Vom Papst

20. April 2005 - 11:57 Uhr - Moe
... hörte ich eigentlich immer sehr wenig, da mich das Thema auch nicht die Bohne interessierte. Man bekam eigentlich nur mit, daß der gute Mann immer mal wieder irgendwo gesagt haben soll, daß Sex doch bitte der Fortpflanzung dienen solle und Verhütung daher irgendwie evil sei und Abtreibung sowieso und schwule Beziehungen erst recht. Oder irgendwie so. Bei derart abstrusen Aussagen hört man ja auch nicht so genau hin, denn man muss ja nicht jeden Extremisten irgendwie ernst nehmen. Naja und ansonsten küsste der Papst halt irgendwo medienwirksam den Boden oder hielt mal irgendein Kind hoch. Selbst ein relativ großer Teil der Katholiken die ich so kenne, nahm das natürlich nicht allzu ernst, was dieser Mensch da machte. Das war auch gut so, und deswegen wars irgendwie auch egal. Ob man ihn nun gut oder schlecht fand.

Das scheint sich seit dem Tod des Papstes radikal geändert zu haben. Das Medienspektakel ist unglaublich, volle Breitseite auf naja nicht allen aber der Hälfte der Kanäle. Da schaltet man ahnungslos in irgendeinen Nachrichtensender, und dann sitzen die da tatsächlich und schaun sich ewig lang so einen kleinen Schornstein an und fachsimpeln darüber, ob der Rauch nun weiss, schwarz, grau oder rauchfarben sei. Und anscheinend gehen die Leute gut mit. Vielleicht war der Papst für sie nie diese eher absurde Gestalt als die er mir erschien, oder aber diese Betrachtungsweise hat sich einfach mit dem Tod des Papstes grundlegend geändert. Plötzlich ist das alles irgendwie sehr, sehr wichtig. Und ich weiss noch nichtmal, obs daran liegt daß der Papst nun mal irgendwann gestorben ist, oder ob es erst durch das unbändige Medienecho angefacht wird.

Naja und "unser" Vorzeigeblatt nutzt die Gelegenheit der Stunde gleich um dumpfen Nationalismus mit Religion auf totalitäre Weise zu vermischen. Wir sind Papst. Ob "wir" damit auch seine Positionen teilen sollten ist leider unklar. Aber ich nehme an, als nächstes erzählt wieder irgendeiner was von christlichen Grundwerten in Deutschland und in Europa.

4 Kommentare:

  1. KnoedelDealer schrieb:
    Der Untergang des christlichen Abendlades!
    # 20. April 2005 - 15:06 Uhr
  2. Thomas Wanhoff schrieb:
    Lieber Moe! Man mag zum Papst stehen wie man will, aber man sollte doch zumindest respektieren, dass es eine Kirche gibt und Menschen, die glauben. Ob "Wir sind Papst" dumpfer Nationalismus ist, mag mal dahingestellt sein: In Deutschland eine Zeitung "totalitär" zu bezeichnen, zeugt von Unkenntnis dessen, was "totalitär" ist. Einige Menschen in Burma und Nepal würden sich freuen, wenn sie wenigstens Bild hätten.
    Das vereinte Einschlagen vieler Blogger auf die Medien habe ich anderer Stelle ausreichend gewürdigt - es zeugt eben wenig von Medienkenntnis.
    # 20. April 2005 - 17:19 Uhr
  3. Moe schrieb:
    Hi Thomas,
    Deiner Kritik an meiner Begriffsverwendung stimme ich zu.
    Was die Omnipräsenz des Themas in den Medien angeht, ich denke sie ist nicht zu übersehen. Den Glauben der Menschen will ich hiermit sicher nicht in Frage stellen, doch sind Glauben und Kirche nicht unbedingt ein- und dasselbe.
    # 20. April 2005 - 18:45 Uhr
  4. Moe schrieb:
    Lange hats nicht gedauert, bis jemand die Überlegenheit der Christen feiert: http://www.spiegel.de/panor...

    Da haben wir ja schon die Diskussion um christliche Grundwerte...
    # 22. April 2005 - 15:19 Uhr

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