Schon wieder Weblogs und Google

06. Juni 2003 - 13:36 Uhr - Moe
Also ich habe mich schon lang und breit darüber ausgelassen, aber Andrew Orlowski, welcher der einzige zu sein scheint der wirklich ein Problem mit Weblogs hat, schreibt im Register schon wieder einen Artikel: Blog noise is 'life or death' for Google. Er glaubt anscheinend, Weblogs seien eine lebensbedrohliche Gefährdung für Google. Weiterhin konstruiert er dort eine Realität, in der jeder Blogger seiner Ansicht ist und sein Weblog aus Google verbannt sehen möchte. In der deutschen Diskussion zum Thema habe ich nicht eine Stimme dieser Art gelesen. Die Antworten reichten eher von das ist schon fast Zensur bis hin zu das ist mir egal, aber niemand war der Ansicht er möchte sein Blog nicht in Google stehen haben.
Die Position, dass dies bei Bloggern aber so sei, greift Herr Orlowski aus der Luft, um seinen Ansichten mehr Nachdruck zu verliehen, wahrscheinlich auch da er nun mal bei The Register, also einem traditionellen, asynchronen Medium schreibt. Wenn er möchte, dass seine Stimme weiterhin gehört wird muss er wohl nur genug über Weblogs lästern.
Wer nicht möchte, dass sein Weblog nicht in Google steht, kann sich da mit robots.txt und robots=noindex machen, Punkt. Da gibt es keine "Opfer".
Lustig ist auch der Vorwurf, Blogger würden ständig und gezielt Google manipulieren, so dass man fast meinen könnte sie würden ja sowieso nur deswegen bloggen. Das führt dann soweit, dass man bei Google-Watch.org meint Dave Winer vorschreiben zu müssen, wie sein Blog denn auszusehen habe, um Google gerecht zu werden.
Das ist ein Witz, und zwar ein schlechter. Google ist weder eine Institution noch eine moralische Instanz, sondern eine kommerziell operierende Firma. Man sollte vielleicht nicht vergessen, dass, wenn überhaupt, sich ihre Suchmaschine an das real existierende Netz anpassen muss - sicher nicht müssen die Netzinhalte dieser Suchmaschine gerecht werden.
Und ich werde her schlichtweg das Gefühl nicht los, dass es bei dieser ganzen Diskussion nicht um Information, sondern um Macht und Kapital geht. Durch Google Geschäfte zu machen ist ohne Weblogs vielleicht einfacher. Vielleicht ist es auch einfacher, Meinungen zu kontrollieren. Mehr aber auch nicht. Nur wäre es ein tragisch, wegen irgendwelchen Netzkapitalisten die freie Meinung, das lebendige, dynamische, menschliche im Netz auszublenden. Auf dass man in Ruhe wieder Geschäfte machen kann, ohne böse Blogger die dazwischenreden.

1 Kommentar:

  1. Michelle schrieb:
    Dazu kann ich nur sagen: Hä? Ich bin ja nun wohl sowohl Blogger als auch Google-Nutzer und beides hat sich bei mir noch nie überschnitten. Entweder suche ich nach den abwegigsten Begriffen oder aber ich hab einfach Glück. Wie auch immer, ich hatte noch nie einen Blog-Link in meinem Search Results. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, bleibt dahingestellt. Ich nutze Google, weil ich den Eindruck habe, dort gibt es die größte "Variety" in den Ergebnissen. Das wäre natürlich dahin, wenn Google anfangen würde, Seiten (welcher Art auch immer) rauszufiltern.
    # 06. Juni 2003 - 22:04 Uhr

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