Archiv: Februar 2004

Offenes, kollaboratives E-Learning?

27. Februar 2004 - 02:27 Uhr - Moe
Ich habe mich halbwegs wieder abgeregt, doch dieser Artikel aus Telepolis vom 19.2. geht mir nicht aus dem Kopf: 'E-Learning braucht Kontinuität. Mehr nicht?' von Karl Ulrich Lippoth und Manfred Schweres. Anlässlich eines Rückblicks auf die diesjährige Learntec (nächstes Jahr bin ich dann endlich auch mal vor Ort, hoffe ich) finden sich hier einige ebenso interessante wie kritische Gedanken zum Stand des E-Learnings, zur Abgrenzung von Wissensmanagement, und unter anderem auch zum Einsatz von personal-publishing Systemen wie Weblogs oder kollaborativen Anwendungen wie Wikis.
Grundsätzlich wird E-Learning in der Praxis hier insofern sehr kritisch beäugt, da es oft meint eine Lernumgebung o.ä. durch Unfreiheiten kontrollieren zu können und oft mit Wissensmanagement verwechselt wird, indem man einfach Inhalte für eine Lernumgebung abstrahiert, anstatt das Gegenteil zu tun. Die Lerner bewegen sich in einem "von oben" auferlegten System. Lernkontrolle, -Steuerung, und -Evaluation scheinen die entscheidensten Kriterien zu sein.
Dies Widerspricht dem E-Learning Ansatz über den ich in letzter Zeit nachdenke aber so völligst, doch immerhin sehen das die Autoren wohl auch nicht viel anders: Techniken des Internet wie Blogs oder Wiki-Datenbanken, wo im Peer-to-Peer-Verfahren gleichberechtigte Nutzer sich gegenseitig Wissen zur Verfügung stellen, Inhalte ohne jede Einschränkung kontrollieren, verändern, korrigieren, erweitern können, sind im E-Learning nicht vorgesehen. Dabei sind solche Bottom-up-Technologien direkte Produkte selbsttätigen Lernens und Wissenserwerbs, geboren aus dem gegebenen Anlass, dass Menschen zusammengekommen sind und einen gemeinsamen Bedarf empfunden haben - etwas, das von Interesse ist, in Erfahrung zu bringen. Solche "echte" Interaktivität kann nur erreicht werden, wenn versucht wird, möglichst viel Kontrolle darüber, was und wie gelernt werden soll, abzugeben. Ganz meine Rede! Wie eine Konzeption, die einem solchen eher offenen Lernbegriff selbstgesteuerten (selbstorganisierten?) Lernens Rechnung trägt aussehen könnte, bleibt leider noch offen. Daher hoffe ich auch eher, überhaupt erst mal so etwas wie einen groben Ansatz zu finden, ein Grobkonzept.
Jochen Robes vom Weiterbildungsblog weist ganz richtig darauf hin, dass hierbei ein hoher Grad an Selbstorganisation und Lernkompetenz auf Seiten der Lerner notwendig ist (und hat nebenbei noch eine spannende Ausführung in den Kommentaren). Daher meine ich, dass gerade hier die Vermittlung und Etablierung von Wissens- und Lern-Praktiken (wie immer die auch genau aussehen mögen) im Umgang mit der Offenheit des Netzes und dem Gebrauch von unter anderem auch Weblogs und Wikis bereits ein Bestandteil eines solchen E-Learning-Ansatzes sein müsste. Denn selbstgesteuertes Lernen, ob am Rechner oder "offline", geschieht eben nicht einfach so. Es müsste erlernt werden.
Nur: Kann dies überhaupt funktionieren? Für welche Themeninhalte macht es Sinn? Erleben viele Teilnehmer die Irritation offener Systeme und explorativem, kollaborativen Lernens nicht als zu frustrierend? Oder ist Sinnerzeugung doch auf irgendeine Weise motivierender als Reproduktion? Fragen über Fragen...

