Interessant, was hier schon wieder für Diskussionen um Themen wie das Recht an eigenem Bild, Datenschutzbestimmungen und das Recht auf Privatsphäre entstehen. Ich glaube wir sind vom Ende des Bloggens, welches ich als Martin darüber schrieb noch mit einem dicken Augenzwinkern wahrgenommen habe (wie Jörg auch, meinte ich) viel weniger weit entfernt als wir glauben. Oder jedenfalls vom Ende des Bloggens für alle. Wer sich einen Anwalt für kritische Postings leisten kann darf auch dann noch weiterbloggen. Wenn nun dieselben Leute dieselben Dinge tun wie dies in den letzten Wochen der Fall war kanns jedenfalls ja nicht mehr so lange dauern. Die Idee, diejenigen BloggerInnen zu ignorieren welche sich der eigenen, subjektiven Ansicht nach um zu grossen QuerulantInnen handeln, ist anscheinend noch niemandem gekommen. Oder sie ist den meisten anderen irgendwie zu billig ;)
Ich jedenfalls bin in letzter Zeit eher mit dem unsubscriben als dem subscriben von RSS-Feeds beschäftigt. Was ist aus der besinnlichen Saison im Bloggerland eigentlich geworden? Hatte sich nicht vor ein paar Monaten mal jemand beklagt, dass es in der deutschsprachigen Blogosphäre viel zu friedlich zuginge? Naja darum werden wir uns wohl nach den Diskussionen zu Blogtalk II, ChaosRadio, Blogawards und Blogwart keine Sorgen mehr machen müssen, glaube ich. Flamings, anonyme Beschimpfungen, nachträgliche Änderungen von Kommentaren und keine Ahnung was noch sind in Weblogs nun bald so alltäglich wie an jeder anderen Ecke des WWWs auch. Was an sich erstmal natürlich nicht unbedingt gut oder schlecht ist.
(Dies ist ein Privattext. Das Lesen, weiterverwenden oder zitieren ist strafrechtlich untersagt. Bitte schreiten Sie zur Selbstanzeige.)
Adventszeit in Bloggerland
18. Dezember 2003 - 19:32 Uhr - Moe25 Kommentare:
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Ich erinnere mich z.B. an das Chaos-Radio-Interview mit Herrn Kantel, in dem er sinngemäß sagte: "Wenn man nicht nur 100 oder 150 Leser hat, so wie ICH, muss man bei der Erstellung seiner Beiträge sorgfältig und nach journalistischen Gesichtspunkten vorgehen". Da gebe ich ihm Recht!
Doch genau das tut der gute Mann nicht, und deshalb gibt es immer mal wieder Krach. Ein (Blogosphären-)Moralist, der sich selber nicht an das hält, was er predigt, bietet eben eine Menge Angriffsfläche und wird DANN eben auch angegriffen.
Der sinnbefreite Gebrauch der Wörter "denunzieren" und "diffamieren" zeigt doch, dass da jemand ohne nachzudenken, einfach losgebrüllt hat. Das Posting ist inkompetent, unsachlich und provokativ. Journalistisch? Nein.
Aber die Welt wird deswegen vorerst nicht untergehen, hoffe ich. Dieses Szenario kennt man aus dem echten Leben auch, und es ist so alt wie die Menschheit selbst.
Schade, aber irgendwann geht alles dahin. Ich werde mich jetzt in meine eigene kleine Blogwelt flüchten, wo es friedlich und weihnachtlich zugeht.
ja, mann, da habe ich doch jetzt wirklich mal wieder etwas sehr vernünftiges gesagt -- wurst! =)
und nenne mich nicht huhn, jim, ja?
ich habe noch nie in einem blogg jemanden schlecht gemacht. auch nicht im leben. das wiederstrebt mir. wenn ich etwas über jemanden sage, dann wenn es etwas positiv zu bemerken gilt.
ich bin gegen vorurteile jeder art.
ich kann nicht verstehen, dass leute, die bisher aufgeschlossen, kommunikativ, originell und auch innovativ die blogoshäre mitgestaltet haben, sich so herunterziehen lassen können, anstatt souverän mit ihr ding durchzuziehen. das allerdings enttäuscht mich etwas.
damit meine ich wieder kein bestimmtes huhn. oder hahn. sondern alle hühner und hähne hier.
Aber selbst diese Diskussion über die abbauende Diskussionskultur in der Blogosphäre wird ja einigen Profilneurotikern wieder genügend Ansatzpunkte bieten, um sich als "Elite" oder als die "besseren Blogregulars" zu präsentieren. Einfach zum kotzen.
Aber es sind genug Leute gerade dabei, den grossen Schritt nach draussen zu tun. Da werden manche dabei sein, und ganz viele andere nicht. Manche bekommen die Awareness, andere werden übersehen.
we ain´t seen nothing yet.
