Bei der projektiven Fürsorge besteht der erste Schritt immer in der Projektion des Unbewußten des Erwachsenen auf das Kind; sie kann von der empathischen Fürsorge dadurch unterschieden werden, daß sie in bezug auf die eigentlichen Bedürfnisse des Kindes entweder unangemessen oder unzureichend ist. [...](DeMause 1977, S. 32)
Die projektive Fürsorge reicht allerdings aus, um Kinder großzuziehen, bis sie erwachsen sind.
DeMause geht davon aus, daß nur sehr wenige Eltern in der Lage sind, ihre Kinder unabhängig von ihren eigenen projezierten Bedürfnissen als eigenständige Individuen anzuerkennen. Der Psychotherapeut Amos Gunsberg ist laut deMause der Ansicht, dies passiere - bei Patienten in Psychotherapie - erst nach einer gewissen Zeit der Psychoanalyse. Nämlich zu dem Zeitpunkt, wo der Patient zu einer Vorstellung von sich selbst als Individuum, welches von der allumfassenden Mutter getrennt ist, gelangt (vgl. ebd., S. 35).
Siehe auch Schicho, W.: Geschichte der Kindheit - Geschichten aus der Sicht der Kinder.
Tags: Lloyd deMause, Geschichte der Kindheit, Projektion.
