Auch an der Uni Gießen werden zu diesem Semesterbeginn wieder StudentInnen aus überfüllten Seminaren rausgeworfen oder rausgelost. Ob man dies als ordnungsgemäss immatrikulierte(r) StudentIn einfach so hinnehmen muss, scheint mehr als fraglich. Bei der
Demokratischen Linken kann man dazu nachlesen:
Der AStA der Uni Potsdam hat ein Gutachten anfertigen lassen, dass sich dem leidigen Thema der TeilnehmerInnenbeschränkungen in und Rausschmissen aus Seminaren annimmt. Das eindeutige Ergebnis: Einfach so raus schmeißen geht nicht. Der Begrenzung der Teilnehmerzahl stehen eindeutigen rechtliche Hürden im Weg und die Teilnahme an Seminaren kann nicht allein mit Hinweisen in Vorlesungsverzeichnissen oder Ankündigungen vor überfüllten Seminarräumen durchgesetzt werden. Obwohl das Gutachten von der Rechtslage in Brandenburg ausgeht, ist anzunehmen, dass die Schlüsse, zu der es kommt, auch in Hessen gelten können
Weiterlesen.
Das komplette Gutachten steht auch als PDF zum Download zur Verfügung:
http://www.stud.uni-potsdam.de/~vefa/gutachten.pdf
In dem Buch "
Hört ihr die Kinder weinen - Eine psychogenetische Geschichte der Kindheit" (1977) beschreibt Herausgeber
Lloyd deMause in seinem Text "
Evolution der Kindheit" eine Konzeption des Begriffs
projektiver Fürsorge.
Bei der projektiven Fürsorge besteht der erste Schritt immer in der Projektion des Unbewußten des Erwachsenen auf das Kind; sie kann von der empathischen Fürsorge dadurch unterschieden werden, daß sie in bezug auf die eigentlichen Bedürfnisse des Kindes entweder unangemessen oder unzureichend ist. [...]
Die projektive Fürsorge reicht allerdings aus, um Kinder großzuziehen, bis sie erwachsen sind.
(DeMause 1977, S. 32)
DeMause geht davon aus, daß nur sehr wenige Eltern in der Lage sind, ihre Kinder unabhängig von ihren eigenen projezierten Bedürfnissen als eigenständige Individuen anzuerkennen. Der Psychotherapeut Amos Gunsberg ist laut deMause der Ansicht, dies passiere - bei Patienten in Psychotherapie - erst nach einer gewissen Zeit der Psychoanalyse. Nämlich zu dem Zeitpunkt, wo der Patient zu einer Vorstellung von sich selbst als Individuum, welches von der allumfassenden Mutter getrennt ist, gelangt (vgl. ebd., S. 35).
Siehe auch Schicho, W.:
Geschichte der Kindheit - Geschichten aus der Sicht der Kinder.
Tags: Lloyd deMause, Geschichte der Kindheit, Projektion.
René Fouquet dokumentiert die Bedingungen der Seminar-Anmeldung für AnglistikstudentInnen an der Uni Gießen. Es ist so überfüllt, dass man sich für die unwichtigen Seminare nach ca. 2 Stunden Wartezeit anmelden kann. Wenn man Glück hat.
Die meisten meiner Kommilitonen - größtenteils Lehrämtler, die an die Didaktik-Seminare wollten, hatten nicht soviel Glück. Sie gehen leer aus. Vielleicht nächstes Semester dann. Oder das Semester drauf. Oder das danach. Hey - die Landeskasse braucht die Gelder aus den "Langzeitstudiengebühren".
Fotos dieses munteren Treibens gibts
bei Flickr. Vielleicht sollte man da in seiner Funktion als Kunde den
Dekan des Fachbereichs sowie den
Präsidenten der Uni bitten, ein kurzes Statement dazu abzugeben.

Schliesslich wird man sich ja etwas dabei gedacht haben, als Bildungs- und Organisationsprofis an einer altehrwürdigen Uni. Nur an der Vermittlung dessen hapert es, der/die gemeine StudentIn kann das gar nicht verstehen. Immer wenn man meint, die Studiensituation könne
gar nicht mehr schlimmer werden, wird sie ein oder zwei Semester später noch ein kleines Stück schlechter. Das geht dann aber meistens auch mit steigenden Kosten für die Studis und einem Zuwachs an Werbung einher.
Und da rege ich mich drüber auf, dass meine Diplomarbeit nach 4 1/2 Monaten und einer Frist bis zum 30.9. noch immer nicht zweit-korrigiert wurde. Das sind ja
Peanuts, Alder.