisher immer gut, um bei der mittelverteilung besser dazustehen. anderseits wird es wohl so kommen, dass die leute unmittelbar nach dem studium arbeitslosengeld oder sozialhilfe beantragen, was am ende mehr kostet.

    also warten wir mal ein halbes jahr ab.
    # 05. März 2004 - 19:14 Uhr
  2. Mike schrieb:
    Das Dokument unter

    http://www.hmwk.hessen.de/d...

    hat den wissenschaftlich ermittelten Dummschwätzquotienten DQ1.60

    40.8

    DAS sagt ja wohl alles...
    # 05. März 2004 - 21:15 Uhr
  3. djo schrieb:
    Puaaahhhh - ich sage nur "Kurrentschrift"! Das Verbot der ursprünglich deutschen Schreibschrift bis 1941 kam von den Nazis. 1941 kam ein Verbot, da "angeblich" Juden im Mittelalter sich der Druckereien bemächtigt hätten und somit die deutsche Schrift eigentlich jüdisch sei. Also ab 1941 nur noch lateinische Schrift (nicht! Sprache!!! die Lettern meine ich!) - auch und vor allem im Unterricht. Ab 1945 dann keine Verbote mehr zu den Lettern. Aber: Die Kultusminister bekamen es nicht auf die Reihe - und die über 150 Jahre Kultur und Archive konnten nicht mehr ohne weiteres gelesen werden... Handschriften lesen um 1800: echte philologische Arbeit! Sollte eigentlich in Deutsch und Geschichte dazu gehören. Tut es aber nicht...
    # 06. März 2004 - 00:40 Uhr
  4. djo schrieb:
    PS:
    Bezüglich der ganzen Angelegenheit von wegen "billiger Bahn fahren" und der ganze Murks: http://udoslive.blogspot.co...
    Da geht es um einen Sozialhilfeempfänger, der tatsächlich klarmachen will, dass er 4 mal im Monat in den Puff gehn muss, da ihn seine Frau samt Kind verlassen hat.
    Also: Wenn jeder Langzeitstudie sich vom Studium abmelden würde, dann entweder Sozialamt oder Arbeitsamt oder ICH-AG oder sonstwas. Das ist gut für unseren Staat??? Weniger!
    # 06. März 2004 - 00:55 Uhr
  5. djo schrieb:
    PPS: Was die ICH-AG gerade angeht für Ex-Langzeitstudies, da würde ich erst mal die Persönlichkeit/Qualis und den Markt sondieren, dann Beratung einholen, dann evtl. Förderung holen. Aber das Ergebnis dürfte bei Studies gleich null sein im Moment - also: Null Cash für Staat. Ist so, wie wenn man versucht, einen Fichtenbaum im Sumpf zu pflanzen...
    # 06. März 2004 - 01:02 Uhr

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