Uni Frankfurt sperrt alle regulären Lehrveranstaltungen für 2500 StudentInnen im Rentenalter

26. Juli 2005 - 16:39 Uhr - Moe
Unter dem Motto "Universität des dritten Lebensalters" lockt die Frankfurter Hochschule seit 20 Jahren Senioren in die Hörsäle. Jetzt will man die Geister wieder loswerden, die man rief. Für die 2500 Uni-Rentner wird das reguläre Angebot ab dem Wintersemester gesperrt.
Offiziell wird die umstrittene Maßnahme von Uni-Präsident Rudolf Steinberg damit begründet, dass es vor allem aus Gründen der Effizienz des Regelstudiums und der geforderten Leistungssteigerung der Lehre jetzt nötig sei, die Universität generell für Hörer der "Universität des dritten Lebensalters" (U3L) zu schließen. [...]

Senioren, die ab dem Wintersemester weiter zur Uni gehen wollen, können sich dann als Gasthörer einschreiben, sofern das aus Kapazitätsgründen zugelassen wird. Für die erste belegte Veranstaltung müssen Gasthörer 100 Euro bezahlen, für jede weitere sind 50 Euro fällig. Das ist deutlich teuerer, als die bisherige "U3L"-Regelung, bei der mit 80 Euro pro Semester alle Türen offenstanden.
Weiterlesen beim Gießener Anzeiger vom 25. Juli 2005. [via kHOSSmos]
(Diesen Beitrag gibt es auch im Weblog Gegen Studiengebühren in Hessen)

11 Kommentare:

  1. bitter_twisted schrieb:
    Ein Student kostet dem Staat grob geschätzt €3000 pro Semester. Das junge Studenten es umsonst kriegen finde ich ungerecht: Erstens ist es ein Beispiel von Förderung für Reichere auf Kosten der Armen. Zweitens fördert freies Studium auch unbrauchbares Studium. Trotzdem rechtfertigen viele das man Menschen umsonst ausbildet, wie man aber rechtfertigt das Rentner auf Staatskasse studieren ist mir schleierhaft.
    # 26. Juli 2005 - 17:43 Uhr
  2. Kossatsch schrieb:
    Es gibt in den Geisteswissenschaften meiner Uni gibt es sehr viele Seniorstudenten. Die nehmen da keinen Platz weg, zeigen den jungen Herren, wie man sich kavalierhaft benimmt und sind zumeist ganz gut vorbereitet. Okay, einige nerven ab un dzu, sind penetrant oder nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Aber die sind doch alle harmlos. Die kosten nix.
    # 26. Juli 2005 - 18:10 Uhr
  3. bitter_twisted schrieb:
    Sie kosten aber viel Steuern. Man kann nicht behaupten die Gesellschaft kriegt das irgendwann mal zurück.
    # 26. Juli 2005 - 19:14 Uhr
  4. Moe schrieb:
    Wieso nicht? Ist man kein Teil der Gesellschaft, wenn man nicht arbeitet?
    Der Bildungsbegriff wurde bislang nie ausschliesslich als ein Mass ökonomischer Verwertbarkeit angesehen.
    # 26. Juli 2005 - 19:43 Uhr
  5. ster schrieb:
    Da das Trackback nicht funktioniert (vermutlich unserseits):
    http://sozialjournal.ch/200...
    # 27. Juli 2005 - 11:12 Uhr
  6. Moe schrieb:
    Trackback habe ich hier abgeschaltet, zuviel Spam.
    # 27. Juli 2005 - 11:21 Uhr
  7. bitter_twisted schrieb:
    @moe
    Natürlich ist man Teil der Gesellschaft wenn man auf Rente ist. Es ist aber für "Die Gesellschaft" eine sehr schlechte Geldanlage Rentner ein Studium zu bezahlen.
    # 31. Juli 2005 - 20:05 Uhr
  8. OnisanT schrieb:
    Auch ich finde es traurig, dass heutzutage alles nur noch als Geldanlage gesehen wird. Muss denn "die Gesellschaft" wirklich nur auf Geld basieren? Hat der Zusammenbruch des Kommunismus dazu geführt, dass der Staat nicht mehr "besser als die anderen" sein muss, sondern nur Geld bringen?
    # 04. August 2005 - 15:23 Uhr
  9. bitter_twisted schrieb:
    Darum sollten wir Wohlfahrt auf freiwilliger Basis organisieren. Kein Gutes das mit unser Steuergelder erreicht wird, kompensiert dafür das es durch Erpressung eingesammelt ist.
    # 06. August 2005 - 15:51 Uhr
  10. Kurt Kraus schrieb:
    Die ständige Rücknahme von Bildungsangeboten für Senioren ist kennzeichnend für den immer mehr um sich greifenden Kulturzerfall in unserer Gesellschaft. In Frankfurt ist die Lebensqualität, vor allem für Rentner, ständig im Sinken begriffen. Inkompetente und gelangweilte Politiker tragen ihren Anteil dazu bei, dass unser Bildungsniveau sich international auf einen der untersten Rängen wieder findet..
    # 21. August 2005 - 17:34 Uhr
  11. seniora schrieb:
    Ich hätte gern einmal eine Berechnung für die Teilnahme eines Rentners am Studium gesehen. Ob in einer Vorlesung 20, 40, 100 Leute dasitzen, was kostet das?
    Wie ich allerlei Informationen entnahm, gehen die Studiengebühren nicht direkt an die Universitäten, sondern an den Staat. Profitieren die Universitäten denn an den Gebühreneinnahmen überhaupt?
    # 21. August 2005 - 22:44 Uhr

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