Weblogs beim Zofinger Tagblatt

26. Januar 2004 - 11:10 Uhr - Moe
Weblogs in den Medien, genauer gesagt diesmal beim Zofinger Tagblatt: Wie in neuen Medien üblich, ist der Grad an Selbstreferenzialität bei Web-logs extrem hoch. Viele Blogger – so die Bezeichnung für jemanden, der ein Weblog betreibt – versuchen sich in der Definition ihrer Aktivität. Eine grosse Frage, die immer wieder auftaucht, ist die Beziehung zum traditionellen Journalismus. Der St. Galler Michael Genova, der unter der Adresse www.dienstraum.com Fundstücke und Meinungen zur Medienwelt veröffentlicht, hat dazu eine klare Haltung: "Die Inhalte (von Weblogs, Red.) sind oft Meinungen, Essays, Links zu interessanten Sites und Artikeln. Weblogs sind zum Vornherein ganz etwas anderes als Journalismus in den traditionellen Medien." [...]
Einer, der von einer solchen Umwälzung direkt betroffen wäre, ist Hubert Burda, CEO des gleichnamigen deutschen Zeitschriftenverlags, der in Davos auch mitdiskutierte. Burda zeigte sich angesichts der wirtschaftlichen Turbulenzen im Medienbusiness interessiert an dem neuen Phänomen und wünschte sich vermehrt Weblogs, die sich wissenschaftlichen Themen widmen.
Ganz meine Rede! Ich würde mir mehr Weblogs mit wissenschaftliche Themen, mit Publikationen, Zwischenberichten und Projektbeschreibungen wünschen, sowie einen deutlich stärkeren Einsatz im Studium und im E-Learning. Problematisch könnte hierbei sein, dass Forschungsergebnisse auch einen direkten, materiellen Wert haben können, und dass sich zB Lerner mit einem Weblog doch ziemlich exponieren, was, falls sie mit dem inzestösen Verein der sich hierzulande so Blogosphäre nennt aufeinandertreffen sollten, ziemlich schnell zu Dissonanzen führen könnte. Experimente oder Abkehr von der (Bedeutungs-)Norm sind hier nämlich gar nicht gerne gesehen, zumindest nicht bei einigen, wenigen Schreihälsen, die dafür umso lauter sind. Einen Aussenstehenden dürfte dieser Rückfall in herbste Usenet-Manieren wohl eher irritieren... "Du kennst mich doch, ich hab' nichts gegen Fremde. Einige meiner besten Freunde sind Fremde. Aber diese Fremden da sind nicht von hier!" (Methusalix)

9 Kommentare:

  1. Dave-Kay schrieb:
    Immer her mit solchen Blogs. Endlich mal etwas Interessantes, fernab von standardisierten Inhalten.
    btw. Ob die Vermutung, das könnte zu Dissonanzen mit Webloggern führen nicht etwas überzogen ist? Gilt nicht trotz allem, nur was ich lese, interessiert oder tangiert mich auch? Und würden solche Inhalte nicht auch für die von Dir gemeinten Blogger eher einen Mehrwert darstellen?
    # 26. Januar 2004 - 11:48 Uhr
  2. Thomas schrieb:
    > Experimente oder Abkehr von der (Bedeutungs-)Norm sind hier nämlich gar nicht gerne gesehen
    Ach komm ... Was soll das den bedeuten? Beispiele?
    # 26. Januar 2004 - 12:01 Uhr
  3. anneke schrieb:
    [i]zumindest nicht bei einigen, wenigen Schreihälsen, die dafür umso lauter sind.[/i]

    ICH VERSTEH GAR NICHT, WEN DU DAMIT MEINEN KÖNNTEST!!!!

    ... ;o)
    # 26. Januar 2004 - 12:31 Uhr
  4. Presskopp schrieb:
    Könnte es nicht ein schwerwiegendes Problem mit solchen Publikations-Blogs geben? Nämlich, dass es verflixt viel Arbeit macht seine Gedanken in eine Form zu bringen, in der fremde Freunde sie verstehen können?
    # 26. Januar 2004 - 23:23 Uhr
  5. Dave-Kay schrieb:
    Nein!
    Ganz einfach, weil das gar nicht das Ziel eines Blogs ist. Ein Blog eignet sich wunderbar, ungefiltert Gedanken nieder zu schreiben. Mir doch egal, ob das jemand versteht. Ich schreibe mein Blog doch nicht für andere.
    # 27. Januar 2004 - 09:52 Uhr
  6. Presskopp schrieb:
    Verstehe ich nicht. Warum sollte man sich die Arbeit machen ein Weblog einzurichten, wenn man dasselbe auch mit einem Notizblock oder mit Word erreichen kann?
    # 27. Januar 2004 - 11:38 Uhr
  7. Dave-Kay schrieb:
    weil ein Weblog einen exhibitionistischen Charakter hat.
    Ich glaube, da liegt bei vielen der Hase begraben. Ich schreibe meine Blogs in erster linie um mir Gedanken von der Seele zu schreiben und verfolge keinerlei "journalistischen" Ambitionen. Wenn daran dann jemand teilhaben will, ist das OK. Es entsteht eine sogar gewünschte kommunikation. Ich schreibe es aber nicht um jemandem etwas mitzuteilen, außer vielleicht meine Sicht der Dinge. Ich schreibe es auch nicht, um ein Bild von mir zu produzieren, denn es wäre wirklich krank, wenn das bild auf infol.ant ein gewünschtes wäre.
    Sehr viele blogger aber sind einfach Selbstdarsteller, denen das Bild, welches sie produzieren so richtig gut stehen würde. Das sind oftmals die Blogs, bei denen ich nicht mal mehr den Finger in den Hals stecken muss, weil sie alle ja sooooo toll sind, blärgh.

    ich sehe es so, einfach raus mit allem, was mir so in den sinn kommt und es gibt genug Leute, die darauf anspringen, automatisch, weil es echt ist.
    mit meinem neuen Blog verhält es sich etwas anders, aber ich weiß noch gar nicht genau, in welche Richtung das läuft. Devise ist, erst mal machen und dann gucken, wie es sich entwickelt.
    Und ein Weblog einrichten, ist keine Arbeit, sondern Spaß
    # 27. Januar 2004 - 11:59 Uhr
  8. Presskopp schrieb:
    Bei einem privaten Blog kann ich diese Haltung verstehen. "Weblogs, die sich wissenschaftlichen Themen widmen" verstehe ich aber so, dass man die Absicht hat Leute zu informieren, was eine gewisse Qualität des Inhalts voraussetzt.
    # 27. Januar 2004 - 12:19 Uhr
  9. Dave-Kay schrieb:
    Ich persönlich würde mir diese Arbeit nicht machen. Inhalte rein und somit gespeichert. Ich gehe auch davon aus, dass es bei solchen Projekten dann um Zusammenarbeit gehen wird, bei denen die einzelnen Teilnehmer ohnehin im Thema stehen. Wofür also für den Rest der Welt lesbar anpassen?
    Eine Notwendigkeit, die ich nicht sehe. Wer sich ernstahft damit auseinandersetzen will, wird sich die Infos schon selber filtern, oder es halt lassen.
    # 27. Januar 2004 - 12:45 Uhr

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