Nichts zu machen...

07. Dezember 2003 - 12:31 Uhr - Moe
Ich stehe dann dahinter, wenn es alle machen und keiner zu etwas gezwungen wird schreibt eine gegen die Blockaden wetternde Studentin im Streik-Forum der Uni Giessen. Und ich glaube sie meint das wirklich ernst. Und sie ist nicht in der Lage den Aberwitz ihrer Aussage auch nur im Ansatz zu erkennen. Ich gebe an dieser Stelle auf. Die Kapitulation vor der Ignoranz.
In Marburg ging das sogar soweit, dass eine Geschichtsstudentin im ersten Semester (deren Realname man in der Oberhessischen Presse vom 5.12. nachlesen kann) am Donnerstag die Polizei rief, um gegen ihre streikenden Kommilitonen vorzugehen. Ihr Kritikpunkt war, dass es sich bei den Protestierenden um eine Minderheit handele. Wenn die gute Frau auch nur die geringste Ahnung von Geschichte hätte würde ihr auffallen, dass soziale Bewegungen immer durch Minderheiten ausgelöst werden. Das liegt in der Natur der Sache, denn sonst (wenn eine Mehrheit ein Problem damit hätte) gäbe es ja gar nicht erst die Umstände, die eine Bewegung nötig machten. Es wäre erst gar nicht so weit gekommen.

11 Kommentare:

  1. Irene schrieb:
    Mit dem Finger auf die Dummen zeigen ist aber auch kein adäquater Umgang mit dem Problem. Welches Bild von Streiks wird denn auf dem Gymnasium vermittelt?
    # 07. Dezember 2003 - 23:29 Uhr
  2. Moe schrieb:
    Du hast Recht, Irene - das Problem ist nur, dass wir nur schwerlichst 13jährige Schulsozialisation aus den Köpfen heraus kriegen.. ich weiss da gerade auch nicht mehr weiter.
    # 08. Dezember 2003 - 11:20 Uhr
  3. suentese schrieb:
    Das Problem sind nicht (nur) die Dummen, es gibt einfach viele, denen das, wogegen gestreikt wird, egal sein kann. Deren Ehrgeiz sich darin erschöpft, so schnell wie möglich in der Londoner Filiale des Geschäftspartners von Papas Golfkollegen unterzukommen.
    # 08. Dezember 2003 - 13:13 Uhr
  4. joe aus essen schrieb:
    Und es gibt diejenigen, die glauben, dass der studentenprotest nichts bringt und versuchen, nur so schnell als möglich durchzukommen. weil sie wissen, dass studenten bei dem durchschnittsarbeitnehmer, also der durchschnittsbevölkerung keine lobby finden.
    ergo: der protest bleibt studentisch, wird kein allgemeiner protest, sondern als folkloristische, bunte veranstaltung wahrgenommen, die nach ein paar wochen wieder versandet. so war es, abgesehen von 1968, immer, es gibt auch wenige anzeichen, dasss es gerade diesmal anders sein wird.
    was nicht heisst, dass es sich nicht lohnen würde und es (nach 68) auch noch nie so wichtig war wie heute zu protestieren. man darf nur nicht zuviel erwarten.
    # 08. Dezember 2003 - 20:42 Uhr
  5. Carsten schrieb:
    Streiken ist ja schön und gut (vor allem, wenn es warm und genügend Bier da ist). Aber warum muss man währenddessen unbedingt die Leute anpöbeln, die nicht streiken wollen?
    # 08. Dezember 2003 - 21:37 Uhr
  6. Moe schrieb:
    erstens redet hier niemand von anpöbeln, zweitens nicht von unbedingt, drittens kann von warm und bier keine rede sein wenn die sreiks dazu dienen sollen, dem protest in der zwischenzeit ausdruck zu verleihen. ich frag mich was ich da falsch mach wenn ich mir auch samstags und nüchtern auf der demo den arsch abfriere: http://weblog.plasticthinki...
    weiterhin werden streiks bzw boykotts oder blockaden im allgemeinen durch mehrheitsbeschlüsse studentischer VVs, also den ranghöchsten beschlussorganen der studierendenschaft ebenso verhängt wie wieder aufgehoben.
    aber all das hatten wir schon mal. wer das bislang nicht kapiert hat will es entweder nicht kapieren oder wirkt indes munter an der ökonomisierung des wissenschaftlichen hochschulsystems auf kosten der ausgrenzung anderer mit.
    # 08. Dezember 2003 - 22:16 Uhr
  7. Carsten schrieb:
    Zwar redet hier niemand davon, aber dennoch scheint es vorzukommen, dass div. "Streikbrecher" dumm angemacht werden. Außerdem hätte das ganze im Warmen mit etwas Bier mehr Reiz. Nun ja, auch kalte Samstage mit Glühwein wären akzeptabel. Wenn man schon nix schafft, dann kann man es sich wenigstens gut gehen lassen... ;o)
    # 09. Dezember 2003 - 07:17 Uhr
  8. Moe schrieb:
    Carsten, Du kennst mich noch nicht mal und meinst Du könntest hier anonym über meine Leistungen herziehen. Diese Art und Weise, mit Vorurteile und Pauschalisierungen umzugehen zeigt ziemlich deutlich wie diese Misere entsteht. Du redest hier nur dauernd von Bier, Glühwein und "nix schaffen" und entziehst Dich damit jeglicher Argumentationsgrundlage. Wenn sich Politik duch Polemik, und Wissenschaft durch Ausbildung ersetzt, dann fühlen sich Deinesgleichen anscheinend angesprochen. Interessant, welches Weltbild und welche Argumentationsstrukturen bei den Befürwortern von Studiengebühren so vorherrschen.
    # 09. Dezember 2003 - 11:17 Uhr
  9. Carsten schrieb:
    Welche Leistungen meinst Du?

    Ich meine hier über streikende Studenten herziehen zu können. Weiterhin meine ich diesen Streik nicht ernst nehmen zu müssen.
    # 09. Dezember 2003 - 12:03 Uhr
  10. Moe schrieb:
    Was muss passieren damit Du es ernst nimmst? Die heftigsten Küzungen in einem Land die es seit 1945 gab, ausnahmslos auf dem Rücken sozial schwacher ausgetragen, scheinen da nicht zu reichen.
    Erwartest Du, dass Dir andere Studierende grundsätzlich genau denselben Disrespekt entgegen bringen?
    # 09. Dezember 2003 - 12:09 Uhr
  11. Carsten schrieb:
    Ich bin gerne bereit, einige Kürzungen in Kauf zu nehmen wenn dafür die Koch-Wähler auch ihr Fett wegbekommen.

    Wen kümmert schon Respekt?
    # 09. Dezember 2003 - 13:48 Uhr

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