Zwar gibt es natürlich auch etliche anonyme Blogger -- wer jedoch ernst genommen werden will, schreibt unter seinem realen Namen. Viele veröffentlichen sogar Porträtfotos und persönliche Angaben auf einer "About"-Seite.Technology Review: Das Web sind wir [via muhammad ali vs your weblog]
Joi Ito findet diese Abkehr von der Anonymität nur logisch: "Wer sich online eine Reputation erarbeitet, indem er beispielsweise über ein Fachgebiet schreibt, der will dieses Ansehen auch im richtigen Leben nutzen. Das geht nur, wenn man ihn dort wiedererkennen kann."
Man koennte meinen, es gibt kein anderes Kriterium mehr um zu beurteilen, ob ein Beitrag oder Kommentar "gut" (im Sinne der Moeglichkeit einer konstruktiven Bezugnahme) ist oder nicht. Koennte das auch daran liegen, dass es in den Weblogs hierzulande (noch?) eigentlich nicht so wichtig ist, wer etwas sagt, sondern was gesagt wird? Es gibt ja immer mal wieder so Stimmen die sich wuenschen, dass doch bitte die "wichtigen" Menschen anfangen sollen zu bloggen, weil dann all diese komischen Blogger die man so kennt angeblich schnell weg vom Fenster waeren. Die Links rauszusuchen ist mir aber gerade zu bloede, wieso schreib ich das eigentlich? :)
Aber die Frage ob oder unter welchen Umstaenden man ein Weblog anonym schreiben sollte und wann mit Realname, finde ich viel spannender als ob Blogs nun was mit Journalismus zu tun haben oder nicht. Es scheint jedoch eine ebenso wiederkehrende Frage zu werden.

Stell - auch Dein - Licht nicht unter den Scheffel. Es spielt durchaus *auch* eine Rolle, wer etwas sagt. Und sei es nur, weil bestimmte Blogs ganz einfach von mehr Menschen gelesen werden als andere. Vielleicht geht es hier nicht in erster Linie darum, wer der Mensch hinter einem solchen Blog ist, und in diesem Sinne könntest Du dann doch wieder Recht haben, aber ich denke man kann zumindest sagen, dass es eine Rolle spielt, in welchem Blog etwas gesagt wird. Zugegeben, eine Variation des Themas ;)
da geht es um Datenschutz, um digitale Menschenrechte.
Und gleichzeitig wird gefordert, dass sich der Blogger doch bitte offenbaren soll.
Für mich kommt das jedenfall in absehbarer Zeit nicht in Frage.
Wenn bei N24 jemand nur ("anonym") als Professor und Rechtsexperte vorgestellt wird, der erzählt, dass das was die SPD macht ja eigentlich einer verfassungsfeindliche Haltung entspräche, dann wird diese Information doch anders bewertet, wenn du wüßtest dass der Herr seit über 30 Jahren Mitglied der CDU ist und viele Jahre sogar als Minister gearbeitet hat.
Würdest du nicht auch einen Testbericht über Gerät X eines Bloggers anders bewerten, wenn du wüßtest dass er bei einer Zeitschrift aus der Branche arbeitet und dass Gerät vom Hersteller einfach so überlassen bekommt?
Jemand der anonym online ist, kann sich nunmal seine virtuelle Persönlichkeit so zurechtstutzen wie er möchte - das ist natürlich kein Verbrechen und absolut legitim (!), aber er darf sich doch dann nicht wundern, wenn er es bei manchen Menschen eben schwieriger hat bzw. erstmal mehr Leisten muß bis er ein gewisses Maß an vertrauen gewonnen hat.
In bestimmten bereichen mag der Wille zur verknüpfung der Online- mit der Offline-Identitaet durchaus richtig sein, spätestens wenn das eigene Gehalt davon abhängig ist.
Dann haben also nur Blogger, die ihre ausführliche Biographie schildern, eine Chance, von dir ernst genommen zu werden?
