Der Mannesmann-Prozess

22. Januar 2004 - 16:53 Uhr - Moe
... hat begonnen. Das Gerichtsverfahren soll klären, ob bei der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone vor knapp vier Jahren rechtswidrig Millionen an amtierende Vorstände und deren Vorgänger im Düsseldorfer Mannesmann-Konzern geflossen sind. Allein dessen damaliger Chef Klaus Esser erhielt 60 Millionen DM. Ackermann sass im Aufsichtsrat des Konzerns und hat die Prämien mitbewilligt. Zudem soll er die wahre Herkunft der Zahlungen verschleiert, also seine Aufsichtsratskollegen falsch informiert haben. [...]
Neben Esser und Ackermann sitzen im Landgericht Düsseldorf auf der Anklagebank: Klaus Zwickel, der als IG-Metall-Vorsitzender einst die grösste Industriegewerkschaft der Welt leitete, Joachim Funk und Jürgen Ladberg, frühere Aufsichtsräte von Mannesmann, sowie der Direktionsmitarbeiter Dietmar Droste.
Auch sie sollen an den umstrittenen Zahlungen von insgesamt 111,5 Mio. DM (gut 57 Mio. Euro) beteiligt gewesen sein. [...]
Besonders brisant ist der Prozess für Ackermann, den mächtigsten Banker Deutschlands: Ungewöhnlich ist erstens, dass der Konzernchef der Deutschen Bank trotz eines solchen Strafverfahrens gegen ihn weiterhin im Amt bleibt.
NZZ: Mannesmann-Prozess wird zum Thriller (21.01.2004)

Die Anwälte der Angeklagten werden zur ersten Garde der deutschen Strafverteidiger gezählt - beispielsweise Ackermanns Verteidiger Eberhard Kempf aus Frankfurt am Main und der Düsseldorfer Anwalt Sven Thomas, der den 56-jährigen Esser vertritt. 123recht.net: Mannesmann-Prozess könnte zum Justizthriller werden (15.01.2004)

Zu dem Vorwurf, Ackermann habe zugelassen, daß der damalige Aufsichtsratschef Funk in einer Sitzung des Vergütungsausschusses am 4. Februar 2000 über seine eigene Prämie abstimmt, sagte Kempf laut Zeit: "Das war ein Flüchtigkeitsversehen, von dem Ackermann sagt: 'Ich hätte es bemerken sollen, habe es aber nicht gleich bemerkt“. FAZ: Mannesmann-Prozeß: Ankläger beharren auf Vorwurf der Käuflichkeit (21.01.2004)

Das meiner Ansicht nach brisanteste Detail, welches seltsamerweise anscheinend weder in den aktuellen Artikeln, noch in den aktuellen blawgs erwähnt wird, betrifft die Richterin Brigitte Koppenhöfer: Langjährige Erfahrung in Wirtschaftssachen hat Koppenhöfers Kammer nicht. Sie selbst hat sich in ihrer Richterlaufbahn seit 1979 überwiegend mit Jugendstrafrecht einen guten Ruf erworben. Immerhin ist sie aber seit drei Jahren mit Wirtschaftssachen betraut. Ihre beiden beisitzenden Richterkollegen sind mit 29 und 35 Jahren ohnehin Youngster auf der Richterbank - und gänzlich neu im Nadelstreifen-Metier. Heute: Richterin Koppenhöfer entscheidet über Mannesmann-Affäre (11.03.2003 !)

Wieso nur wirkt dies auf einen Laien wie mich schon jetzt geradezu grotesk? Man vergleiche die Aussagen zur Fachkompetenz der Richter mit denen über die Anwälte der Verteidigung.

4 Kommentare:

  1. amano.ncr schrieb:
    schon gestern im TV sagte man "wirklich hinter gitter wird hier wohl niemand gehen".

    Die zahlen dann einfach ne Strafe im 6 stelligen Bereich und lächeln drüber weil das Geld in der Zeit wo sie es zu unrecht besitzen ja sicher auch schon gut für die gearbeitet hat und das ganze sich somit doch rechnet.
    # 22. Januar 2004 - 17:14 Uhr
  2. Presskopp schrieb:
    Ich finde es gut, dass endlich einmal ans Licht gekommen ist wie in Managerkreisen gearbeitet wird: anstatt Inkompetenz zu bestrafen wird munter weggelobt oder es werden wegen einer Kündigung absurd hohe Abfindungen gezahlt.
    Aber lassen wir diesen armen Menschen doch ihren Spaß. Wer auf sein Leben um des lieben Geldes willen verzichtet, dem helfen auch noch so hohe Abfindungen nicht weiter.
    # 22. Januar 2004 - 23:08 Uhr
  3. Marco schrieb:
    Der Prozess wird wahrscheinlich wieder ein totaler Reinfall. Am Ende wird das Verfahren doch eh eingestellt.
    # 25. Januar 2004 - 20:01 Uhr
  4. bara schrieb:
    Danke für den Link zur Person der Richterin. Seit Tagen knabbere ich an der Bemerkung eines der Anwälte. Er hat ihre Anklageschrift (? - kommt die überhaupt vom Richter?) als "sehr professionell" bezeichnet. Das wirkte so unglaublich herablassend und ich habe mich seitdem gefragt, was zum Teufel das sollte. So genau weiß ich das jetzt immer noch nicht, aber es gibt irgendwie meht Interpretationsmöglichkeiten.
    # 27. Januar 2004 - 19:27 Uhr

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