Studiengebühren: Dümmer gehts nimmer

27. Januar 2005 - 12:02 Uhr - Moe
Die Dümmlichkeit der Äusserungen im Bezug auf Studiengebühren ist unermesslich. So schreibt die Zeit: [...] auch wenn die jetzt diskutierte Summe von 1000 Euro pro Jahr nicht viel höher ist als eine studentische Handyrechnung in der gleichen Zeit. Ob es wohl auch Befürworter gibt, die nicht entweder noch nie eine Uni von innen gesehen oder aber einfach zuviel Geld haben?
Der Ansicht zu sein, man könne ca. 13% seiner Gesamtlebenskosten in das eigene Handy investieren spottet jedenfalls jeglichem Realitätsbezug.

Das toppt all diese hohlen Aussagen, welche uns Glauben machen wollen daß der Wissenschaftsbetrieb Uni irgendetwas mit "Kunden" und "Geschäften" zu tun habe, und daß Gebühren eine "wertbewusste Inanspruchnahme" (LOL) seien bei weitem. Welche hohle Absurditäten man da so als langzeitgebührenzahlender Kunde wertbewusst in Anspruch nimmt, habe ich hier ja bereits mehr als einmal geschrieben.
Und was Gebühren mit besserer Qualität zu tun haben, also das muss man anscheinend nicht mal mehr ausführen, da es der Pöbel allem Anschein nach auch schon in Form dieser leeren Phrase für etwas gutes erachtet. Was mehr kostet war ja schliesslich schon immer besserer Qualität - ja nee iss klar, Freunde.

Die angebliche "Sozialverträglichkeit" welche immer wieder herbeigelallt wird, ist eine reine Farce: So waren bereits im Jahre 2003 wo es noch nichtmal Gebühren für LangzeitstudentInnen gab diejenigen aus niedrigen sozialen Schichten krass benachteiligt: Von 100 Kindern, deren Väter der Herkunftsgruppe "niedrig" zugeordnet wurden, nahm im Jahr 2000 etwa jedes zehnte ein Hochschulstudium auf. Nahezu drei mal so hoch war die Bildungsbeteiligung von Kindern der Herkunftsgruppe "mittel" (29 %). Noch extremer sind die Unterschiede, wenn Kinder der Herkunftsgruppe "niedrig" mit solchen aus "gehobenen" Schichten verglichen werden. Letztere haben sechsmal so hohe Chancen (66 %) auf ein Hochschulstudium wie erstere, berichtet die 17. Sozialerhebung des Studentenwerkes (PDF).

1 Kommentar:

  1. Wolgang Flamme schrieb:
    Ich halte höhere Beiträge für realistischer, aber auch für wirksamer.

    Denn für 80 Euro/Monat kann einem jeder aus der hohlen Hand vorrechnen, daß man dafür nix erwarten kann. Solche Beträge werden einfach ohne erkennbare Gegenleistung versickern.

    Andererseits ist auch klar, daß man keinen Saustall ausmistet, indem man ihm noch größere Beträge zukommen läßt.

    Ich seh da eigentlich nur die Möglichkeit, das über Wettbewerb zu regeln. An Deiner Uni würdest Du wohl kaum 5.000 Euro jährlich an Kredit abstottern wollen, denke ich. Empfiehlst Du ja auch Deinem 'künftigen' Kind nicht.

    Da bleibt nur, solchen Bildungsbetrieben das Messer an die Kehle zu halten: Radikal ändern und überleben oder dichtmachen. Die Alimentation früherer Zeiten hat ja erst zu solchen Strukturen geführt, die selbst auf kleinste Änderungen mit unbeschreiblichem Chaos antworten.
    Das das Ganze eine Schweinerei ist, die allein dem Weiterwurschteln zugute kommen wird, das sehe ich ein. Diese "He, hassemaln Euro"-Salamitaktik scheint ja an allen politischen Fronten immer beliebter zu werden. Und die Vergangenheit hat gezeigt, daß das keine Frage der Partei ist, die gerade am Ruder ist - im rumwursteln und Scheibchenschneiden sind die alle gleich gut. Bei Rot-Grün hättest Du vermutlich etwas öfter Tofu auf dem Mensaplan, das wär's dann aber auch gewesen.

    Btw: Wie hat's Dich denn ausgerechnet an diese Horror-Provinzuni verschlagen; gab's da keine bessere Alternative?
    # 27. Januar 2005 - 17:28 Uhr

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