Ich sehe das eher wie Chaoswind. Wichtig ist, was und wie jemand schreibt. Im Idealfall sagen mir sowohl Themenauswahl als auch Schreibstil zu. Da ist's mir egal, ob derjenige sein Geld mit der Zucht von Fröschen oder als PR-Fuzzi irgendeiner Agentur verdient oder arbeitslos ist. Und liest man ein Blog desöfteren, kann man sich schon einen gewissen Eindruck der Person dahinter bilden. Sei es durch die Auswahl der Links, Zitate etc. oder weil hin und wieder doch mal etwas privates einfliesst. Wenn man Pech hat ist diese Person ein Fake. Aber das kann genauso passieren, wenn jemand mit vollem Namen und Biographie ein Blog führt.
für die masse der menschen werden blogs aber erst dann relevant, wenn sie sie als "tools" erkennen. als autorentools für ihre persönlichkeit oder ihre persönliche entwicklung (im netzwerk).
und ein zweiter grund für eine sinkende anonymität, , da stimme ich mit sencer darüber überein, ist ganz einfach die "vermenschlichung" als ausweg der spamrobots und werbefritzen. ich glaube, die stärkste währung die wir in zukunft haben werdne, wird die authentizität sein, die glaubwürdigkeit. egal, ob dann "moe" darunter steht, "don alphonso" oder andreas milles: wichtig ist, dass du als persönlichkeit (im sinne von "absender") wieder/erkannt werden kannst. dann kann man sich auch ein bild von dir machen.
Dahinter steckt doch ebendiese Forderung, wenn ich mir z.B. den Kommentar von sencer anschaue.
> eine Chance, von dir ernst genommen zu werden?
Keineswegs, das ist eine falche Dichotomie. Es geht nicht um schwarz-weiß, ernst vs. lachfigur. Sondern mir ging es darum, dass es eben ein Kriterium ist dass bei der Bewertung einfließt. Ich schrieb ja: "[jemand der anonym unterwegs ist] darf sich doch dann nicht wundern, wenn er es bei manchen Menschen eben schwieriger hat bzw. erstmal mehr Leisten muß bis er ein gewisses Maß an vertrauen gewonnen hat."
Ich schildere ja selber auch nicht meine komplette Biographie, sondern gebe ausgewählte Informationen preis. Also nicht, dass hier die Vorstellung aufkommt, ich versuchte hier Fronten "wir vs. die" aufzubauen. ;)
Bezügl. Lügen: Ja die Gefahr besteht immer, es ist allerdings wesentlich einfacher anonym zu lügen, als eine ausgefeilte, virtuelle Persönlichkeit über lange Strecken mit Leben zu füllen, ohne dass es jemanden auffällt. Das zeigen ja die vielen aufgeflogenen Beispiele (und das wird außerdem auch jeder bestätigen können, der das mal längere Zeit versucht hat).
Im übrigen ist ja vom Verknüpfen seiner Online-Identität mit der realen Identität die Rede. Darunter verstehe ich auch, dass die Angaben die man macht, auch an anderer Stelle nachvollziehbar werden (in Zukunft noch mehr als Heute). Mario Sixtus als Name taucht ja nunmal nicht nur in seinem Blog auf, sondern auch im TR. Hieß er online nun in seinem Blog wammyr0xor und in der Zeitschrift Sixtus, könnte man das nicht verknüpfen. So ist es doch interessanter, und ich kann den Artikel in der TR doch gleich in einem anderem Kontext lesen.
Auch wenn ich hiermit gleich sehr warhscheinlich widerspruch ernte: Es zeugt auch etwas von Reife, wenn man bereit ist mit seinem persönlichen Namen für das was man schreibt einzustehen. Und ich glaube je länger jemand online aktiv ist (ich bin es seit ~ 10 Jahren) um so eher neigt er dazu dass ähnlich zu sehen. Mal einen Blick in die Netiquette geworfen? Da wir deinem ebenfalls diese Empfehlung gemacht.
Um Mißverständnisse vorzubeugen: D.h. keineswegs, dass die Anonymität nicht dennoch wichtig und prinzipiell möglich sein sollte! Lediglich dass man bewußt wählen sollte, wann man wie auftreten möchte, und dass ich (und scheinbar auch andere) der Überzeugung sind, dass es rühig öfter mal der Realname sein kann (und dass eben manchmal positiv belohnt wird).
