Big Brother bei der WM

26. Mai 2005 - 10:35 Uhr - Moe
Die Bundesregierung setzt bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf biometrische Überwachungsmethoden. Ein heute in Stuttgart von Bundesinnenminister Otto Schily vorgestellter Sicherheitsplan sieht unter anderem vor, dass in den Stadien und Innenstädten Spezialkamerasysteme zum Einsatz kommen, die biometrische Gesichtsmerkmale von anwesenden Personen erfassen. Die aufgenommenen Videosequenzen werden in Echtzeit mit existierenden Bild-Datenbanken abgeglichen, in denen die Gesichter von bekannten Hooligans und anderen Gewalttätern gespeichert sind. Erkennt die Software verdächtige Personen, werden Sicherheitskräfte vor Ort alarmiert.
[heise news via jurabilis]

Hmm, ich nehme an es wäre völlig absurd, davon auszugehen, dass die Überwachungskameras nach der WM wieder aus unseren Städten verschwinden. Ich glaub es ist wichtig, dass hierzu ein starker Protest aus der Bevölkerung kommt, wenn die Kameras installiert werden. Aber das wäre wohl illusorisch.

Update: Damit haben wir dann laut Spiegel Online auch automatische Gesichtserkennung in den Innenstädten:
Während der Fußballweltmeisterschaft sollen in Deutschlands Innenstädten Spezialkameras die Gesichter von Passanten biometrisch erfassen und automatisch mit Hooligan-Datenbanken abgleichen. Innenminister Schily setzt auf massive Videoüberwachung, um die Sicherheit zu gewährleisten.
[...]
Schily will in den Innenstädten und auf Partymeilen Spezialkameras aufstellen lassen, welche die Gesichter von Personen scannen und biometrisch auswerten. Diese Merkmale würden in Computern mit den bereits erfassten Gesichtern von Hooligans und anderen Gewalttätern verglichen, berichtet das Blatt. Stellt der Rechner eine Übereinstimmung fest, könnten Sicherheitskräfte vor Ort alarmiert werden, um die Verdächtigen zu kontrollieren.
[via Outsider in Strausberg, Kassandra]

Genau das ist wie ich schon sagte die wesentliche Gefahr bei Videoüberwachung, und nun haben wir die automatische Erfassung, Speicherung und Kontrolle durch Videoüberwachung schon vor der Haustür. Nicht nur Busse, Geschäfte, Züge und Autobahnen werden videoüberwacht (auf Autobahnen werden die Kennzeichen auch bereits automatisch ausgelesen), sondern dann eben auch jeder Fussgänger. Und es ist kein Problem die Personen zu identifizieren, zuzordnen, Bewegungsprofile anzulegen, und das Ganze dann bis zum St. Nimmerleinstag zu speichern.

Die Fussball-Fans werden sicher Verständnis haben.

6 Kommentare:

  1. Jens schrieb:
    Das ganze wird als gelungener Feldtest hingestellt werden, bei dem ja keinem unbescholtenen Bürger etwas passiert sei.

    Dann noch die gefangenen Hools herzeigen und ruck zuck wird dann Innenminister Koch (oder Beckstein) 2006 1984 einleiten.

    Mir schwant sehr Böses.
    # 26. Mai 2005 - 13:28 Uhr
  2. banane schrieb:
    1984 ist doch schon längst eingeleitet, erst waren es kleine, unmerkliche schritte, jetzt werden unsere überwachungsfanatiker mutiger und die schritte, größer, offensichtlicher.
    # 26. Mai 2005 - 14:18 Uhr
  3. Weltregierung. schrieb:
    bei einem Freund kamen die Cops 10 Jahre lang jedesmal vorbei
    wenn wm - em etc waren. Nur weil er einmal EKD-Behandlung hatte.

    Trotz des Fakts, dass er ein bekiffter Rasta inmitten von Skins war
    hat es erst einen Anwalt gebraucht um die Belästigung zu canceln.

    - Garrrgsregierung.
    # 26. Mai 2005 - 16:52 Uhr
  4. Maximilian Junker schrieb:
    Hab die Tage ein Interview mit Schilly gesehen, in dem er sinngemäß etwa folgendes gesagt hat: "... aber wir wollen natürlich nicht, dass die Bürger das Gefühl haben, ständig beobachtet zu werden".

    Und die meisten Leute finden das wahrscheinlich gar nicht zynisch...
    # 26. Mai 2005 - 23:06 Uhr
  5. Moe schrieb:
    Ich bin mir nicht sicher ob Schily das gesagt hat, fand die Äusserung aber auch zynisch. Aber in der Tat wird die meisten Leute eher interessieren was das Bier kostet, nehme ich an.
    # 27. Mai 2005 - 10:08 Uhr
  6. jo schrieb:
    "Und es ist kein Problem die Personen zu identifizieren" - Doch, es ist ein Problem, ist funktioniert einfach (noch) nicht. Nicht einmal, wenn die Zielperson gut ausgeleuchtet freundlich und direkt in die Kamera lächelt. Aber wie Jens schon schrieb: Das ist ein Feldtest, bzw. Testballon bzgl. Akzeptanz.
    # 27. Mai 2005 - 23:44 Uhr

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