News ist der Name einer gestern in Frankfurt gestarteten Tabloid-Zeitung. In dieser wird es zunächst täglich eine Blogschau geben, welche kurze Zitate aus Weblogs zu ausgewählten Themen präsentiert, die man anschliessend in einem Weblog nachlesen kann. Alles in allem ist es einfach mal ein Versuch Weblogs und Printnachrichten zu verbinden.
Wie ich sehe wird das Thema in manchen Weblogs bereits rege diskutiert - teils erstaunt mich das in seinem Umfang, teilweise nicht da in manchem Fall sowohl die Form wie auch die Argumentation mehr als absehbar waren. Dort ist dann eine sachliche Diskussion weder möglich noch erwünscht.
Deswegen nehme ich mir hier mal die Zeit, allen anderen kurz meine Sicht der Dinge darzustellen. Ich weiss zwar nicht ob ich das muss oder soll (es ist ja nicht so dass irgendjemand mich gefragt hätte), aber das hier ist nun meine subjektive Meinung dazu.
Nico Wilfer hatte mir vor ein paar Wochen von diesem Projekt erzählt und mich gefragt ob ich Lust habe mitzumachen. Naürlich hat Nico dabei sein Projekt myblog.de im Rücken, welches unheimlich vielen Leuten eine eigene Stimme im Web bietet, und darum geht's (mir) beim Bloggen letzten Endes ja auch.
Ich habe zunächst gezögert da ich einer kommerziellen Verwendung von Weblog-Content grundsätzlich skeptisch gegenüber stehe. Letztendlich hat man in so einer Situation das Problem, daß man schlecht entscheiden kann wo eine kommerzielle Verwendung beginnt, was zulässig ist und was nicht, und ob alle Blogger das nun gut finden oder nicht. Man kann jetzt natürlich einfach eine der beiden Positionen vereinnahmen und glauben man spräche hier nun für alle Blogger und ein Zitat von wenigen hundert Zeichen sei Diebstahl. Das ist natürlich ebenso unkonstruktiv wie anmassend. Da die Weblogs sehr kurz zu einem Thema zitiert werden (1-3 Sätze) und die Quellen angegeben werden sah ich hierbei kein Problem. Ungefähr so wie nur wenige Blogger ein Problem darin sehen, ein kurzes Zitat aus den Internetseiten einer Zeitschrift in ihr Weblog zu kopieren, auch wenn der Verlag irgendwo angibt dass der Nachdruck, auch auszugsweise und/oder in elektronischen Medien, der Genehmigung bedarf. Aber das geht in eine andere Richtung, also zurück zum Thema: Mein Eindruck war, daß es eine gute Chance ist hier Weblogs in die Zeitung zu bringen und somit die Themen nicht mehr auf das eine oder andere Format zu beschränken. Ich denke es ist eine gute Gelegenheit, Weblogs und Blogger mehr in Diskurse über gesellschaftliche Themen einzubringen. Und wenn der eine oder andere News-Leser sich da durchklickt und vielleicht einige Weblogs kennen und schätzen lernt so denke ich das wäre eine prima Sache.
An der Art und Weise wie zitiert wird kann ich nichts problematisches erkennen was die Länge des Zitats sowie die Angabe der Quelle angeht. Natürlich bin ich kein Jurist und auch kein Journalist (beides habe ich auch nie behauptet), dazu gibt es ja die Redaktion.
Im Falle der Weblogs welche eine Creative Commons Lizenz beinhalten war ich der Ansicht, die Lizenzen können eine Weiterverwendung der geschützten Dokumente gegenüber dem Normalfall in dem keine Lizenz angegeben ist nur explizit erweitern, aber nicht einschränken. Will sagen, den Schutz vor einem Plagiat oder eines unerlaubten Abdrucks hat man doch immer, selbst wenn man überhaupt keine Lizenz angibt. Die Non-Commercial Lizenz sagt aus, dass man etwas explizit und ungeachtet der üblichen Regeln weitergeben darf solange das unkommerziell bleibt, richtig? Daraus ging für mich nicht hervor, dass ein reguläres Zitat (und nicht etwa ein Vollabdruck), welches ja sonst nicht verboten ist, hierdurch nicht mehr gebracht werden darf. Das ist aber zunächst auch nur meine Meiung als Laie. Ich denke daß man diese Frage auf einem vernünftigen Wege klären kann und wird.