Aber danach wird alles wieder logger. Ein paar Monate vielleicht, dann setzt es sich.
Und was meinst Du mit "Schritt nach draußen"? Dass der Schockwellenreiter im Radio war? Nimm das mal nicht so wichtig :o)
Wenn man die Blogosphäre das "drinnen" ansieht, sehe ich eher den umgekehrten Weg - dass immer mehr Medienleute nebenher bloggen. (Lyssa und ihre Kolumne ist da eher die Ausnahme, denke ich.)
Jetzt stell Dir einfach mal vor, jemand kommt daher und macht genau das, wovon viele hier immer reden: Das grosse Buch über die deutsche Blogosphäre, bei einem richtigen Verlag. Angeblich sind da im Moment mehrere Teams offen oder still dabei; ich weiss von 4 konkreten Projekten. Wenige sind im Buch und werden in die Öffentlichkeit hineingetragen, alle anderen sind draussen. Und wann immer ein - ne, keine Namen - Telepolis, Netzeitung, FR, Tagesspiegel aufschlägt, sind die anderen drinnen und er wird nicht mal erwähnt, obwohl er doch schon seit 1788 und 3 Millionen PIs hat und alle Medien nichts gegen ihn sind.
Oder jemand, der sein Blog seit Jahren als Buch unterbringen will, nur Absagen bekommt, BOD machen müsste, und dann prescht so eine Horde vorbei und kriegt die Aufmerksamkeit? Nein, auch hier keine Namen.
Kurz, lass etwas passieren, wo es nicht um die Vormacht innerhalb des Systems geht, sondern um die Deutungshoheit in der Umwelt. Das sind schon immer die Momente, wo die Luft brennt. Und das wird kommen. Schneller, als viele denken. Eines von den Teams wird das Rennen machen, und dann werden alle ankommen, die es eigentlich viel mehr verdient hätten.
Und die Sprache bitte ich zu entschuldigen, aber nach den Wortwechseln der letzten Wochen, die auch mich sehr überrascht haben - die Chaosradio-Debatte bei Chuzpe war so sicher nicht beabsichtigt - wüsste ich nicht, wieso man das milder ausdrücken sollte. Ich denke, die Player haben gezeigt, was von ihnen zu erwarten ist.
Ich persönlich glaube, dass Verlage derzeit nicht risikofreudig genug für ein Buch über Weblogs sind, u.a. weil sich die Umwelt zu wenig für Weblogs interessiert und die Weblogger selbst noch eine zu kleine und zu heterogene Zielgruppe sind (ich habe übrigens Deine Diskussion mit Ralph S. vor einigen Wochen gelesen).
Und vielleicht solltest Du von den vier Teams eines abziehen - das konspirative Dings von Supatyp soll kein Buch über die Blogosphäre werden, sondern eine Anthologie mit Beiträgen von ausgewählten Antville-Geistesgrößen, wenn ich das recht verstanden habe. (Eine vernünftige Antwort auf meine unaufdringliche Nachfrage hab ich ja nicht bekommen. Ha, da sind sie wieder, die Empfindlichkeiten...)
ok, allgemeine deutungen usw transportiert dann vielleicht jemand anders - aber mir ist noch nicht klar wo das denn hinführen soll.
Wenn man auf dem Standpunkt steht, dass Bücher über Weblogs keine grundsätzliche Bedeutung haben oder dass man anderweitig eh genug gewürdigt wird, erscheint das erst mal wenig brisant. Wir werden sehen.
Es ist nämlich nur eine Frage der Verkaufe. Verleger denken in Märkten und dann, welche Bücher dafür passen.
Komm ich und sage: Ich habe 7 Kumpels, wir bloggen und sind das Coooolste ever, sagen die verlage: Tschö, ab in die Klapse zu den anderen 456.987.888, die heute schon da waren.
Komm ich und sage: Machen Sie doch eine Anthologie über das Hier und Jetzt im Netz, da passiert was, die Leute haben ein neues Spielzeug, Blogs und so, sagen die verlage: O Gott, es gibt schon 12.543 Anthologien junger Literatur, und ausserdem klappt das bei KiWi grad auch nicht. Warum also ich?
Komm ichn und sage: Markt wächst um den Faktor 1000 pro Jahr, Hype erreicht nächstes Jahr den Höhepunkt, Blogger sind jung, singles, wohlhabend, lesem viel, wollen ein Lifestyleprodukt ihres Hobbies auch für Offline, um zu zeigen wie cool bloggen ist, die Medien sind scharf auf das Thema, und wir ballern die besten Blogger ever raus und dann noch massig Kredits und Ramba-Zamba, hey, wir sagen einfach DAS ist die deutsche Blogosphäre und da geht der Punk ab -
dann schauen Verleger vielleicht mal, was es an Konkurrenz gibt: Nix. Dann schauen sie mal ins Netz und sehen; naja, nicht schlecht, das. Dann sehen sie: Vertrieb könnte Dank Vernetzung übers Web laufen, also kein teurer Buchhandel, etc. Dann fragen sie mal die Medien, was die dazu sagen würden.
