Google Zensur in China

28. Januar 2006 - 15:33 Uhr - Moe
Wieso muss sich Google gegen die chinesische Regierung stellen und nicht Yahoo oder andere Unternehmen? Oder gar andere Regierungen dieser Welt? Auch Google muss sich an die geltenden Gesetze eines jeden Landes halten, in dem das Unternehmen agieren will. In China gehört zu diesen Gesetzen die Zensur von Informationen. Wer das ablehnt, darf keine Geschäfte mit China machen, so einfach ist das. Statt "wir wollen nicht, dass Google zensiert" müsste es eigentlich heißen "wir wollen derzeit nicht, dass Google in China agiert".
[via Spreeblick: Offener Brief an Google]

Google zensiert nicht nur in China, sondern auch in Deutschland - zugegebenermassen in einem weitaus geringeren Maße. Aber das hier ist im Vergleich schon eindrucksvoll: [via Alex Moskalyuk in Jeremy Zawodnys Kommentaren]

Google hat dann auch mittlerweile den entsprechenden Text im Helpcenter geändert. Zuvor hiess es:
Does Google censor search results?
Google does not censor results for any search term. The order and content of our results are completely automated; we do not manipulate our search results by hand. We believe strongly in allowing the democracy of the web to determine the inclusion and ranking of sites in our search results. [...]

Und nun kann man dort lesen:
Does Google censor search results?
It is Google's policy not to censor search results. However, in response to local laws, regulations, or policies, we may do so. When we remove search results for these reasons, we display a notice on our search results pages. Please note: For some older removals (before March 2005), we may not show a notice at this time.
[via Webmaster Blog]

Sollten sich Firmen wie Yahoo, Google, oder MSN überhaupt in China auf den Markt begeben? Sie tun es nunmal, und kommen daher nicht umhin, chinesische Gesetze zur Zensur zu befolgen. Die Hoffnung ist wahrscheinlich, von "innen" graduell das System beinflussen zu können. Nicht aus ideologischen, sondern wirtschaftlichen Gründen (OK dieser Satz ist nun wirklich sowas von dumm, aber ich lasse ihn trotzdem stehen). Weiterhin dürfte das Problem für die Konkurrenten darin liegen, dass es, wenns denn nicht der Eine tut, eben der Andere macht. Schwierige Sache.
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10 Kommentare:

  1. Jeriko One schrieb:
    China tritt die Menschenrechte mit den Füßen, das stimmt natürlich. Aber natürlich kann ich auch Google's Standpunkt (und den von jeder anderen Firma auch) verstehen: Money talks. Und wenn man geschätzte 1,4 Mrd. Menschen mehr erreichen kann, dann wäre ich doch wirklich dumm, wenn ich das nicht tun würde.
    Schlimmer finde ich bei solchen Dingen das Verhalten von Politikern, sie sollten eigentlich die ersten sein, die auf derartige Misstände hinweisen (und verurteilen).

    Zum Filtern selbst habe ich übrigens einen kleinen Artikel geschrieben.
    # 28. Januar 2006 - 16:31 Uhr
  2. der_rex schrieb:
    datt mit den links klappt nicht. bei beiden dieselben bilder. verschwörung? cia?
    # 28. Januar 2006 - 21:08 Uhr
  3. Jeriko One schrieb:
    Naa, ganz so schlimm isses nich, wird wohl eher an den lokalen Einstellungen liegen, Google entscheidet ja selbstständig, zu welcher lokalisierten Version es weiterleitet. Mit meinem deutschen Windows XP zeigen mir auch beide Links das gleiche an, mit meinem englischen Linux mit englischem Firefox unterschiedliche Bilder.
    # 28. Januar 2006 - 22:21 Uhr
  4. Ralf schrieb:
    MSN-Yahoogle zensiert in Deutschland auch rechtsextreme Inhalte. Tun sie es nicht, geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung das sie rechtsextreme Inhalte verbreiten würden.

    Für uns Deutsche ist es ganz natürlich und erwünscht (!) das rechtsextreme Inhalte raus gefiltert werden. In anderen Ländern würde wahrscheinlich auch laut "Zensur" gerufen werden.

    Meinungsfreiheit und das was man unter Zensur versteht, sind stark abhängig vom eigenen Standpunkt und dem Land in dem man lebt.
    # 28. Januar 2006 - 22:45 Uhr
  5. Jeriko One schrieb:
    Exakt. Und mit der Meinungsfreiheit sieht es hier in Deutschland auch nicht allzu gut aus. Der neue Innenminister ist diesbezüglich noch nicht in Erscheinung getreten, aber mir grauts immer noch wenn ich an Herrn Schily denken muss, der die Verfassung einfach mal hat links liegen lassen. Man denke nur an den Fall Cicero...
    # 29. Januar 2006 - 00:00 Uhr
  6. René schrieb:
    Der Vergleich mit Nazipropaganda (etwas anderes sind "rechtextreme Inhalte" nicht) hinkt. Das Ziel der Nazipropaganda ist, die freiheitlich-demokratische Grundordnung abzuschaffen - und das ist nicht legitim. Chinas Zensurmassnahmen zielen hingegen darauf ab, eine freiheitlich-demokratische Grundordnung überhaupt nicht erst zuzulassen.
    # 29. Januar 2006 - 01:16 Uhr
  7. Ralf schrieb:
    Ein Staat sollte auch damit zurecht kommen wenn rechtsextreme Inhalte nicht zensiert werden. In Dänemark sind solche Inhalte zB nicht zensiert. In Schweden und Norwegen ebenso wenig. Genauso in Polen, Russland, den USA und vielen weiteren Staaten.
    Es dürfte wohl eher eine Sache der Bildug/Erziehung sein ob man solche Inhalte zensieren muss oder nicht. In Deutschland hat es aber Geschichtliche Gründe, nicht freiheitlich Demokratische Gründe.