Grundsätzlich haben Weblogs für mich etwas mit Durchlässigkeit und Offenheit zu tun. Genauso wie sie durchlässig gegenüber anderen Medienformen sind welche sie zitieren, verarbeiten und kommentieren. Ich denke diese Durchlässigkeit gilt es zu fördern, damit Weblogs eine informationsdemokratische Plattform sind und bleiben. Auch und gerade wenn manche wieder und wieder gezielt versuchen, das Niveau von Diskussionen in der Blogosphäre ins Bodenlose absinken zu lassen. Die Art und Weise wie an manchen Orten nicht die Frage nach der Beurteilung der Blogschau oder von Zitaten generell, sondern nach Lyssas, Nicos und meiner Person gestellt - und beantwortet - wird lässt jegliche Gürtellinie und jeglichen Respekt vermissen. Also ich meine jetzt mal so von Mensch zu Mensch, völlig egal ob man sich gegenseitig schätzt oder nicht. Ansonsten unterhalten sich noch sonstwo eine Menge Leute mit denen ich nichts zu tun habe und die mich sonst auch mit dem Arsch nicht ansehen über meine "credibility" oder warum ich ein neoliberaler Schuft sei. Interessant. Wenn man gerade aber sonst auch wirklich so gar nix zu tun hat.
Naja, zum Glück wird das Thema anderswo ein wenig sachlicher angegangen.
Meine Absicht ist es jedenfalls sicher nicht, hier irgendwen durch ein Zitat in der News zu dissen, ganz im Gegenteil. Als ich mich so durch die Weblogs gewühlt habe habe ich zwar festgestellt dass unheimlich viele Leute einfach nur immer Spiegel, Telepolis und FAZ kopieren und die Abschnitte - oft unkommentiert - in ihr Blog stellen. Andererseits war ich aber auch positiv überrascht wieviele Meinungen, wieviel lustiges, ernstes, nachdenliches... man in manchen Blogs findet von denen man vorher überhaupt nichts mitbekommen hat. Einfach nur weil sie nicht über das Bloggen an sich bloggen und nicht die üblichen Verdächtigen in ihrer Blogroll haben. Ich möchte, dass diese öffentlichen Meinungen auch gehört werden können. Ob das so falsch ist weiss ich nicht.
Update: Nico Wilfer äussert sich auch zum Thema:
Zur aktuellen Debatte um die NEWS-"Blogschau".
"News": Weblogs in der Zeitung
15. September 2004 - 13:05 Uhr - Moe43 Kommentare:
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So eine riesen Aufregung wegen der paar Zitate halte ich für übertrieben.
Aber manche können wohl nicht anders...
Solange mich einer zitiert und eine Quellenangabe dahintersetzt, habe ich nichts dagegen.
Contentklau ist was ganz anderes.
Dass ausgerechnet jetzt Creative-Commons-Lizenzen so rigide ins Feld geführt werden ("hey, kommerzielle Nutzung ist doch nicht erlaubt") widerspricht der Idee (mindestens meiner) einer gemeischaftlichen Öffentlichkeit.
Was Moe hier macht, ist doch nicht mehr oder weniger als eine Art Presseschau, was ist daran denn schlimm? Ich kann das nicht sehen.
moe hat das ja kurz angesprochen. da werden aus zeitungen und von anderen webseiten nicht einfach nur - rechtliche einwandfreie - zitate übernommen, sondern ganze absätze, manchmal vollständige artikel und vor allem auch lauter bilder und grafiken übernommen. da heult keiner rum.
ich möchte wetten, das sich die wenigsten leuten überhaupt einmal angeschaut haben, wie denn die blogs in der NEWS zitiert werden. und soweit meine juristischen kenntnisse reichen, ist auch das zitieren von blogs, die unter der CC-lizenz stehen, völlig legitim. unter kommerzieller nutzung werden nicht zitate verstanden. aber egal, hauptsache einfach mal rumheulen.
der neidaspekt dürfte in dieser diskussion der einzige existente punkt sein. wenngleich es natürlich tatsächlich etwas ungeschickt ist, das moe sonst immer gegen jegliche kommerzielle tendenzen kämpft.
bei manchen leuten hat man das gefühl, wenn sie sonst nichts zu bloggen haben, müssen sie irgendwie einen skandal konstruieren. das ist einfach nur arm. aber wenigstens sind es immer wieder die gleichen verdächtigen. so wie es in foren und im usenet trolle gibt, gibt es die halt auch im bloggerland. dummerweise springen da noch immer genug drauf an.