Ach ja, und ein lustiges Schmankerl zum Schluss sind noch diese Kommentare eines Telepolis-Lesers aus der Branche. 8-)

Uni Giessen: 'Haushaltsplan weiterhin umstritten'

19. Februar 2004 - 18:17 Uhr - Moe
Groß ist derzeit die Verunsicherung der Lehrenden und Beschäftigten an der Justus-Liebig-Universität (JLU). Grund hierfür ist die in diesem Jahr drastisch verschlechterte Haushaltslage der Hochschule, die neben der schon bestehenden Verschuldung von 3,5 Millionen Euro für das laufende Jahr, unter anderem als Folge gekürzter Landeszuschüsse, weitere Einsparungen von 6,5 Millionen Euro vorsieht. [...]
In einer Stellungnahme des Senats, die von den drei Gruppen "Interfak", "Neue Universität" und "Vereinigte Professoren" verfasst worden war, wurde große Sorge über die aktuelle Lage ausgedrückt und eine gravierende Beeinträchtigung der Arbeitsfähigkeit der Fachbereiche befürchtet. Weiterhin wurde eine stärkere Unterstützung durch das Land Hessen, etwa durch finanzielle Übergangshilfen, gefordert, da durch das Stoppen von Berufungsverfahren und die Absage bereits verabschiedeter Berufungen das Ansehen der JLU erheblich leide. Des Weiteren kritisierte man, dass die bislang vom Präsidium getroffenen Maßnahmen nicht ausreichten, das bereits im Sommer 2003 festgestellte Haushaltsdefizit zu beheben.
[Weiterlesen beim Kreis-Anzeiger: 'Haushaltsplan weiterhin umstritten']

Impotente Langzeitstudis?

18. Februar 2004 - 11:04 Uhr - Moe
Achtung, Langzeitstudenten! Wer sich vom trauten Unialltag nur schwer trennen könne und sein Studium unmäßig in die Länge ziehe, bei dem würde die Krankheitsfalle zuschnappen, so eine Studie der Universität Göttingen. Vor allem für Männer, die zwei Drittel aller Dauerstudenten ausmachten, bedeuten die Ergebnisse der Studie eine Hiobsbotschaft. Denn ewiges Studieren macht nicht nur krank, sondern schwächt auch die Potenz, wie der Leiter der Studie, Manfred Kuda, mitteilte. Auch generelle Probleme in der Partnerschaft seien nicht auszuschließen. [via tagesschau.de]

Giessener Anzeiger: "Uni muss womöglich an Prüfungen sparen"

16. Februar 2004 - 19:23 Uhr - Moe
Die katastrophale Situation in der sich die Uni Giessen und insbesondere das Institut an dem ich studiere befinden wurde im Giessener Anzeiger vom 12.02.2004 erwähnt: GIESSEN (fap). Wie geht es weiter im Fachgebiet Erziehungswissenschaften am Fachbereich Sozial- und Kulturwissenschaften der Justus-Liebig-Universität? Dieser Frage widmete sich gestern eine Fachgebietsversammlung. Im Mittelpunkt standen dabei die anstehenden Stellenstreichungen im Rahmen der Sparmaßnahmen des Landes Hessen - auch bekannt als "Operation sichere Zukunft". Inzwischen sei sogar möglich, dass im kommenden Sommersemester keine Diplomprüfungen abgenommen würden. Rund 6,5 Millionen Euro hat die Universität in diesem Jahr weniger zur Verfügung als noch 2003. Die Folge sind zahlreiche Stellensperrungen: Viele befristete Verträge werden nicht mehr verlängert, frei werdende Stellen nicht neu besetzt. Besonders hart wäre das Institut für Erwachsenenbildung betroffen. "Dort sollen die Verträge aller fünf der Professur zugeordneten Stellen nicht verlängert werden", sagte Thomas Schmitt, Hochschulreferent im Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) der JLU im Gespräch mit dem Anzeiger. Doch auch die übrigen Studierenden des Fachgebiets würden von den Einsparungen betroffen sein. So erklärte Prof. Ludwig Duncker, der Vorsitzende des Diplomprüfungsamtes, es sei durchaus möglich, dass im kommenden Semester keine Diplomprüfungen abgenommen würden, da auch im Prüfungsamt Stellen wegfielen. [Weiterlesen beim Giessener Anzeiger]
(Diesen Beitrag gibt es auch im Weblog Gegen Studiengebühren in Hessen)

Bildungskahlschlag an der Uni Giessen: Crash des Haushalts?