Anonymität ist ausserdem der einzige Schutz für die freie Meinungsäusserung. Wenn jemandem mit Geld und Anwälten Deine Seite nicht passt, wird er immer irgendwas finden, um Dich dranzukriegen. Das ist leider so. Wenn der Bildblog Ärger hat, finden sich sicher einige Spender für die gröbsten Kosten - wenn mir das mal passiert, dann kann ich dafür erst einmal ein paar Jahre arbeiten gehen ...
Öhm, ketzerische Frage: Wieso soll die Verwendung eines anderen Namens als des Echtnamens einem Autor im Web den Schutz vor Strafverfolgung und zivilrechtlicher Abmahnung sichern? Da gehört schon mehr dazu als ein Pseudonym. Oder bloggt ihr Anonymschreiber alle über JAP und hackt euch vorher immer ein in ein fremdes WLAN ? Soviel Aufwand muss für die Anonymität schon sein, weil mit weniger Aufwand ist man nicht anonym, sondern nicht bei Google/Yahoo/ DNS Stuff zu finden.
Oft wie man ja einfach nur nicht das der (zukünftige) Arbeitgeber mit einem simplen Google-Suche unnötiges über das eigene Privatleben erfährt, oder man will sich vor den Infantilen Racheakten der einfacher funktionierenden Zeitgenossen schützen.
Bei den Trollen da draussen weiss man ja nie auf was für komische Ideen die kommen könnten ;)
Und dann gibt es ja noch den Unteschied zwischen Pseudonym, eingebürgertem Alias und dem von den Eltern aufgezwungen 'Real'namen...
Deshalb meine Ueberlegung:
Die Frage, ob oder wann Anonymität sinnvoll ist (in relativer oder absoluter Form), kann m. E. nur in Bezug auf einen konkreten Inhalt beantwortet werden (oder im Hinblick auf eine klare Blogprogrammatik). Alles andere sind Diskussionen um Prinzipien, die rasch in die Sackgasse führen.
zum einen zum ursprünglichen beitrage: ich glaube nicht, dass wenn "wichtige" menschen anfangen würden zu bloggen, alle bisherigen blogger weg vom fenster wären. ist ja in den usa auch nicht so. im gegenteil. ich glaube, wenn mehr menschen bloggen würden, würde man besser und schneller erkennen können, wer wirklich was zu sagen hat.
und 2. egal wie man es dreht und wendet: mit der zeit (ob nun internet-nutzung allgemein oder individuell lass ich mal dahingestellt) erhalten auch mehr und mehr anonyme user ein gesicht. damit meine ich nicht die trolle oder leute die mal hier mal dort unter verschiedenen pseudonymen auftauchen. durch einen blog gibt es eine "anlaufadresse" und auch personen mit pseudonymen erhalten hierdurch, und wie sie allgemein in der blogosphäre auftreten, ein gesicht. diese entwicklung wird IMO wichtiger, je wichtiger blogs für den (persönlichen) austausch werden.
natürlich, und das meinte ich oben mit "das internet ist breit genug", wird es auch leute geben, die nach wie vor mit einem JAP unterwegs sind und grund genug haben, ihre wahre identität zu verbergen.
Außerdem finde ich, daß jeder die EntscheidungsFREIHEIT haben sollte (egal warum man sich aus welchen Gründen für was entscheidet) und wir das auch als wertvolles Gut betrachten sollten, denn z.B. in Österreich gilt: "Ab 1. Juli muss jede Website ein Impressum samt Namen und "Wohnort" aufweisen, bestätigte Medienrechtsanwalt Andreas Frauenberger im Gespräch mit ORF.at." (http://orf.at/050519-87133/...)
deswegen sollte die anonymität soweit gewünscht und möglich gewahrt bleiben.
ich schreibe auch unter meinem richtigen namen. ich will aber privates schreiben und das öffentliche auch in der blogosphäre trennen können.
Sencer: Wo kommen denn solche Gerüchte her? Für alle kann ich nicht sprechen, aber es ist nicht bei allen Kollegen so, dass sie Testgeräte/Software bekommen und behalten, sondern vielmehr schickt man alles zurück. Die, mit denen ich zu tun habe, mich eingeschlossen, nehmen auch keine Pressetarife bei Webhostern und anderen Providern an, wenn sie drüber schreiben.