Markus Hammerschmitt hat in Telepolis einen sehr interessanten, wenngleich auch irgendwie ideologischen Artikel über die staatliche Nutzung von Open Source Software geschrieben - angeregt durch das Erscheinenen des Buches "Freie Software" von Volker Grassmuck, welches durch die Bundeszentrale für politische Bildung verlegt wird.
"Die Arbeit der E-Hippies":
Gerade weil die gegenwärtige Regierung wie keine andere in der Bundesrepublik vorher öffentliches Eigentum privatisiert, ihre Allmende mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit in private Hände überspielt hat, gerade weil sich die politische Klasse ihres eigenen Spielraums durch Deregulierung, Liberalisierung, Steuersenkungen für das Kapital beraubt hat, muss sie jetzt darauf achten, von den Entwicklungen, die sie selbst abgenickt hat, nicht überrollt zu werden. Das heißt zuerst und vor allem die Kosten für ihre eigene Form der "Produktion", nämlich die Verwaltung, zu reduzieren. Wie kann man governance noch finanzieren, wenn man die Mittel dazu selbst aus der Hand gegeben hat? Wie kann der Staat "schlank" sein und sich gleichzeitig erhalten?
Nun, Verwaltung hatte schon immer mit Informationstechnologie zu tun, und spätestens seit den Hollerithmaschinen war Verwaltung auf maschinelle Datenverarbeitung angewiesen. Ein wesentlicher Kostenfaktor in diesem Zusammenhang ist heute die Software, und nichts könnte dem neoliberal zurechtgeschusterten Staat gelegener kommen, als die kostenlose Arbeit Tausender Enthusiasten, die ihm die dringend benötigte Software umsonst hinstellen. Und plötzlich ist das, was sich einer Rebellion gegen Bevormundung und hierarchische Entscheidungs- /Entwicklungsstrukturen verdankt, was gleich weit entfernt bleiben wollte von Staat und Kapital, ein Instrument der Herrschaftssicherung.
Allein den Denkansatz finde ich hochinteressant, zumal er mir gerade ziemlich in die Quere kommt, bin ich doch dabei eine theoretische Position zu verfassen, die den Einsatz von Open Source Content-Management-Systemen in E-Learning-Szenarien staatlicher Institutionen und KMUs hervorheben und begründen soll. Die Kritikpunkte der Herrschaftsaspekte sollten hierbei nicht völlig unter den Tisch fallen und zumindest am Rande oder latent im Text selbst genannt werden, denn eine Auseinandersetzung mit ihnen ist unabdingbar, um der (ich meine damit meine subjektive) Wahrheit auf den Grund zu gehen. Offen bleibt für mich hier allerdings, wie dieses Thema von führenden Vertretern der Open-Source-Bewegung selbst gesehen wird. Diese dürften schliesslich an der Verbreitung und Nutzung ihrer Software interessiert sein, und ob allein der "der naive gute Wille" hierfür zur Rechenschaft zu ziehen ist bleibt mehr als fraglich. Sind dahingehend irgendwelche Positionen bekannt?
Generation Blogger antwortet hierauf mit einer normativen Anrufung: Nur keine Angst, meine Damen und Herren aus der Content-Branche. Der Content-Kuchen wird gleichmässig verteilt werden, wenn sich alle am Tisch benehmen!
Nur haben sie sich je alle benommen?!
Open Source im neoliberalen Diskurs?
01. Februar 2004 - 16:37 Uhr - Moe2 Kommentare:
Kommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.

Wenn der Endanwender die Sache unter Kostengesichtspunkten sehen will, darf er das gern tun, aber wer einen Text ins Internet stellt, in dem es beim Thema "Open Source und Staat" in erster Linie ums Geld geht, und wo die gar schreckliche Erkenntnis ausgesprochen wird, daß mit der "revolutionären" Software ja Castor-Einsätze organisiert werden können, hat Open Source nicht einmal in groben Zügen verstanden.
Übrigens sind, anders als es im Artikel behauptet wird, nur die allerwenigsten Open-Source-Autoren anonym unterwegs. Ganz im Gegensatz zu den anonymen Microsoft-Programmiereren, die seit 10 Jahren die selben Fehler in ihrer Software immer wieder neu aufkochen.