Kultur, Kontrolle, Weltbild ist ein DFG-Forschungsprojektrojekt von Dr. Nils Zurawski am Institut für kriminologische Sozialforschung in Hamburg.
Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit Videoüberwachung und räumlicher Wahrnehmung in Hamburg und Nordirland.
Aus dem Abstract:
Informationstechnologien nehmen einen immer größer werdenden Raum in unserer (globalen) Gesellschaft ein. Sie helfen uns, unser Leben zu organisieren, unser Wissen zu verwalten und uns selbst zu orientieren. Dabei produzieren sie Abbilder der Welt und steuern so die Entstehung von Weltbildern (Vorstellungen).
Werden diese Technologien im Zusammenhang mit der Sicherheit und Überwachung des öffentlichen und privaten Raumes eingesetzt, können sich Verschiebungen der Wahrnehmung von sozialen Prozessen sowie von bestimmten, besonders beobachteten Gruppen ergeben. Ausgrenzungen und Stigmatisierungen entlang kultureller / ethnischer Identitäten und Merkmale sind die Folge. Überwachungs- und Informationstechnologien tragen insofern zur Veränderung kognitiver Kartierungen der Umwelt und gesellschaftlicher Verhältnisse bei. [via Telepolis: Aufklärung über die Folgen der Überwachung]
Das ist ein wichtiger Punkt: Ziel von Überwachung sind schliesslich meist diejenigen, welchen die meisten kriminellen Merkmale zugeschrieben werden. Somit werden Vorurteile bestätigt und gefestigt, denn wenn Personengruppe X mehr beobachtet wird als Personengruppe Y, so liessen sich selbst bei einem gleichen Ausmass von kriminellem Verhalten (oder wie immer man das nennen mag) bei Gruppe X aufgrund der verschärften Beobachtung auch tatsächlich mehr kriminelles Verhalten feststellen. Dies könnte dann als Argument benutzt werden, Gruppe X in einem noch weiteren Masse zu überwachen, und so weiter. Deswegen ist auch das ganze Konzept von öffentlichen Überwachungskameras an angeblichen "Kriminalitätsschwerpunkten" völlig abwegig. Gab es nicht mal so eine Studie, welche belegt hat, dass diese steuerbaren Kameras wo tatsächlich einer hinterm Joystick sitzt und das Ding schwenken und zoomen kann, selbst bei völlig unaufälligem Verhalten der betreffenden Personengruppen irgendwie X-mal öfters obdachlos oder ausländisch aussehende MitbürgerInnen ins Visier nahm? (Wieso hab ich das nich gebloggt? D'oh!)
Forschungsprojekt: Videoüberwachung in Hamburg und Nordirland
10. Mai 2004 - 17:34 Uhr - MoeKommentare werden moderiert und vor der Veröffentlichung manuell geprüft.
