Jochen Wegner, Wissenschaftsredakteur des Focus, zeichnet ein pessimistisches Bild der deutschen Bloglandschaft: "Deutschland ist definitiv Entwicklungsland in Sachen Blogs."Impact, Ernsthaft, Qualität, Elite. Sind das die Begriffe die Euch einfallen, wenn Ihr ans Bloggen denkt? Die letzten drei Punkte find ich da wesentlich besser. Vielleicht aber nur, weil ich da keine Ahnung habe ob sie stimmen. Ansonsten dacht' ich ja immer, das Blog-Entwicklungsland seien die Schweizer.
[...]
Aber Wegner hat noch weitere Thesen für die deutsche Blog-Verweigerung parat:
* Es gebe nicht ein einziges wirkliches "Impact-Blog",
* keine ernsthaft betriebenen professionellen Blogs
* und sehr wenig qualitative Blogs.
* Ferner seien die Eliten in Deutschland technologiefeindlich,
* die Menschen würden sich sehr an Reputation orientieren,
* in Deutschland existiere keine Kultur der Rhetorik,
* und schließlich gebe es kein öffentliches Verständnis für Blogs oder wenigstens für die Idee des "Freedom of Speech".
Deutschland, Blog-Entwicklungsland?
26. April 2005 - 10:36 Uhr - Moe
Mario Sixtus hat bei Heise einen Artikel über die Weblog-Konferenz "Les Blogs" in Paris geschrieben:
17 Kommentare:
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Ein besseres Kriterium als Qualität wäre dann allerdings so etwas wie "Themen des betreffenden Blogs sind grundsätzlich für einen größeren Adressatenkreis interessant, der nicht nur das persönliche Umfeld des Bloggers umfasst" = "Angestrebte Öffentlichkeit des Blogs". Dieser Wert korreliert wahrscheinlich mit Qualität.
Im übrigen haben offenbar deutsche Redakteure einen überbordenden Hang zur Miesmacherei. Siehst dus, Herr Sixtus - auch bei Ihnen ist das offenbar so.
@cs: Das Qualität großenteils subjektiv ist trifft ja nicht nur auf Blogs zu, sondern auch auf Bücher, Bilder, Musik und in gewissem Maße auch Zeitungen und Magazine. Bei letzteren kann man aber aufgrund der normalerweise einigermaßen klaren Zielsetzung die Qualität zumindest zum Teil daran messen, wie gut die Zeitung dieser Zielsetzung gerecht wird; *vorgeblich* sind ja z.B. die Zielsetzungen von BILD, FAZ und Gießener Anzeiger in gewissen wesentlichen Punkten gleich.
Vielleicht ließe sich mit dem Qualitätskriterium also bei solchen Blogs arbeiten, die einen gewissen journalistischen Standard für sich beanspruchen (egal ob explizit oder implizit)?
Sicherlich ist die Analyse so zusammengefasst ein wenig herb - aber das liegt sicherlich auch daran, dass hier einfach noch nicht so viel passiert ist, wie beispielsweise in Frankreich. Wobei man für Frankreich dazusagen muss, dass die Millionen von SkyRock Blogs wohl auch ein ziemlich komisches Niveau haben. Loic sprach dabei mehr von SMS-Blogs. Das wird halt vom Sender Skyrock gepusht und hat sich wohl verbreitet. Anders sicherlich die Blogs, die bei LeMonde laufen. Das wird aber von Loic aber bereits seit einiger Zeit angeschoben und die LeMonde'ler haben sich drauf eingelassen und fahren damit recht gut.
Andererseits entwickeln sich hierzulande aber auch einige Blogs die durchaus lesenswert sind. Ganz so negativ würd ich die Sache also gar nicht sehen.
@apollon: das kam beim Wegner Vortrag aber definitiv nicht so rüber.
Obwohl ein wenig Ansporn sicherlich tut täte ;-)
Ich habe damals vermutet, dass die aufgeregte Diskussion um Qualität in Weblogs vor allem damit zusammenhängt, dass wir "medienhistorisch" davon ausgehen, dass etwas, das öffentlich ist, auch automatisch qualitätsvoll ist (im Sinne von "öffentlich relevant"). Das Internet an sich, und Weblogs im Speziellen, lösen diesen Zusammenhang auf - ich kann Dinge "öffentlich" machen, die vielleicht nur für meine 5 Freunde relevant sind; vielleicht schreibe ich sogar noch recht gefällig, aber selbst wenn nicht: Genau darin liegt die Qualität von Weblogs, dass sie sich gewissermaßen ihre Öffentlichkeit suchen.
Ferner fallen mir unter den Bloggern schon große Namen ein, die zumindest unter Bloggern allen bekannt sind (Vowe, Schockwellenreiter, Lumma, Don Alphonso,...).
Dann haben wir auch eine Anzahl von Webseiten die in puncto Form, Interaktivität und Updatefrequenz einem Blog sehr ähnlich sind - auch wenn Dirk Olbertz ihn nicht dazu zählt; der Heise-Ticker ist ein Blog (!) - was Aufmerksamkeit von reinen Blogs abzieht.
Es gab schon mal die Äusserung der Schlafanzugs-Redakteure pikanterweise auch aus Printmedien-Kreisen (wimre stern). Denn es gibt hier ein Konkurrenzdenken; die Zeitungsleute fürchten um ihre Kundschaft.
Blogging muss Spass machen. Und Blogs lesen erst recht.
Nicht mehr und nicht weniger.
Ob jemand ernste Diskussionen bevorzugt, oder eher wahllos spassige Einträge, das sei doch dahingestellt und jeder soll bloggen oder lesen, was er will!
Hört auf mit der Deutschen Sinnfindung!
Warum müssen Blogs jetzt auch noch UNBEDINGT ernst und sinnvoll sein und riesige Diskussionen moderieren - dafür haben wir doch die (aussterbende) Tagespresse... und bei einigen sogar mittlerweile Foren, wo man sich auslassen kann.
@thecod: einige BloggerInnen möchten vielleicht diesen Platz der aussterbenden tagespresse übernehmen, wäre da so meine Vermutung.
Weblogger können eine Pest sein, ehrlich. Und man weiß oft nicht, wer der Idiot am anderen Ende der Tastatur eigentlich ist.
Anobella
:-)
Bis densen und gute Nacht Bloger - Deutschland!!