    Eine Zensur mit "freiheitlich Demokratischen" Gründen zu untermauern ist doch hinterfotzig.
    Freiheit bedeutet auch die Freiheit der anders denkenden zu achten. Selbst wenn man ihre Gedanken verachtet.
    Und demokratisch? Wann wurde denn darüber abgestimmt? Wenn die Gesellschaft es ablehnt, dann ist es eine demokratische Entscheidung. Dann muss man es aber auch nicht zensieren weil es nicht genutzt wird.
    Unterm Strich ist Deutschland nicht grade sehr "freiheitlich Demokratisch".

    Kommen wir noch mal zur Geschichte zurück. Glaubst du wirklich das man 3 Milliarden Chinesen so einfach im Schach halten kann wenn sie mit ihren System nicht einverstanden wären? Das hat ja nicht einmal bei 20 Millionen Ostdeutschen geklappt.
    Jetzt kommt aber die "freie" Welt und will den Chinesen vorschreiben wie sie zu denken, zu leben und zu fühlen haben. In etwa das, was die Amerikaner im Irak versucht haben. Einmarschieren, ändern und ausbeuten. Wenn man mit millitärischer Macht nicht einmarschieren kann, dann versucht man es über wirtschaftliche. Und wenn man das Volk nicht auf diesen Weg überzeugen kann, dann sagt man ihnen das ihre Regierung und ihr System böse-böse-böse sind.

    Falls ihr vorhabt in den nächsten 20 oder 30 Jahren auf diesen Globus zu leben, dann verabschiedet euch erst einmal von dem Gedanken das alles was ihr macht und wie ihr denkt richtig ist. Ansonsten seid ihr nicht besser als die christlichen Missionare im letzten Jahrhundert (zum Teil) mit Gewalt versucht haben die Welt zu christianisieren.

    Ich finde diese Einstellung mächtig arrogant. Hinterfotzig sowieso.

    PS:
    Der Vergleich beginnt dann zu hinken, wenn man "rechtsextreme Inhalte" (mal wieder) auf Nazipropaganda reduziert. Vielleicht doch noch mal nachschlagen was "rechtsextrem" und was "Nazipropaganda" ist?
    # 29. Januar 2006 - 12:25 Uhr
  8. Moe schrieb:
    @der_rex, Jeriko One: Soweit ich weiss liegt es nicht am Betriebssystem, sondern an der Spracheinstellung im Browser. Ich sehe bei den Google Images verschiedene Versionen, da ich im Browser in den Options Englisch als bevorzugte Sprache angegeben habe. Deutsch hab ich ganz entfernt, glaub ich.

    @Ralf: Dass Google auch in Deutschland zitiert habe ich eben deswegen ja auch erwähnt. Wie Du nun auf 3 Milliarden Chinesen kommst, weiss ich aber nicht ;-)

    @René: hab ich nicht verstanden. Geht es um eine Unterscheidung zwischen legitimer und nicht legitimer Zensur?
    # 29. Januar 2006 - 13:24 Uhr
  9. Jeriko One schrieb:
    Wenn man http://www.google.cn/intl/z... aufruft, sollte es funktionieren
    # 30. Januar 2006 - 01:04 Uhr
  10. Andi schrieb:
    Da ihr so auf TianAnMen Bilder abfahrt. Habt ihr euch schon einmal die asiatische Ausgabe von CNN angeguckt. Diese (und nur diese) kann man in China empfangen. Dort wird das allzu bekannte Bild von dem Studenten vor dem Panzer in div. Trailern und Sendungen verwendet.
    Die chinesische Regierung scheint also auch mal ein Auge zuzudruecken.

    Aus eingener Erfahrung kann ich sagen, dass es kein Problem mit ist auf "kritische" Bilder zuzugreifen. Es kann sein, dass die Verbindung zwischenzeitlich abbricht. Ist man jedoch hartnaeckig genug schafft man es.

    Auch scheint Googles Zensur in China, bezogen auf reporter-ohne-grenzen.de nicht sehr streng zu sein. Denn auch die Inhalte dieser Seite, ausgenommen kritischer Statistiken ueber das Verschwinden von Reportern in China, sind in der Suche mit einbegriffen.
    # 08. März 2006 - 09:13 Uhr

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