Zitat des Tages

27. April 2007 - 14:27 Uhr - Moe
Ich wüsste zu gern mal, ob dieser Mensch das wirklich und ernsthaft so gesagt hat:
Die Musikindustrie sieht in der Art der digitalen Speicherung eine Bedrohung: Weil eine Festplatte, egal wie viel Musik darauf gespeichert ist, immer gleich viel wiege, gehe schleichend das Gefühl für den Wert der Musik verloren, so der Vorsitzende der Deutschen Phonoverbände, Michael Haentjes.
futurezone.orf.at [via Oliver Gassner]

Also ich hab mir gestern bei Amazon zwei CDs bestellt, und eigentlich würde ich die als erstes mal rippen, damit ich sie als MP3s auf meinem Notebook hören kann, so ganz ohne dass es schwerer wird. Ich will ja nich dauernd irgendwelche CDs - ihr wisst schon, dieses grosse, unhandliche Speichermedium aus dem vorigen Jahrhundert - mit mir rumschleppen. Darf ich überhaupt noch Mp3s zum privaten Gebrauch von meinen CDs rippen? Ich muss zugeben, ich hab mich mit der eher lächerlichen Diskussion um die Rechtslage kaum noch beschäftig. Was auch einer der Gründe sein dürfte, wieso ich sonst eigentlich nur last.fm höre. Musik zu kaufen macht bei steigender Rechtsunsicherheit und einer Musikindustrie die immer wieder mal irgendwen pauschal als Verbrecher beschimpft nicht mehr so wirklich Spaß.

Und was meint der Herr Haentjes eigentlich, wenn er vom "Wert der Musik" spricht? Den künstlerischen Wert, die Produktionskosten des Künstlers, oder die Kosten die entstehen wenn man irgendwelche Datenträger herstellt, bespielt, lagert, auf LKWs durch die Gegend fährt, in Verkaufsräume stellt, und von Angestellten verkaufen/kassieren lässt?

Update: Was mir gerade noch so durch den Kopf schiesst: Ist eine Audio-CD denn nicht eine Form der "digitalen Speicherung"? Ich glaub ich versteh das mal wieder alles nicht.

13 Kommentare:

  1. Boris schrieb:
    Manchmal sagen Leute einfach so ganz unabsichtlich die blanke Wahrheit... und sie merken nicht einmal, wie grenzenlos billig ihre kleine Wahrheit ist.
    # 27. April 2007 - 17:02 Uhr
  2. Moe schrieb:
    Geht mir auch dauernd so :)
    # 27. April 2007 - 17:22 Uhr
  3. Alex schrieb:
    Wenn ein Kopierschutz auf der CD ist, dann darfst du sie auch nicht zum Eigengebrauch z.B. als Sicherungskopie oder eben für deine beschriebene Situation nicht kopieren. U.U. hast du dich also eben strafbar gemacht.
    Das dies alles großer Quark ist, braucht nicht erwähnt zu werden.
    # 27. April 2007 - 17:23 Uhr
  4. Moe schrieb:
    Na ich hab die CDs ja erst bestellt und noch nicht gerippt. Ist es eigentlich überhaupt möglich, CDs herzustellen, die zwar der Spezifikation von CD-Audio genügen, aber trotzem einen Kopierschutz haben? Oder andersrum gefragt: Wird mir da vielleicht etwas als eine Audio-CD verkauft, was streng genommen gar keine ist? Also falls da ein Kopierschuzt drauf ist, werd ich versuchen den Kram zu reklamieren.
    # 27. April 2007 - 19:05 Uhr
  5. Alex schrieb:
    Also eine Audio-CD ist streng genommen nur das, was im entsprechenden Standard (war es Red book oder Rainbow books ... !?) definiert ist. Also sollte sie mit irgendeinem der unzähligen Kopierschutzmaßnahmen keine mehr sein, außer irgendeiner wurde in dem Standard bereits mit abgesegnet, was aber recht wahrscheinlich nicht der Fall ist.
    Meistens versagen die verkrüppelten CDAs mit Kopierschutz in High-End-Autoradios. Da hab ich nämlich auch so ein spezielles Exemplar hier: Depeche Mode - Precious (Single). Die läuft dank Kopierschutz nicht in einem Gerät, womit man garantiert keine Kopie von anfertigen kann (ok, natürlich über analoge Ausgänge (Cinch) immer).

