mit und von Marcus Hammerschmitt: Es ergibt sich das Bild eines doppelten Sadismus. Auf der einen Seite haben wir ein generell zu Bestrafung, Überwachung und Gängelung neigendes System, das dem Einzelnen nur um den Preis der totalen Selbstverleugnung eine Chance lässt, und einer ständig wachsenden Zahl von Menschen überhaupt nicht mehr. Ein Versagen in diesem System ist immer die Schuld des "Kunden" selbst, der sich nur nicht genug angestrengt hat. Pflichten hat er viele, Rechte hat er keine, er soll in die Ecke gehen und sich schämen, vor allem froh sein, wenn man ihm überhaupt noch ein Gnadenbrot zuweist.
Auf der anderen Seite stellt genau diese soziale Besserungsanstalt mit ihren Ein-, Aus-, Umschlussmechanismen das ideale Biotop für die Mikrosadismen frustrierter Beamter und Angestellter dar, die genau wissen, dass für die "Kunden" kein Weg an ihnen vorbei führt, und dass sie im Ernstfall die Macht über Fortkommen oder Scheitern der armen Würmer haben, die auf sie angewiesen sind. [via Telepolis: Jagdszenen in der Agentur]
Ok, es iss zwar lame Telepolis-Artikel zu quoten wenn man schon sonst nix zu sagen hat, aber den hier fand ich mal wichtig. Bei der Lektüre des vollen Artikels wird drängt sich der Verdacht auf, daß hier nicht etwas einfach 'nur' schief läuft, sondern daß da durchaus ein ausgefeiltes System dahintersteht. Das ist ein wichtiger Unterschied. Die Sachbearbeiter im Arbeitsamt sind nicht einfach überlastet, unmotiviert oder inkompetent, sondern scheinen ziemlich genau zu wissen was sie da tun. Sie ernähren sich durch die Verwaltung von Armut, welche durch Politik zunächst erst produziert werden muss, könnte man meinen.
Safari durchs Arbeitsamt
18. August 2004 - 15:12 Uhr - Moe3 Kommentare:
Kommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.

Ich glaube tatsächlich, dass auch die Betreuer der Arbeitslosen auch zwischen bürokratischen Anforderungen zermahlen werden und mit ihrer Situation nicht zufrieden sind.
Die Arbeitsberater sind vermutlich die Lehrer des Jahrzehnts ... eigentlich ein wichtiger Job, dennoch ohne wirkliches soziales Ansehen.
Warum Böswilligkeit vermuten, wo schlichet Inkompetenz ausreicht bzw. in diesem Fall auch einfach eine beschissene Ausgangslage?
Solange nicht genügend Lohnarbeit da ist, um alle diejenigen, die Arbeiten können und wollen mit Stellen zu versorgen für die sie qualifiziert sind, so lange können die Leute auf der untersten Etage kaum etwas anderes tun als Armut zu verwalten.
Natürlich entwickelt sich aus so einer Situation auch Frust, und da die Arbeitslosen genauso frustriert sind, sich in die Fänge eines solchen Molochs begeben zu müssen, hast am Ende eben eine beschissene Atmosphäre. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass unsereins als Arbeitsamts-Mitarbeiter auch kein Engel wäre - es ist einfach ein Scheiß-Job.