Weblog-Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung

22. März 2005 - 12:28 Uhr - Moe
In der jüngsten Zeit fällt vor allem die rasante Entwicklung der so genannten Weblogs ("Blogs") und die "Camcorder-Revolution" auf. Dem ersteren Themengebiet widmet sich nun eine Tagung der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).

Auf der am 07. und 08. Mai in Wiesbaden stattfindenden Tagung werden hochkarätige Journalisten, Medien-Macher aber auch Medien-Kritiker die wichtigsten Internet-Projekte vorstellen, diskutieren und kritisieren. Dabei untersuchen sie die Rahmenbedingungen und Zukunftsperspektiven von neuen Formen der Kommunikationsorganisation und Bürgerbeteiligung und diskutieren die Wirkungen von Weblogs auf die demokratische Öffentlichkeit. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage: Wie wird sich der Journalismus verändern, wenn der Einfluss der Blogger zunimmt?
[via net-tribune.de] (Bei der bpb selbst habe ich nichts dazu gefunden)

Update: Bei convers.antville habe ich das Programm der Tagung gefunden. Bemerkenswert sind die Angaben zur Teilnehmerzahl und den Preisen.

Das klingt sehr interessant. Schade finde ich nur diesen absoluten Fokus auf Weblogs vs Journalismus. Ok, bloggende Journalisten dominieren diese Diskussion, und daher wird sie sowohl auf Seiten der Blogs als auch auf Seiten der Journalisten immer wieder aufgewärmt, ohne daß es etwas substantiell neues gäbe oder geben könnte. Der Journalismus bearbeitet hier gemäß seinem eigenen Code diese Fragestellung in Weblogs. Damit wird es jedoch nicht zu einer Frage, mit der sich die meisten Blogger auseinandersetzen (müssten).
Ich denke nicht, daß sich das Potential von Weblogs auf journalistische Bereiche beschränken wird. Wir lernen mit und kommunizieren tagtäglich über Weblogs, und das ist in meinen Augen erst einmal keine journalistische Diskussion, wieso sollte es auch?
Das heisst nicht, daß Weblogs keinen Einfluß auf den Journalisus hätten. Ich glaube nur nicht, daß er für die meisten Blogger eine sonderlich zentrale Frage ist. Aber ich schweife ab.

16 Kommentare:

  1. Rene schrieb:
    "Camcorder-Revolution"? WTF ist die "Camcorder-Revolution"?
    # 22. März 2005 - 13:51 Uhr
  2. Moe schrieb:
    TP: Wo geht es hier zur Camcorder Revolution?
    http://www.heise.de/tp/r4/a...
    # 22. März 2005 - 13:57 Uhr
  3. sonrisa schrieb:
    Ich denke, Weblogs vs. Journalismus ist ein Akademikerdiskurs, in der Breite aber bedeuten Weblogs Unterhaltung, nicht Öffentlichkeitsarbeit oder Karriere.
    # 22. März 2005 - 14:15 Uhr
  4. der Haltungsturner schrieb:
    In der Breite bedeutet auch Journalismus Unterhaltung. Nur mal so am Rande. Der Popanz Journalismus wird nett kleiner, wenn man ihn mal genauer anguckt. Übrigens sind die Programme der Tagung, die zurzeit kursieren, alle veraltet :-)
    # 22. März 2005 - 15:49 Uhr
  5. Irene schrieb:
    Der Weblog-Popanz wird kleiner, wenn man näher hinsieht. Das Thema Weblogs vs. Journalismus ist im deutschen Sprachraum nur innerhalb eines sehr engen Themenspektrums relevant: Weblogs, Copyright, Weblogs, Musikdownload, Weblogs, Software, Weblogs, Heisenews... was junge Männer halt so interessiert :o)

    Herr Haltungsturner, wie darf man Ihren Kommentar verstehen? Treten Sie dort persönlich als Referent auf?
    # 24. März 2005 - 12:49 Uhr
  6. Irene schrieb:
    Nachtrag: Ja, siehe Conversant.
    # 24. März 2005 - 12:55 Uhr
  7. Lucomo schrieb:
    @Haltungsturner: "In der Breite bedeutet auch Journalismus Unterhaltung". Unter dem Gesichtspunkt kann man entweder fast alles als "Unterhaltung" abtun, was nicht in den Bereich Schlafen, Essen und Geld verdienen fällt, oder der Journalismus, von dem sie sprechen, ist eigentlich kein Journalismus mehr.
    # 24. März 2005 - 14:00 Uhr
  8. Balbina Laye schrieb:
    Ich denke, dass der individuelle Ausdruck zunehmen wird - in Unterhaltung oder Information oder was auch immer. Schwergewichtige Konferenzen dazu bringen was? Die journalistischen Pfründe waren mit der Ausbreitung des Internets bereits verloren und ich finde - zum Glück.
    # 24. März 2005 - 14:26 Uhr
  9. Irene (noch ohne Frühlingsenten) schrieb:
    Am Niveau dieses Threads kann man ja klar erkennen, dass Weblogs den Journalismus ganz locker ersetzen können.
    # 24. März 2005 - 15:03 Uhr
  10. Lucomo schrieb:
    @Balbina Laye: Mein Vorschlag an die Journalisten wäre bei der von dir treffend beschriebenen Situation, ihre Rolle nicht mehr als "Gatekeeper" zu definieren, denn diese Rolle gleitet ihnen längst aus den Händen, ob sie wollen oder nicht. Wegen der technischen Entwicklung. Schließlich ist der Begriff "Gatekeeper" auch ein technischer Begriff. Journalisten werden in Zukunft immer weniger "bestimmen", worüber in der Gesellschaft gesprochen wird. Diese Entwicklung finde ich auch gut. Der Journalismus als ernstzunehmender Beruf kann im Wettkampf der vielen unterschiedlichen neuen Nachrichten- und Meinungsmacher nur bestehen, wenn er das ihn definierende Handwerk auch tatsächlich ausführt - besser ausführt als früher: Nämlich das Streben nach möglichst (!) objektiver Berichterstattung und möglichst objektiver Analyse - also unterfüttert mit gut recherchierten Fakten und frei von einer schon vor der Recherche festgezurrten Meinung. Meine Hoffnung ist, dass Berichte und Artikel, die solch einem Ideal folgen aus dem Meer an Meinungen als Orientierungspunkte herausragen. Würde man also das, was den Journalismus eigentlich ausmacht, anfangen als "Unterhaltung" zu betrachten, dann hätte er vermutlich gegenüber den vielen anderen Unterhaltungsformen, die es schon gibt und die immer neu entstehen, kaum eine Chance, relevant zu bleiben.
    # 24. März 2005 - 15:38 Uhr
  11. Moe schrieb:
    @Irene: Das versteh ich nun nicht. Kannst Du mir das erklären? Was meinst Du mit Niveau, und auf welche Kommentare beziehst Du Dich?
    # 24. März 2005 - 15:43 Uhr
  12. Irene schrieb:
    Das war ein Scherz, er gilt v.a. Balbina Laye und allen sonstigen Pauschalaussagen, die zu diesem Thema kursieren. (Den Haltungsturner habe ich evtl. nicht ganz verstanden.)

