Ich persönlich schätze die Bedeutung von Blogs für den Journalismus in funktionierenden Demokratien als eher gering ein. Darum aber geht es mir hier aber nicht. Die Diskussionen um Blogs im Journalismus mögen interessant und wichtig sein. Was mir allerdings fehlt, ist die Beschäftigung mit der durch Blogs geschaffenen direkten Kommunikation, mit der Bedeutung von Blogs für den einzelnen im Kontakt mit anderen. Viel interessanter als der Aspekt des unkomplizierten Publizierens für journalistische oder PR-Zwecke ist meiner Ansicht nach die Frage danach, wie Blogging das tägliche Leben der Menschen verändert. [via Nico Wilfer]
"Blogs in der persönlichen Kommunikation"
10. November 2004 - 18:18 Uhr - Moe8 Kommentare:
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Wie wohl die Antwort auf diese Frage aussehen mag...
hätte man sich in grauer vorzeit noch innerhalb des freundeskreises, der großfamilie oder der nachbarschaft ausgetauscht, tat man das später virtuell in der mailingliste oder dem forum eben online aber man sprach quasi noch mit anderen.
nun spricht man aber in unendliche weiten und geht davon aus von irgendwem gehört zu werden. das ist so als würde man mit der wand reden und hoffen der nachbar möge was davon verstehen oder die ehefrau im nebenzimmer.
kurzum, bloggen ist ein letztes refugium der versiegenden zwischenmenschlichen kommunikation. es bewahrt einen abglanz von dem was es gleichzeitig zerstört.
bloggen ist der monolog des entfremdeten menschen der niemand mehr hat um seine interessen zu teilen.
wenn ich vom fussball bloggen würde, dann träfe dieses argument zu. weil ich genausogut mit meinem nachbarn über fussball reden könnte. aber mein nachbar hat leider keine ahnung von java, datenbanken und softwaretechnik im allgemeinen. aber vielleicht gäbe mir irgendjemand aus südafrika einen entscheidenden denkanstoß durch einen kommentar im blog. auch dürfte es meinem nachbarn 3 meter am allerwertesten vorbeigehen, wenn ich ihm was über softwarearchitektur erzähle.
Man muss nicht unbedingt aus allem eine geistige Störung und ein gestörtes Sozialverhalten basteln.
weil ein technisch funktionierendes und inhaltlich gefülltes weblog enorm viel zeitaufwand bedeutet?
stellen sie sich vor, sie haben einen job, oder eine familie, oder beides.
wie verwenden sie die spärliche freie zeit? haben sie genug sowohl für soziale kontakte als auch für das weblog?
zu presskopp, haben sie ihren nachbarn je gefragt ob er sich für software interessiert? vielleicht ist er ja auch internet-freak? oder vielleicht wohnt bei ihnen im haus ja ein anderer software-spezialist...
die sache ist doch, man läßt das naheliegende außen vor weil es ja jemand aus südafrika gibt...
Das Zeit-Argument hört man ja immer wieder, nicht nur in Bezug auf das Blog, sondern schon, wenn man erwähnt, daß man seine Nase regelmäßig in ein Buch steckt. "Was mußt Du für Zeit haben!"
Nein, ich setze Prioritäten. Die meisten Leute haben ein Hobby: Manche gehen zum Fußball oder dreimal die Woche ins Fitnessstudio, aber die meisten hocken jeden Abend von 7 bis 12 vor der Glotze. Ich tausche mich in der Zeit lieber mit Leuten aus, die ich (noch) nicht kenne. Mich interessiert die Meinung anderer, nicht nur die meines Freundeskreises, die häufig auch noch mit meiner übereinstimmt.
Die Blogs anderer befriedigen meine grenzenlose Neugier, decken einen Teil meines eigentlich unersättlichen Informationsbedarfs und stillen meine Kommunikationsgier - und das zu jeder Zeit, zu der ich es will! Mein eigenes Weblog ist ein Aufbewahrungsort für Dinge, an die ich mich erinnern möchte - man nannte es früher Tagebuch, aber das trifft es nicht so richtig - und eröffnet meinem Sendungsbewußtsein völlig neue Mögklichkeiten :-)
Meine realen Nachbarn kenne ich bereits. Was soll schlecht daran sein, mal über sein kleines Universum hinauszusehen?
Wäre das Internet nicht schon da, man müße es erfinden.
(Sorry Moe, darauf war eine Antwort erforderlich, hoffe, sie ist nicht am Thema vorbei.)
Aber ich könnte ja mal auf dem Hausflur rumfragen, wer sich da alles für Blogs, Wikis und Personal Publishing interessiert. Ich bin mich sicher, die Antwort ist niemand.
Zu der Differenzierung, um man sich jetzt um "realworld" Kontakte oder das Blog kümmern sollte, die halte ich nicht für sehr gelungen. So wird mein Blog doch auch von einigen meiner engsten Freunde, meiner Freundin, meinem Bruder, abd und zu meinem Dad, ein paar Leuten aus der Uni, usw gelesen.
Grundsätzlich denke ich aber schon, dass Blogs etwas mit fortschreitender Individuaisierung zu tun haben. Pathologisieren wollen würde ich das allerdings in der Tat nicht.