Widerstand gegen Studiengebühren in Hessen

13. Mai 2006 - 16:31 Uhr - Moe
Nachdem die Landesregierung beschlossen hat, allgemeine Studiengebühren in Hessen einzuführen, kam es zu Protesten in nahezu allen hessischen Uni-Städten:
Am Mittwoch war in Frankfurt bei einer Spontandemonstration von rund 2.000 Studierenden Sachschaden in Höhe von mehreren tausend Euro entstanden. Das berichtete die Polizei am Donnerstag. Demnach seien Blumenkübel, Mülltonnen und Autos beschädigt worden. Vier Demonstranten waren vorübergehend festgenommen worden. Ansonsten verlief der Protest jedoch größtenteils friedlich.
hr online: Studiengebühren: Studenten contra Corts

2.500 Studierende protestierten nach Polizeiangaben am Freitagmittag in der Marburger Innenstadt gegen das geplante Gesetz. Studiengebühren seien unsozial, lautete das Credo der Studenten, die Bildung statt Schulden als Investition in die Zukunft forderten. In den kommenden Tagen sollen die Proteste in ganz Hessen ausgeweitet werden, kündigte der Geschäftsführer des Aktionsbündnisses gegen Studiengebühren, Amin Benaissa, am Freitag in Frankfurt an. Auch in anderen Universitätsstädten wie Wiesbaden und Kassel sind weitere Demonstrationen und Vollversammlungen geplant. In Fulda wollen Studierende von Montag an alle Lehrveranstaltungen boykottieren. [...]

In Marburg waren bereits am Donnerstag mehrere Hundert Studenten auf die Straße gegangen und hatten dabei sogar die Stadtautobahn zeitweise blockiert.
hr online: Autobahnblockade und Uniboykott

Gleich zweimal blockierten Studenten die Marburger Stadtautobahn. Am Donnerstagnachmittag waren es rund 600 Studierende und gestern Nachmittag sogar 2500.
HNA online

Die Polizei ging anscheinend in Frankfurt und Marburg dazu über, vereinzelt Schlagstöcke und Tränengas gegen die StudentInnen einzusetzen.

Weitere Links:
Studenten legen Luisenplatz (Darmstadt) lahm (FR), "Diese Landesregierung ist unser Feind" (Gießener Anzeiger)

Sommer, Sonne Straßenkampf in Marburg, Fotos der Grosdemo in Marburg, Proteste in Marburg gegen Studiengebühren, Ffm: Randale, Bambule, Frankfurter Schule, Gegen Studiengebühren in Frankfurt (indymedia)

Viele weitere News-Links und Berichte aus Marburg gibts bei Mike.
Ich frage mich, wie lange die Studierenden den Protest und Widerstand aufrecht erhalten werden. Unis können eher schlecht Gebühren kassieren, wenn die Hauptgebäude und Präsidien immer wieder blockiert oder besetzt werden. Darüber hinaus könnten Demonstrationen und Verkehrsblockaden gerade zu WM-Zeiten erhebliche Störungen verursachen. Und welcher ausländische WM-Gast möchte schon durch Innenstädte laufen, in denen der Verkehr wegen Demos zum erliegen kommt oder StudentInnen von der Polizei umgeknüppelt werden?

Protest-Sites: hessen.uebergebuehr.de (News, Termine), indymedia: Bildung, Udo Corts-Fanclub (mit Terminkalender seiner öffentlichen Termine).
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4 Kommentare:

  1. Aluka schrieb:
    Hm, ich befürchte eher, dass, sollten sie wirklich ihren Protest aufrecht erhalten (was ich befürworte), das einige unserer "sicherheitsbewussten" Minister erst recht dazu bewegen könnte, auf den Einsatz der Bundeswehr im Inland zu bestehen. Und dann knüppelt nicht mehr die Polizei, dann wird das alles ein bisschen heftiger. Die WM-Besucher können ruhig sehen, dass hier einiges nicht so rosig ist, wie es nach außen getragen wird. Diese ganze WM-Sache erinnert mich eh nur noch an die Olympiade zur NS-Zeit, da gab es doch diese tollen Berichte in den Exilzeitschriften. "Wehe ihr hängt eure Wäsche raus, das macht schlechten Eindruck. Und ihr, ihr sagt schön Bonjours zu den Franzosen!"
    Alles sehr komisch.

    Aluk
    # 13. Mai 2006 - 17:42 Uhr
  2. Björn schrieb:
    Yep. Ich bin zwar auch für den Prostest, sehe die Studenten aber am kürzeren Hebel sitzen. Effektivstes Mittel um den Protest zu spalten wäre die Einführung der Studiengebühren vorzuziehen und klarzustellen: "Wer nicht zahlt, der wird exmatrikuliert." Das dürfte den Protest relativ schnell ersticken.

    Ansonsten bin ich, wie mein Vorredner, auch noch nicht sicher, ob das nicht die ideale Gelegenheit für Fluffy Bouvier ist um sich ein bißchen zu beweisen. Kann ja nicht sein, dass nur Schönbohm und Beckstein immer in die Presse kommen. Wenn er sich als der Mann präsentieren kann, der kurz vor der WM die Studentenprostete ruhiggeknüppelt hat (immerhin geht es ja auch darum die Innenstädte sicher zu machen und den Schutz der ausländischen Gäste zu gewährleisten und blablabla), dann würde das sicher CDU-interne Pluspunkte geben.

    Koch kann's eh egal sein. Die Studiengänge die ihn wählen, sind nicht betroffen, die linke Studentschaft würde ihm die Stimme sowieso nicht geben, da kann er also so hart vorgehen wie er lustig ist, und bei der allgemeinen Bevölkerung dürfte er auch an Stimmen zulegen, wenn er dem faulen Studentenpack mal zeigt wo der Hammer hängt.

    Wie gesagt, ich bin auch der Meinung, dass wir so laut wie möglich gegen die Studiengebühren vorgehen müssen, ich glaube nur dass, sollte die Sache wirklich eskalieren (oder sollte auch nur die Presse das Gefühl aufkommen lassen, dass die Sache eskaliert), die Studentschaft den Kürzeren ziehen wird.
    # 13. Mai 2006 - 18:53 Uhr
  3. kiesow schrieb:
    große proteste gerade während der WM könnten tatsächlich etwas bewirken, vor allem wenn halt der WM-ablauf gestört wird - und damit meine ich jetzt nicht, das studenten als flitzer aktiv werden oder irgendwelche randale starten sollen.
    es gibt dabei nur zwei probleme:

    a) werden die meisten studenten lieber die WM sehen als im umfeld stören
    b) während der WM ist eh eine art ausnahmezustand wegen der terror-gefährdung und deshalb könnten die schlagstöcke etwas lockerer sitzen
    # 13. Mai 2006 - 18:58 Uhr
  4. Mike schrieb:
    und sobald der Staat Gewalt einsetzt, werden die Studenten komplett austicken...
    # 13. Mai 2006 - 22:45 Uhr

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