    Dass das Themenspektrum der deutschsprachigen Blogosphäre nicht gerade breit ist, denke ich auch im Ernst, aber das kann sich ja noch ändern. Wenn nicht, stört das auch nicht weiter, wenn man Englisch kann.
    # 24. März 2005 - 15:57 Uhr
  13. Moe schrieb:
    Danke. Ich glaube die Weblogs-Journalismus-Irgendwas Debatte findet in einigen wenigen hundert Weblogs (im deutschprachigen Raum) statt. Da bleiben schon noch einige andere. Ist aber nur meine Wahrnehmung.
    # 24. März 2005 - 16:00 Uhr
  14. Lucomo schrieb:
    @Irene: Die Qualität dessen, was manche Journalisten über die ganze Schose Weblogs-Journalismus so von sich geben, überzeugt mich auch nicht gerade. Deswegen dachte ich, ihr Lob zur Qualität des Threads war ehrlich gemeint. Dank Moes Nachfrage bin ich nun klüger. Wieder was gelernt. Und tschüss.
    # 24. März 2005 - 16:35 Uhr
  15. Balbina Laye schrieb:
    @Lucomo: Ja, die Journalisten betrachten sich als "Gatekeeper" und sind es auch noch in gewisser Weise, weil viele Menschen glauben, das wäre objektive Berichterstattung - das wäre DIE Wahrheit und durch diesen Glauben haben sie großen Einfluß.

    Der Punkt ist, dass es keine wirkliche objektive Berichterstattung gibt. Es gibt Massenereignisse, die scheinbar irgendwo passieren, aber wenn ich z.B. meine Welt betrachte, gibt es darin keinen Krieg etc. Es sind immer die Erfahrungen Anderer, die mich nur tangieren, wenn ich mich auf die gleiche Linie bringe oder bringen will. Zudem filtern die Journalisten die Informationen durch ihre eigenen Überzeugungen, was sie nicht vermeiden können.

    Die Weblogs haben nicht diesen allumfassenden Anspruch auf "objektive" Information. Sie berichten viel von eigenen Erfahrungen, Wünschen, Neigungen und Philosophien. Das macht sie attraktiv. Es ist eben ein individueller Ausdruck und ich denke, dass das Individuum mehr und mehr an Selbstbestimmtheit und Macht zulassen wird. Weblogs sind sozusagen die Vorboten.

    Vielleicht erscheint meine Aussage manchem "pauschal"... Ich selber halte ein Leben, das sich an Statistiken und Meinungen Anderer (z.B. Journalisten) orientiert, für ... uninteressant. Medien und Weblogs sind einfach nur Unterhaltung und man kann sich herauspicken was man will. Im günstigsten Fall amüsiert man sich oder hat ein Aha-Erlebnis. Mehr Bedeutung haben sie nicht....
    # 26. März 2005 - 09:07 Uhr
  16. Bito schrieb:
    @Balbina Laye: Natürlich können Journalisten nicht über ALLES berichten, was auf der Welt geschieht (wer wollte und könnte das auch alles lesen?), dennoch erfolgt die Auswahl in der Regel nicht "durch ihre eigenen Überzeugungen", sondern aufgrund des vermuteten Leser-Interesses (schließlich muß sich das Medium irgendwie finanzieren): Deshalb findest Du in Deutschland z.B. viel mehr Informationen zum Thema Fuißball als meinetwegen zum Sumo-Ringen (in Japan mag das anders sein). Selbst die vielgescholtene Bild-Zeitung bestimmt meist nicht die Themen des Stammtisches, sondern nimmt diese lediglich sehr schnell wahr und "reitet auf ihnen rum" -- und zwar vor allem, damit die Leser sich in ihrer Meinung bestätigt fühlen (schließlich fühlt dieses Gefühl langfristig zu einer "emotionalen" Bindung an das Blatt).

    Ich mag es nicht mehr hören, daß den vielen redlich und für mäßigen Lohn arbeitenden Redakteuren und Journalisten hierzulande immer wieder unterstellt wird, sie wollten die "Welt verbessern", die "Leute manipulieren","Meinungen unterdrücken" etc.
    # 01. April 2005 - 08:48 Uhr

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