Wenn jemand auf sein Blog, also auf sein Organ der Meinungsäußerung, einen Werbebanner setzt, dann ist das was ganz anderes als wenn jemand irgendwo 'angestellt' ist und fuer seinen 'Arbeitgeber' bloggt (vereinfacht ausgedrückt).
http://www.igmedien.de/publ...
Stichworte: Zweitverwertung, Urheberrechte, Pressespiegel...
Persönlich habe ich mit der Zitiererei in dem Blättchen keine Probleme. Dass aber ausgerechnet Mr. Anti-Neoliberal diesen Job für ein neoliberales Verlagshaus macht, gibt zu denken.
Lustig finde ich auch: Die einen regen sich also auf dass man da überhaupt was verdient, wie kann man nur. Die anderen regen sich auf, dass man Lohndumping unterstütze und *zu wenig* verdiene. Ja nee iss klar.
Den Zusammenhang zu Werbebannern oder Überwachungskameras oder keine Ahnung was sehe ich immer noch nicht. Ich kann an diese Stelle aber versichern, das PlasticThinking, PlasticWiki, Flash Gamez und das BildungsBlog auch in Zukunft werbefrei bleiben werden.
Ich geh jetzt mal eine Cola trinken, das Imperialistengetränk iss einfach zu lecker (und für den Kommentar wurde ich natürlich auch bezahlt).
Aber wer ist eigentlich Max? Wen ich mich recht erinnere jemand der hier immer nur dann vorbei kommt wenn er negative Kritik üben kann. Nicht, dass ich das nicht zu schätzen wüsste. ;-)
Und warum konnten diese Überlegungen nicht vorher angestellt werden?
Das Brecht-Zitat trifft es bei Moe auf den Punkt. Es ist doch sehr armselig, wenn eine neue Tageszeitung auf so eine Art mindestens eine halbe Seite füllt. Nicths gegen Zitate und das zitieren in Zeitungen, hier wurde aber einfach nur "geklaut".
Zu dem Zitat kann ich nur sagen: Dass es Leuten mit denen ich in keinerlei besonderer Beziehung stehe möglich ist nicht nur meine politischen Ansichten sondern auch mein Wesen und meine Person aus der Gesamtheit meines Weblogs herauszulesen finde ich beachtlich.
Umso beachtlicher finde ich es, dass es anscheinend auch möglich ist, dieses Bild aufgrund eines einzelnen Vorgangs um 180 Grad zu wenden. Erst belächeln manche "Moe den paranoiden Kommunisten", nun heisst es "Moe der neoliberale Sellout".
Ansonsten habe ich nicht den Eindruck dass wir hier zu einer konstruktiven Diskussion kommen, bedanke mich aber bei allen die hier positive wie negative Kritik geübt haben.
was die cc-lizenz angeht, bin ich mir keineswegs sicher, wie man damit umgehen sollte oder müßte bzw. wie weit die lizenz geht. zumindest finde ich die sache nicht so klar, wie es zunächst scheinen mag, wenn man sich auf die position "wir zitieren ja nur ein bißchen" zurückzieht. --- das eigentliche problem ist ja weniger, daß hier und jetzt ein paar zeilen zitiert werden, sondern mehr, ob das als präzedenzfall wahrgenommen wird.
vorab mit den zitierten autor/inn/en zu sprechen (bzw. gesprochen zu haben), wäre aber sicher der einfachste weg (gewesen), dem ganzen schlamassel auszuweichen.
Nicht dass es falsch verstanden wird. Moe ist weder schuldig noch muss er sich für etwas entschuldigen. Wer mal sich ein wenig mit Medientheorie und Sozialpsychologie beschäftigt hat, für den kommen die Reaktionen nicht überraschend.