12. Februar 2004 - 13:46 Uhr - Moe
Anscheinend ist der Universität Giessen durch eine sehr kurzfriste Änderung irgendwelcher Berechnungspläne (zusätzlich zum Hochschulpakt, welchen die Landesregierung bereits aufgekündigt hatte) soviel Geld gekürzt worden, dass sie den Haushalt komplett gegen die Wand gefahren hat, was wenn ich das richtig verstanden habe eine 30prozentige Kürzung der Sachmittel sowie einen kompletten Einstellungs-Stopp nach sich zieht. Das Dumme ist nur, in dem Institut wo ich studiere laufen anscheinend 5/6 der Stellen zum Semesterende aus. Ob die Stellen neu besetzt werden dürfen und ob es das Fachgebiet in dem ich studiere nächstes Jahr überhaupt noch geben wird, ist somit in meinen Augen mehr als fraglich.
In einer Krisen-Sitzung der erziehungswissenschaftlichen Institute wurde dann bekannt gegeben, dass der Umfang der Lehre im nächsten Semester so je nach Institut nochmal um 20-40% zurückgefahren wird, und dass man nebenbei innerhalb der letzten 4 Jahre sowieso schon mal zu keinem Zeitpunkt mehr als 75% der eigentlich für die hiesigen Studentenzahlen nötigen Semesterwochenstunden angeboten hätte.
Die Tatsache, dass einzelne Professuren doch noch "gerettet" werden konnten, schien hier auch noch ein Grund für Applaus zu sein. Ich würde mir wünschen, dass sich diese Personen doch bitte mal trauen mögen, an die Presse zu gehen und öffentlich eindringlichst davon abzuraten, ein Studium der Erziehungswissenschaften (Pädagogik und Lehramt) an der Justus-Liebig-Universität Giessen aufzunehmen.
Der beste Witz nun ist, dass nebenbei auch das Prüfungsamt der Geisteswissenschaften nun nicht mehr mit einer Stelle besetzt sein wird. Das bedeutet, dass sich solange dann auch niemand zu einer Prüfung anmelden kann (!!). Selbstverständlich laufen StudentInnen sturm gegen diese totale Misere, das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen.
Obwohl der Abschluss meines Studium also überhaupt nicht gewährleistet ist, werde ich um meinen Abschluss zu machen dank der von der CDU-Landesregierung Hessens eingeführten Studiengebühren nicht drum herum kommen, dem Land Hessen 1200€ für zwei Semester quasi als zinslosen Kredit zu geben (denn abgesehen davon, dass ich das Geld überhaupt nicht habe, würde ich es ja wiederbekommen wenn ich vor 2005/2006 fertig werde). Dafür, dass ich zahlender Kunde werde, wird mir dann immerhin auch das Fachgebiet vor der Nase weggekürzt oder der Rest der Lehre wird noch überfüllter als er es jetzt schon ist, oder wie soll das laufen?
Dazu muss man wissen, dass es schon seitdem ich hier studieren völlig normal ist, aus überfüllten Seminaren rauszufliegen und ein ordnunsgemässes Studium somit faktisch nicht möglich ist.
Aber nichts genaues weiss man bisher nicht, von daher bleibt mir nichts anderes übrig, als abzuwarten.
Denn seltsamerweise findet man aber auch nirgends auf den Webseiten der Uni irgendeine offizielle Information dazu. Ich frage mich ob das irgendeine Absicht, oder lediglich eine verfehlte Informationspolitik ist.
Das ist also die Operation Sichere Zukunft, live und in Farbe.
Ein erklärtes Ziel der CDU-Mehrheitsdiktatur im Landtag scheint darin zu bestehen, jegliche nicht direkt in einem kapitalistisch-ökonomischen Sinne verwertbare auszubeutenden Bildungsinhalte sowie die dazugehörigen Institutionen zu zerstören.
Ein solcher Bildungsbegriff ist mehr als fragwürdig, die gesellschaftlichen Folgeschäden jedoch sind unabsehbar.
(Diesen Beitrag gibt es auch im Weblog Gegen Studiengebühren und Bildungsabbau in Hessen)

Anthropologie des Strickens?

10. Februar 2004 - 00:30 Uhr - Moe
Paige West, an anthropologist at the Columbia University describes people in urban areas as "alienated from the products of their daily work -- they never see a material product of their labor."
But knitting helps, she says, allowing the development of a social relationship between objects and people, as well as providing a material byproduct of their efforts.
"People can develop a social relationship with the objects and the people" allowing "some sort of production from which you can see the sensuous item straight away".
[via Yahoo]

Studiengebühren von der Steuer absetzen

05. Februar 2004 - 20:10 Uhr - Moe
Nach Auffassung findiger Juristen können Studenten ihre Studienkosten in voller Höhe von der Steuer absetzen - und zwar nach dem Berufseinstieg. Damit winken Akademikern enorme Ersparnisse, Finanzminister Hans Eichel drohen Steuerausfälle in Millionenhöhe.
[...]
"Belege sammeln, Studiengebühren sammeln, alle Kosten, die im Zusammenhang mit dem Studium entstehen, sammeln, zusammenschreiben und dann im Rahmen der Steuererklärung geltend machen."
[via Spiegel Online]
(Diesen Beitrag gibt es auch im Weblog Gegen Studiengebühren in Hessen)