*Judenhut wieder aufsetz* ahem - jedenfalls waren Leute mit solchen Rezepten auf der Buchmesse. Manche gut vorbereitet, andere eher schlecht. Manche kenn ich, von manchen höre ich nur über Ecken. Wollen tun sie alle. Aber es kann nur ein Buch geben, von dem dann alle Rezensenten sagen: Das ist es.
Umgekehrt werden sie sagen: Alles andere ist es eben nicht. Machen wir ein kleines Gedankenspiel:
Irene wird eingeladen zu Kerner, weil sie das Buch "Bloggy Style" herausgibt. FAZ, SZ und TAZ haben schon geschrieben, dass es eine gelungene Kampfansage der Blogosphäre an die klassischen Medien ist. Endlich mal was radikal Neues. Der Spiegel ist kurz davor, eine Reportage über die jungen Autoren aus dem Buch zu machen, weil sie die Popliteraten nicht mehr sehen können.
Irene also bei Kerner. Sieht gut aus. Sagt intelligente Sachen, ist medienkritisch und vertritt die Blogosphäre wirklich gut. Hunderttausende sehen das, und jeder Blogger, der draussen von seinem Hobby erzählt, wird hören: Ach, richtig, das was Irene macht...
Glaubt hier jemand ernsthaft, dass das in Friede, Freude, Eierkuchen enden würde? Die wütendsten verrisse, die heftigsten Angiffe würden aus der Blogosphäre kommen, von wegen Kommerzialisierung, Ideologie verraten, nur Tekkies, Kochbücher, Sex und nicht das wahre Bloggen...
Hach. Naja. Man wird sehen.
Die Strategie die Du beschreibst könnte funktionieren, aber soviel Zusammenhalt eines Teams welche sich gezielt über die Blogosphäre vermarktet wäre zumindest in D ziemlich neu. Vielleicht können wir das ja noch rechtzeitig entschärfen indem wir rechtzeitig dekonstruktive Grid-Bloggings durch die deutsche Blogosphäre ziehen. 8-)
Vielleicht sensibilisiert das ja oder so.
Eigentlich mache ich mir aber deswegen keine Sorgen, uceda, weil ich Zweifel habe, dass es möglich ist über klassische Medien das Phänomen auf eine Art und Weise zu produzieren, die es zu einem Massenkompatiblen Hype werden lässt. Bislang widersprechen sich da für mich das Medium "Blog" und die Zielgruppe klassischer One-to-many Medien viel zu sehr. Wollen die nich eher konsumieren als denken?
Ganz wertneutral: Bloggen ist ein Lebensstil. Dafür eben ein Lebensstilprodukt, das muss nicht per se schlecht sein, wenn es die richtigen Leute machen. Und was man so von Ralph und Supatyp hört, soll es ja genau so sein: Ein Packen guter Leute "breit aufgestellt", und dann als "500 pound Gorilla" in den Markt. Da hat ja auch erst mal keiner was dagegen gesagt, im Gegensatz zum Versuch von Neon.
Ein massenkompatibler Hype kann Bloggen sicher nicht werden. Aber es ist die einzige Internet-Erfolgsgeschichte nach dem Irrsinn der New Economy, und letztlich auch der "gute Kern", der die New Economy überlebt hat.
Und die ganze Mediendebatte - mei, als Journalist ist die Blogosphäre nicht zu begreifen, da wächst was völlig vorbei an unseren normalen Strukturen, es entzieht sich der Definition, aber es wächst gewaltig, und die Medien gehen vor die Hunde. Jetzt bin ich hier - ich bin nicht bei Spiegel.de. Gut für Moe. schlecht für den Spiegel.
Gut, allein machen sie Dich ein, I know.Zu zweit zu dritt zu viern wird auch nichts andres passiern .
Zu hundert oder tausend
Kriegen sie langsam Ohrensausen
Sie werden zwar sagen: das sind nicht viel
Aber tausend sind auch kein Pappenstiel
Und was nicht ist das kann noch werden
Wir können uns ganz schnell vermehren...
Und das rauszutragen und sagen: Passt ma uff, freunde, da ist was neues, und die zu ziehen, die das wollen, wär nicht schlecht. Ob 04 das jahr der Blogs wird, ist nicht wichtig. Es gibt sowieso keine Revolution. Aber eine Evolution von einem Randphänomen zu etwas, das eine gewisse Bedeutung hat. Und sei´s nur, dass sich manche Leute nicht mehr jeden Schmarrn von den Medien verkaufen lassen, und sich selbst ihre Meinung bilden. Das allein ist schon verdammt gut.