Gefährliches Gießen?

17. November 2005 - 17:00 Uhr - Moe
Mein Heimatstädtchen Gießen scheint ein ziemlich gefährlicher Ort zu sein, wenn man der hiesigen Polizei Glauben schenken will:
"Die Innenstadt ist erheblich mit Straftaten belastet", schob Klingelhöfer [Dienststellenleiter der Polizeistation Gießen-Nord] nach und unterstrich die Notwendigkeit einer Wache im Stadtzentrum. Seit Jahren nehme Gießen bei der Pro-Kopf-Kriminalität in Hessen hinter Frankfurt den zweiten Platz ein. In vielen Fällen sei es bereits als Erfolg zu werten, wenn eine drohende Eskalation erst gar nicht in eine Straftat münde, schilderte Klingelhöfer die Taktik der Polizei, bereits im Vorfeld tätig zu werden.
[via Gießener Anzeiger]

Die Polizei scheint sich nun also dahingehend legitimieren zu wollen, dass Straftaten, die überhaupt nicht passiert sind, ja jederzeit geschehen könnten - oder wie soll ich das verstehen?
Das ist nicht ganz untrivial, da man immer wieder eher seltsame Berichte über die hiesige Polizei liest, ich berichtete ab und zu:
Ähnlich dubiös äussert man sich dann auch zu der Videoüberwachung (NewSpeak: Videoschutzanlage) am Marktplatz (Foto):
Zurückhaltend äußerte sich Jakobi auf die Frage nach einem Rückgang der Kleinkriminalität seit der Installierung der Kamera. "Mit aller Vorsicht lässt sich sagen, dass die Veränderung nicht allzu groß gewesen ist", so der Leiter der Polizeidirektion. Dienststellenleiter Klingelhöfer ergänzte, dass es sich dabei vor allem um eine "taktische Maßnahme" handele.
[via Gießener Anzeiger]

Was ist also mit "taktische Maßnahme" gemeint? Dass eine Oma sich unter Videoüberwachung eventuell sicherer fühlen könnte, obwohl sie es faktisch gar nicht ist? Also zumindest wird die Polizei so langsam einmal erfrischend ehrlich in Sachen Videoüberwachung. Dabei ist Gießen mittlerweile eh mit einer relativ hohen Dichte von - überwiegend privaten - Überwachungskameras versehen (Fotos: Überwachungskameras in Gießen).

Ausserdem müsste man einmal erklären, wie diese Kriminalitätsstatistiken für Städte wie Gießen und Frankfurt denn überhaupt zustande kommen. Ob es nicht vielleicht so ist, dass die im Stadtbereich angegebenen Straftaten einfach auf die im Stadtbereich wohnenden BürgerInnen statistisch angerechnet werden. Was dazu führt, dass - rein rechnerisch - diejenigen Städte, die ein hohes Aufkommen an Pendlern haben, "gefährlicher sind". Denn die rechnerische Einwohnerzahl bleibt zwar gleich, aber es befinden sich tagsüber viel mehr Leute von ausserhalb in der Stadt, die eventuell eine Straftat begehen könnten. Wobei man ja auch durchaus nochmal zwischen den Straftaten differenzieren könnte. Wieviel man so als Polizist über Statistik weiss, ist mir allerdings nicht bekannt. Also ob die nun bewusst lügen, oder es in der Tat einfach nicht besser wissen. Oder vielleicht auch einfach glauben wollen.

3 Kommentare:

  1. Dan schrieb:
    Das mit der Statistik ist garantiert so. Ich habe zufällig heute morgen genau über diese Verzerrung in Frankfurt bei Wikipedia gelesen. Dort werden sogar fleißig die Straftaten am Flughafen auf die Einwohner umgelegt, die damit wahrscheinlich herzlich wenig zu schaffen haben. Die Main-Stadt ist tagsüber eine Millionen-Stadt mit einer entsprechend vielen Straftaten.
    Übrigens: nicht nur Poizisten brauchen Nachhilfe in Statistik, sondern auch Journalisten. Siehe den heutigen Mehrwertsteuer-Eintrag in meinem Blog...
    # 18. November 2005 - 00:00 Uhr
  2. René schrieb:
    Kriminalität in Gießen setze ich eigentlich pauschal mit den Burschenschaften hier gleich. Die sind IMO der gefährlichste Faktor. Es wäre also sinnvoll, sämtliche Burschenschaften zu schließen, womit Gießen überhaupt keine Kriminalität mehr hat.
    # 19. November 2005 - 14:51 Uhr
  3. Moe schrieb:
    >wäre also sinnvoll, sämtliche Burschenschaften zu schließen

    Wichtig scheint mir da noch zu erwaehnen, dass eine Verlagerung der Kriminalitaet dabei nicht stattfaende ;-)
    # 19. November 2005 - 17:17 Uhr

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