Und wer nicht zitiert werden mag, muss ja nichts schreiben.
Ich würde mir ein paar Exemplare dieser Zeitschrift schon durchlesen - aber ob ich mit den Infos konkret was anfangen kann? Die journalistische Ausbildung der verantwortlichen Redakteure muss sich erst noch zeigen. Zum Qualitätsjournalismus gehört etwas mehr als Copy&Paste...
Will meinen, dass der Zeitungsmarkt durch das TabloidFormat in Deutschland etwas in Schwung kommen könnte.
Wer weiss: vielleicht kommen bald andere kleine News-Zeitschriften zu speziellen Themen. Erst der Springer-Verlag, jetzt die VHB im TF. Ein paar Studies, ein paar Paperboys - und schon ist die Berliner Handy-News unterwegs :)
Was anderes: Der "Launch" der News ist doch gelungen. Zur Zeit bezieht man die Blog-News eben aus 20six oder myblog. Diese Affiliates können doch nur davon prfitieren, wenn sich neue User aufgrund der Erwähnung in der News kommen. Die AGBs entsprechend geändert, dh. die Texte unter eine gefälligere Licence gestellt - oder speziell wie bei Stern-Short-News für die Publikation - und schon wären die Anfangsprobleme auch beseitigt. Aber diese Aufregung ist natürlich auch gute PR :)) Es gibt sicher genug Blogger, die ihre Menung gerne offline im Print lesen werden!
:-)))
seit wann sind die blogger bzw. die bloggerszenisten so publicityscheu
http://www.mywebwork.de/fie...
Natürlich ist es wichtig, das die Zitate nicht zerrissen werden, da sie manchmal einen anderen Geschmack bekommen "siehe Köhlers Aussage".
Werde mich mal nachher durch die Links wühlen...
ansonsten ist so ein projekt doch kinderkacke, das geht eh schnell wieder ein.
Ich finde, Blogger sollten gegen den Urheberrechtswahn ankämpfen und auf <b>http://www.urheberrechtsbue... unterschreiben und das UrhG nicht instrumentell genau dann einsetzen, wenn es ihnen passt.
Sonja fragt sich,
Lila fragt sich
„sehpferd“ meint,
Christian Spliess zitiert Gerd Dembowski
Und stehen bei Spiegel, Zeit usw. auch so tolle AnfangsätZe? Nichtmakl daZu sind die Oberblogger fähig.
Moe, lass das mit dem Fragen vorher bloss. Dann kommt nachher so ein Schwachsinn raus wie bei Politikerinterviews, die im Nachhinein wild rumredigieren. Wenn ich öffentlich schreibe, MUSS ich Zitate ertragen - wo und von wem auch immer. Da kann ich gar nicht gefragt werden. Und Trackback machst du wahrscheinlich ggf. das sollte doch wirklich reichen.
Zum Neoliberalismus-Vorwurf: Nicht richtig, nicht falsch, sondern Bullshit. News und seine Macher sind nicht mein Fall und ich mag Tabloids nicht - aber was immer der eine oder die andere neoliberal schimpfen mag: Schlicht mit Zeitungen Geld verdienen zu wollen, kann ja nicht verwerflich sein.
Ich finds gut, dass Blogs zitiert werden. Ich fänds besser, wenn mich die Meinungen, die zitiert werden, interessieren würden. Aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe von NEWS...
Warum schreibt er dann?
@ Klaus Eck: Aber guter Einwand, muss ich schon sagen! Ich würde meinen, dass der Unterschied darin liegt, dass diese Zitate eben Zitate sind bis hin zu Aphorismen. NEWS aber bringt Anthologien, Zusammenstellungen zwar nicht kompletter, so doch umfangreicher Textstellen. Und das in einem kommerziellen Kontext, den einige "zitierte" Weblog-Autoren durch die Creative Commons bewusst ausschließen wollten. Sie haben bestimmt nichts dagegen, wenn sie weiterhin zitiert werden!
Manfred
nur unsinnigen müll schreiben.
mach ich doch schon immer so, wer will da noch zitieren wollen ;-)