    Ob du das reklamieren kannst, wage ich einmal zu bezweifeln. Deswegen muss der Hinweis ja auch auf dem Cover hinten eigentlich stehen. Bzw. steht auch auf dem inneren Rand der CD selber (den sieht man verpackt natürlich nicht). Sonst könnte ja jeder eine kopiergeschützte CD einfach und problemlos mit dieser Begründung umtauschen und sie trotzdem vorher kopiert haben (geht ja eh irgendwie immer).
    # 27. April 2007 - 21:57 Uhr
  6. Mike schrieb:
    Außerdem wurden die von Dir gekauften CDs wahrscheinlich nicht mal als Audio-CDs angepriesen, von daher könnte eine Reklamation schwer werden.

    Wohlgemerkt hat nicht nur die Musikindustrie Probleme mit der digitalen Speicherung. Der Filmindustrie geht es da nicht anders. Neue Technologien erfordern Veränderungen, verlangen finanzielles Risiko. Die Filme "S1m0ne" (2002) und "Strange Days" (1995) greifen diese Diskurse sehr geschickt auf, gehen sogar noch weiter und widmen sich dem Problem der künstlichen Bilder, vor denen Hollywood ja anscheinend sehr viel Angst hat. Aber ich schweife ab. ;)
    # 29. April 2007 - 09:43 Uhr
  7. stefan schrieb:
    Bei Media Markt habe ich schon mal erfolgreich eine CD retourniert mit der Begründung, dass mein Autoradio das Ding nicht abspielen kann. Wie das bei Amazon läuft habe ich keine Ahnung.
    # 30. April 2007 - 02:58 Uhr
  8. David schrieb:
    Amazon hat doch bedingungsloses Rückgaberecht? Gilt aber vielleicht nur für Bücher, ich weiß nicht genau.

    Zum Thema: Der Wert von Musik bemißt sich selbstverständlich nach dem Gewicht des Tonträgers. Bis zur Erfindung des Phonographen war Musik noch extrem viel Wert: Ein Orchester mit Instrumenten wiegt ordentlich was, und selbst ein Streichquartett bringt locker eine viertel Tonne auf die Waage. Mit der Erfindung des Phonographen nahm der Wert der Musik dann rapide ab. Ein unheilvoller Trend, der sich durch die Entwicklung des Grammophons und der Langspielplatte noch verstärken sollte: Von anfänglich 200g auf zum Ende hin nurmehr 125g reduzierte sich das Gewicht etwa einer Stunde Musik. Ein kaum vorstellbarer Wertverlust!
    Doch all das war noch gar nichts, verglichen mit den Entwicklungen, die die Zukunft noch bringen sollte: Auf 13,5g bringt die Anfang der 80er Jahre eingeführte CD knappe 80 Minuten Musik unter - Um ein Drittel verlängerte Spielzeit nur etwas mehr als einem Zehntel des Gewichtes einer LP! Doch der kaum noch schleichende Wertverlust der Musik war noch lange nicht an seinem Ende angelangt! Durch die Entwicklung höchst effizienter Audiokompressionsverfahren faßt eine CD inzwischen bis zum Zehnfachen der oben genannten Kapazität in sehr guter Qualität! Das sind fast 800m/13,5g! Doch auch dies markiert noch nicht das Ende! Die rasante Entwicklung digitaler Massenspeicher führte zu einem immer schwindelerregenderen Absacken des Musikwertes: Sogenannte USB-Sticks bringen ein Verhältnis von über 2000m/10g zustande. Von modernen Festplatten zu reden verbietet sich wegen des wahrlich atemberaubenden Wertverlustes der Musik, der dort zu konstatieren wäre.
    # 10. Mai 2007 - 21:56 Uhr
  9. Michael schrieb:
    Steinigt mich, aber ich empfinde es durchaus so, dass der Mann Recht hat. Es kommt nur darauf an, wie man das Wort "Wert" definiert. Vielleicht wäre es besser, er hätte "Respekt vor der Musik" gesagt.

    Um beim Beispiel des Vergleichs "Orchester, Plattenspieler, MP3-Stick" zu bleiben: Für einen Orchesterbesuch bereitet(e) man sich aufwändig vor, fuhr in einen anderen Teil der Stadt oder sogar einen anderen Ort, hörte ein Konzert und nahm eine wirklich einmalige Erfahrung mit nach Hause, die einen lange Zeit beschäftigen konnte.

    Eine Schallplatte behandelte man noch mit einem gewissen Respekt (zumindest habe ich das gemacht), sie war kratzempfindlich, man musste ihr Sorgfalt angedeihen lassen und die richtige Einstellung des Plattenspielers war entscheidend, wenn man wirklich gut klingende Musik hören wollte. Der Platzverbrauch zwang einen zudem dazu, in gewisser Weise zu überlegen, welche Musik man haben wollte und welche nicht. Man hörte also intensiver und bewusster als heute. Wer umzog, überlegte schon mal, welche Platten vorher mal auf den Flohmarkt etc. konnten, und die "Überlebenden" waren die Songs, von denen man wußte, dass man sie wieder hören wollte.

    MP3-Sticks und Festplatten sind indes bei vielen Leuten, die ich kenne, reine Ablagerstätten: Tausende und Abertausende von Stücken liegen brach in einer bis zur Belanglosigkeit des einzelnen Stückes aufgeblähten, oftmals noch unsortierten Masse ("titel001.mp3"). Da sie gewichtslos geworden sind, werden sie kaum noch gehört und schon gar nicht gewürdigt (=ihnen wird kein Wert mehr beigemessen). Sie sind nur noch belangloser "Soundtrack unseres Lebens", ohne tiefere Bedeutung.

    Dass diese Entwicklung auch unangenehme Nebenwirkungen hinsichtlich der Qualität der _hergestellten_ Musik hat, sei nur noch am Rande erwähnt...
    # 20. Mai 2007 - 20:30 Uhr
  10. mars schrieb:
    lach wie bekloppt ist das denn? das kann man ja sogar über mettbrötchen sagen :)
    # 24. Mai 2007 - 08:40 Uhr
  11. Akatsuki schrieb:
    Jo, dann sollte die ContentMAFIA(!) halt vor Gericht erstreiten, das Festplatten ihr Gewicht mit jedem Musikstück, das darauf gespeichert wird, steigern. Man konnte ja auch einen Provider verdonnern, das er "illegale" Downloads unterbinden muss, was nach meinem Kenntnisstand technisch unmöglich ist. (Ich bin Informatiker und meine, mir diese Feststellung erlauben zu dürfen.)

    Es ist echt schlimm, das Politiker, Richter und Verwerter(gesellschaften) von (Informations)Technik meist keine Ahnung haben.

    Ich persönlich hau mir auch weiter ohne schlechtes Gewissen die Platte voll. Ende.
    # 18. Juli 2007 - 15:50 Uhr
  12. Martin schrieb:
    Tja.....,

    ob Musik bald pro Kilo bezahlt wird?
    Wirklich ein sehr schönes Zitat.

    Gruß aus Berlin

    Martin
    # 24. September 2007 - 14:02 Uhr
  13. Nils schrieb:
    Hey!

    Ich muss sagen, ich bin hier durch Zufall gelandet. Habe eigentlich nach "Musikhändlern" für meinen Shop http://www.emo-online-shop.de gesucht, damit ich endlich mal Ware (Screamo udn Emocore) anbieten kann.

    Aber zurück zum Thema, bei der Audio CD merkt man doch sicherlich den Unterschied, ob da nun 60min oder 80min Musik drauf sind? Etwas Feingefühl bitte!
    Gruss
    # 02. November 2007 - 17:13 Uhr

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